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Die Uhr tickt
UN-Organisationen dringen auf Zugang zum Jemen

Ein Mädchen sucht im Abfall auf einer Straße in Sanaa nach verwertbarem. Im Jemen sind Millionen Menschen vom Hunger bedroht.
Ein Mädchen sucht im Abfall auf einer Straße in Sanaa nach verwertbarem. Im Jemen sind Millionen Menschen vom Hunger bedroht. © Foto: Hani Mohammed/AP/dpa
dpa / 16.11.2017, 21:24 Uhr
Rom/Genf (dpa) Millionen Menschen im Jemen leiden unter Hunger, aber humanitäre Hilfe ist schwierig, weil eine von Saudi-Arabien geführte Koalition die meisten Flug- und Seehäfen des Landes geschlossen hat. Jetzt machen die Vereinten Nationen Druck.

UN-Organisationen haben an die von Saudi-Arabien geführte Koalition einen dringenden Appell zur vollständigen und sofortigen Aufhebung der Blockade des Jemen gerichtet. Trotz der teilweisen Lockerung seien noch immer die meisten Flug- und Seehäfen des Landes geschlossen, was "eine bereits katastrophale Situation weiter verschlimmere", erklärten das Kinderhilfswerk Unicef, die Weltgesundheitsorganisation und das Welternährungsprogramm am Donnerstag. Weil humanitäre Hilfe nicht durchkomme, sei das Leben von Millionen Kindern und Familien gefährdet.

UN-Generalsekretär António Guterres rief Saudi-Arabien in einem Brief an die UN-Vertretung des Landes in New York ebenfalls dazu auf, Häfen und Flughäfen im Jemen komplett wieder zu öffnen. Die UN stünden bereit, bei der technischen und logistischen Organisation der humanitären Hilfe Unterstützung zu leisten, sagte der Sprecher von Guterres am Donnerstag.

Mehr als 20 Millionen Menschen sind in dem Bürgerkriegsland auf humanitäre Hilfe angewiesen. 150 000 unterernährte Kinder könnten in den nächsten Monate sterben, wenn sie nicht behandelt würden, hieß es in der Mitteilung. Trotz der teilweisen Aufhebung der Blockade werden nach Berechnungen des Welternährungsprogramms nun weitere 3,2 Millionen Menschen Hunger leiden. "Die Uhr tickt", warnten die Organisationen. Die Vorräte an Medizin, Essen und anderen humanitären Versorgungseinheiten gingen bereits zur Neige. "Die Kosten dieser Blockade wird an der Zahl der verlorenen Leben berechnet."

Auch die Hilfsorganisation Save the Children hatte vor einer steigenden Zahl der Todesopfer gewarnt. "Diese Toten sind so sinnlos wie vermeidbar", sagte der Länderdirektor für den Jemen, Tamer Kirolos. Täglich sterben nach Angaben der Organisation im Jemen schätzungsweise 130 Kinder.

In dem Land, das eins der ärmsten Länder der arabischen Welt ist, fliegt ein von Saudi-Arabien geführtes Bündnis Luftangriffe gegen Huthi-Rebellen. Die Koalition hatte Montag vergangener Woche die Flug- und Seehäfen geschlossen. Sie reagierte damit auf einen Angriff der schiitischen Huthis auf die saudische Hauptstadt Riad mit einer Rakete. Diese wurde abgefangen. Hilfsorganisationen warnen seitdem, dass dem Land durch die Blockade eine der größten Hungerkatastrophen weltweit drohe.

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