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Berliner Ausstellung zeigt Skulpturen Wieland Försters im Dialog mit Werken von Käthe Kollwitz

Ausstellung
Figuren des Leidens

Peter Liebers / 17.11.2017, 06:30 Uhr
Berlin (MOZ) Es ist lange her, dass dem Bildhauer Wieland Förster in Berlin oder in Brandenburg eine seinem Schaffen angemessene Ausstellung gewidmet war. So schwer die Annäherung an den 1930 in Dresden geborenen Künstler und sein Werk in seiner Heimatstadt in den vergangenen Jahrzehnten auch war: Der Wunsch auf Aussöhnung führte im Jahre 2001 zu einem Vertrag über die Wieland-Förster-Stiftung an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit der Schenkung, die umso nobler war, indem die eingebrachten 58 Plastiken für den Bildhauer nicht nur Verzicht, sondern ein Vermögen und ein Auskommen für seine nicht mehr produktiven Lebensjahre bedeuteten.

Der Bildhauer, der 2009 im Rahmen des Brandenburgischen Kunstpreises den Ehrenpreis für sein Lebenswerk bekam, konzentriert sich inzwischen auf das Schreiben. Gerade ist sein biografischer Roman "Tamaschito" erschienen. Tagebücher zeichnen seinen künstlerischen Weg nach und beschreiben zugleich auch seine von Heinrich von Kleist beeinflusste künstlerische Entwicklung. Förster wurde früh geprägt durch die traumatischen Erlebnisse der Zerstörung Dresdens und seine bis heute nachwirkende Inhaftierung durch russische Besatzer als Jugendlicher in Bautzen. Ausgehend von diesen Schlüsselerlebnissen, aber auch von seiner Erfahrung mit der Liebe zum Leben, werden Leid, körperliche und seelische Bedrohung und auch das Sterben zu Hauptthemen seiner männlichen Figuren. Parallel dazu entstanden, besonders durch weibliche Motive, Sinnbilder der Lebensbejahung sowie eindrucksvolle Porträts der Emanzipation der Geschlechter.

Einen wichtigen Hintergrund für Försters Werk bildet die Auseinandersetzung mit künstlerischen Inspirationsquellen von der böhmischen Barockskulptur über die Klassische Moderne bis hin zu Zeitgenossen. Einer von diesen ist der Bildhauerkollege Gustav Seitz, dessen überlebensgroße Bronze "Käthe-Kollwitz-Denkmal" (1958) den Besucher in der Ausstellung "Im Dialog mit Käthe Kollwitz - Der Bildhauer Wieland Förster" im Berliner Käthe-Kollwitz-Museum begrüßt.

Dennoch dominiert diese hoch aufragende Arbeit nicht den Raum. Gerade weil Försters Arbeiten wie "Passion" (1966) und "Arkadischer Akt" (1968) aus der Spannung existenzieller Erfahrungen entstanden, behaupten sie sich trotz ihrer eher zurückhaltenden Dimension. Das gilt auch für die Auseinandersetzung mit den Skulpturen der Käthe Kollwitz, wobei augenscheinlich wird, dass Försters "Passion" mit ebenso sparsamen Mitteln wie Kollwitz' "Mutter mit totem Sohn" (1937/38) Schmerz und Verzweiflung auszudrücken vermag. Förster betrachtet seine Arbeit als Selbstbildnis, "in dem mein in der Jugend erfahrenes Leid aufging in dem aller Menschen". Die mit religiösen Bezügen entstandenen Bronzearbeiten werden bei beiden Künstlern zu einem Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Mit seinem "Arkadischen Akt" schuf Förster ein Frauenbildnis, das von Heiterkeit zeugt und zugleich ein Innehalten oder gar Träumen ausdrückt. Auch hier ergeben sich Bezüge zu den zahlreichen Mutter-Kind-Szenen der Kollwitz.

Hannah Lotte Lund wies bei der Vernissage auf die unmittelbare Verbindung der beiden hin. Die Direktorin des Frankfurter Kleist-Museums erinnerte daran: "Beide lasen Werke von Kleist in besonderen Momenten ihres Lebens: Als ihr erster Sohn an die Front ging, las Käthe Kollwitz mit dem zweiten Kleists ,Was gilt es in diesem Kriege'". Förster "traf Kleist, auch in Zeiten der Arbeitsbehinderung und des Ausstellungsverbotes, in der märkischen Landschaft und führte viele Gespräche mit seinem ,Bruder Kleist'". Hannah Lotte Lund bat den in Wensickendorf (Oberhavel) lebenden Bildhauer Förster um "einen aktuellen Satz über Käthe Kollwitz". Seine Antwort verrät die enge innere Verbundenheit zur ihr: Sie habe "mit dem trauenden Elternpaar wohl das wichtigste Werk der Bildhauerei des 20. Jahrhundert geschaffen. Darüber gäbe es noch viel zu diskutieren."

Bis 18.2.2018, täglich 11-18 Uhr, Käthe-Kollwitz-Museum, Fasanenstr. 24, Berlin-Charlottenburg

Mehr unter: www. moz.de/wielandfoerster

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