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Petition
Meuterei auf der Schiene

Der Schiene gehört die Zukunft: Davon sind vor allem Pendler und Touristen in Brandenburg überzeugt.
Der Schiene gehört die Zukunft: Davon sind vor allem Pendler und Touristen in Brandenburg überzeugt. © Foto: MZV
Dietmar Stehr und Burkhard Keeve / 18.11.2017, 19:27 Uhr - Aktualisiert 20.11.2017, 11:32
Oberhavel (OGA) "Wer nicht handelt, wird verhandelt": So begründet Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin), warum er sich an der Unterschriftenaktion "Mehr Bahn für Nordwest-Brandenburg" , die er jetzt gemeinsam mit OPR-Landrat Ralf Reinhardt(SPD) startete, beteiligt. Unterstützung kommt dafür auch aus Oberhavel.

Schon bis Anfang Dezember sollen dabei möglichst viele Unterzeichner zusammenkommen, um doch noch Änderungen am Landesverkehrsplan 2018 zu erwirken. Dieser soll im März kommenden Jahres vom brandenburgischen Landtag verabschiedet werden. In der jetzigen Form stößt das Papier im Nordwesten der Mark aber auf breite Ablehnung. Denn besser werden soll erst einmal nichts.

So etwa beim Prignitz-Express, dem RE6. Vor dem Jahr 2022 wird - Stand jetzt - nicht einmal die Planung für eine günstigere Anbindung an das Zentrum von Berlin angegangen. Bis sich die seit Jahren als ungenügend geltende Situation zum Positiven wandelt und Gesundbrunnen angefahren wird, könnte es also 2030werden. Themen wie Fachkräftesicherung und Attraktivität des ländlichen Raums drohen somit, buchstäblich auf der Strecke zu bleiben.

"Dabei gibt es kleinere Maßnahmen, mit denen uns das Land unter die Arme greifen könnte", sagte der Landrat von Ostprignitz-Ruppin Ralf Reinhardt. Gemeinsam mit dem Landkreis Oberhavel hatte Ostprignitz-Ruppin bereits Vorschläge für eine frühere Durchbindung des RE6 an die Berliner City unterbreitet. Helfen soll hierbei die Mitnutzung eines S-Bahn-Gleises.

Daher, so Reinhardt, sollte es unbedingt noch vor 2022 möglich sein, den Prignitz-Express bis nach Berlin-Tegel anzubinden. Platz für einen Bahnsteig, wie er am Rheinsberger Tor in Neuruppin existiert, sei vorhanden. Selbst ein altes Gleis liegt dort noch und müsste nur reaktiviert werden. Lediglich der Hennigsdorfer Bahnhof bräuchte einen geringfügigen Ausbau, dann wäre auch die Velten in Aussicht gestellte S-Bahn-Anbindung möglich, so Reinhardt. Das habe die Bahn selbst in mehreren Schreiben festgestellt.

Zur Unterschriftensammlung gehört ein Forderungskatalog. Dieser stellt nicht allein auf den Raum Neuruppin ab, sondern wagt den Blick über Kreisgrenzen hinweg. Daher hofft Ralf Reinhardt auf eine breite Unterstützung aus dem gesamten Nordwesten Brandenburgs. Nicht nur Berufspendler sollten sich an der Unterschriftensammlung beteiligen. Touristen seien ebenso zum Unterzeichnen aufgefordert, schließlich würden auch sie von einer besseren Anbindung profitieren.

Das unterstreicht Jens-Peter Golde. Er verweist auf eine Umfrage unter Besuchern des Martinimarkts, die den Wunsch nach einer besseren Bahnanbindung Neuruppins bestätigt habe. Für den Bürgermeister ist das "mindestens genauso wichtig" wie die vorerst gescheiterte Verwaltungsstrukturreform.

Für diese hatte das Land 400Millionen Euro angespart. Das Geld soll nun zu großen Teilen dem ländlichen Raum zukommen. Vor diesem Hintergrund ist es für Ralf Reinhardt "ein Unding, dass bis 2022 nichts passiert". Mit seinem Vorstoß geht der OPR-Landrat durchaus auf Konfrontationskurs mit Infrastrukturministerin Kathrin Schneider, die wie er der SPD angehört. Die Unterschriftensammlung solle aber nicht als opponieren gegen die eigene Partei wahrgenommen werden, sondern gegen die Prioritätensetzung des Landesverkehrsplans. "Es gibt großen und wachsenden Unmut. Wir wollen mehr Aufmerksamkeit". Ähnlich formuliert es Jens-Peter Golde: "Wir fühlen uns nicht so mitgenommen, wie von Ministerin Schneider angekündigt."

Auch Oberhavels Landrat Ludger Weskamp (SPD), einige Landtagsabgeordnete und Bürgermeister wie Stephan Zimniok (BiF) aus Birkenwerder unterstützen öffentlich Aktivitäten, die dazu führen, dass das Angebot des öffentlichen Schienenpersonennahverkehrs im Landkreis Oberhavel verbessert wird. Denn für sie wie für Weskamp bleibt der Entwurf des Landesnahverkehrsplans weit hinter den Notwendigkeiten und Erwartungen zurück. Vor 2022 in Oberhavel keine Verbesserungen durchzuführen, "ist weder sachgerecht noch akzeptabel", so der Landrat. Er ruft alle Oberhaveler, die auf einen funktionierenden Personennahverkehr auf der Schiene angewiesen sind und denen an schnellen Verbesserungen gelegen ist, auf, bei der Onlinebeteiligung (siehe Textende) bis zum 4.Dezember mitzumachen.

Das macht auch Inka Gossmann-Reetz, SPD-Landtagsabgeordnete aus Hohen Neuendorf. Beim Nahverkehrsplan vermisse sie "dringend benötigte Verbesserungen bei der Anbindung von Birkenwerder und Hohen Neuendorf. Dazu zählt allen voran ein Regionalbahnhalt in Birkenwerder, der überhaupt nicht erwähnt wird." Auch mit Blick auf die S-Bahn-Verbindungen der Linien 1 und 8 sieht Gossmann-Reetz Nachholebedarf."Die Linie S1 sollte zukünftig zumindest in der Hauptverkehrszeit im 10-Minuten-Takt bis Oranienburg verkehren. Genauso wichtig ist es, dass die Linie 8 auch nach 2022 bis nach Birkenwerder durchfährt und nicht bereits in Hohen Neuendorf endet."

Während die Reaktivierung der Stammstrecke der "Heidekrautbahn" zumindest erwähnt wird, bedauert Gossmann-Reetz den Zeitpunkt der Wiederinbetriebnahme. "Die ,Heidekrautbahn' könnte viel früher, als im Landesnahverkehrsplan vorgesehen, wieder in Betrieb genommen werden. Mir fehlt hier ein Stück weit der politische Wille."

Das Ministerium für Infrastruktur hat für Anregungen folgende E-Mail Adresse eingerichtet: LNVP@mil.brandenburg.de

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