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Vorbeugender Winterdienst soll Unfälle verhindern - dank moderner Technik genügt immer weniger Salz

Streuen, bevor es glatt wird

© Foto: dpa
Sefan Woltereck / 22.12.2013, 17:05 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Vorbeugender Winterdienst-Einsatz verhindert Glätteunfälle. Dank moderner Technik genügt immer weniger Salz - für weniger Kosten und weniger Umweltbelastung.

Der Begriff "Streudienst" weckt im Autofahrer eher ungute Gefühle: Es ist Winter, es ist kalt, nass, dunkel. Und oft genug auch noch glatt - so rutschig, dass es ohne diesen Streudienst nicht geht. Der aber verteilt Salz auf den Straßen: Das lässt mein Auto rosten und tut der Umwelt nicht gut. Und überhaupt: Oft kommen die Streufahrzeuge zu spät, die Autos hängen bereits, vor allem die Lastwagen: Nichts geht mehr.

Hoffen wir, dass uns dies in den kommenden Monaten möglichst erspart bleibt. "Viele Kommunen haben ihre Winterdienst-Organisation im Hinblick auf extreme Situationen optimiert", versichert Horst Hanke, Vorsitzender im Fachausschuss Winterdienst im Verband kommunaler Unternehmen. Fast alle von ihnen, so betont er, haben ihre Salzlager aufgestockt, die Straßenmeistereien schafften neue und zusätzliche Fahrzeuge an. Immer mehr Hightech in der Ausrüstung sorgt dafür, dass sie diese möglichst rationell einsetzen können.

Wichtigstes Hilfsmittel ist dabei die Straßenwetter-Information des Deutschen Wetterdienstes (SWIS). Sie zeigt den Einsatzleitern nicht nur die augenblickliche Lage, sondern gestattet auch eine Prognose für die nächsten Stunden, aufgegliedert sogar für einzelne Straßenabschnitte. Hinzu kommen gut 1000 Glättemeldeanlagen, davon 800 an den Autobahnen. Sie sorgen unter anderem dafür, dass bei drohender Glätte stationäre Taumittel-Sprühanlagen ausgelöst werden.

"Winterdienst soll heute nicht nur Glätte bekämpfen", so Christian Holldorb, "er soll sie gar nicht erst entstehen lassen!" Holldorb ist Professor an der Hochschule Biberach und arbeitet daran, den Winterdienst rascher und effektiver zu gestalten. Ist Schnee zu erwarten - oder Regen auf gefrorenen Fahrbahnen - so rücken die Streufahrzeuge entsprechend vorbeugend aus. Sie streuen, bevor es glatt wird. Dies ist die beste Vorsorge gegen Glätteunfälle, bei entsprechender Wetterlage wird sie heute sogar von der Rechtsprechung verlangt. Die Autobahnen werden rund um die Uhr frei gehalten, Bundesstraßen wenigstens von sechs Uhr morgens bis 22 Uhr nachts. Allerdings: Auch auf ihnen kann es Winter werden, wenn Frau Holle ihre Betten sehr kräftig schüttelt - weil dann die Streufahrzeuge auch in ihrer größeren, aber naturgemäß noch immer beschränkten Zahl nicht nachkommen, weil liegenbleibende Fahrzeuge die Strecke blockieren. Großen Fortschritt gibt es auch beim Taumaterial. Der klassische Salzstreuer hat ausgedient. Statt trockener Salzkörnchen, die rasch von der Straße geweht werden, kommt heute in aller Regel "Feuchtsalz" auf die Fahrbahn. Es bleibt kleben und behält seine Wirkung immerhin einige Stunden. Die neueste Entwicklung ist "Flüssigsalz". Auf die Fahrbahn wird Sole gesprüht. Sie enthält nur zu 20 Prozent Salz, der Rest ist Wasser. Flüssigstreuung eignet sich hervorragend für den vorbeugenden Einsatz, die Wirkung hält bis zu 24 Stunden an - allerdings nur bis zu Temperaturen von minus sechs Grad. Wird es kälter, oder liegt bereits Schnee, ist Feuchtsalz das Mittel der Wahl.

Kennzeichen modernen Winterdiensts ist, immer mehr mit immer weniger Salz zu erreichen. GPS-Steuerung lässt die Fahrzeuge breitere Fahrbahnen breiter, kleinere aber schmaler streuen und Randbereiche möglichst gar nicht. Bei Sole können zwei Gramm pro Quadratmeter genügen - das ist, auf die Fläche bezogen, weniger Salz als zum Beispiel auf ein Steak kommt. Die geringen Mengen verursachen, so Untersuchungen zum Beispiel des Freiburger Öko-Instituts und der OECD, keinen großen Schaden in der Natur - und im Zeitalter der verzinkten Karosserien auch nicht mehr an den Autos.

Völliger Verzicht mag zur Idylle weißer Wintersportorte passen, in Ballungsräumen aber führt er ins Chaos. Die Salzindustrie jedenfalls sorgt sich nicht um ihre Absatzchancen: "Auftausalz ist das wirksamste und wirtschaftlichste Mittel, um Straßen und Autobahnen schnee- und eisfrei zu halten". Künftige Generationen werden möglicherweise sogar mehr davon brauchen: Das renommierte Potsdam-Institut für Klimaforschung sagt "eine signifikante Zunahme der Schneemengen" in Deutschland voraus, verbunden mit extrem tiefen Temperaturen und kalten Ostwinden. Der Klimawandel findet auch auf unseren Straßen statt - allerdings anders, als man ihn sich wünscht.

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