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Manfred Neumann
"Zeigen, was mir wichtig erscheint"

© Foto: Johann Müller
Stephanie Lubasch / 23.11.2017, 20:41 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Wenn Manfred Neumann ausstellt, dann ist es stets eine Reise durch die Zeiten - und zu den Menschen, die sie geprägt haben. Der Maler und Grafiker, 1938 in Ostpreußen geboren und seit den 60er-Jahren in Frankfurt (Oder) zu Hause, hat sich seit jeher wenig für Landschaft und Stillleben interessiert: Seine künstlerische Herausforderung ist das Porträt. Aus Anlass seines 80. Geburtstages im kommenden Jahr will eine Ausstellungstrilogie in seiner Heimatstadt das nun ins Zentrum stellen - der erste Teil im Frühjahr in der Spectrum-Galerie präsentierte vor allem Familienmitglieder, der jetzt in der Galerie B eröffnete zweite Teil ist Kollegen, Freunden und Bekannten gewidmet. Krönender Abschluss soll im Jubiläumsjahr dann eine Schau im Museum Viadrina unter dem Titel "Herausragende Persönlichkeiten - Auftragswerke" werden.

Für ihn, sagt Neumann, seien viele seiner Arbeiten neben ihrem künstlerischen Wert vor allem auch zeitgeschichtliche Dokumente. Da sind zum Beispiel jene Kohlezeichnungen aus den 70er-Jahren von Kostümproben am Frankfurter Kleist-Theater, Porträts von Schauspielern wie Horst Damm und Astrid Höschel. Die Bühne ist längst Vergangenheit; Neumanns Bilder aber erinnern an jene Jahre: "Die 70er", sagt er, "waren in Frankfurt eine Zeit des künstlerischen Aufbruches, viele, vor allem junge Menschen sind hierher gekommen."

Den Titel eines Chronisten der Oderstadt hat der Maler sich so über die Jahre erworben. Kaum ein prominenter Frankfurter, der ihm nicht Modell gesessen hat. In der Galerie trifft man so auf Nikos Athinäos, den ersten Generalmusikdirektor des Staatsorchesters, Rudolf Loch, einst Chef am Kleist-Museum, und Universitätsprofessor Dieter Martini. Andere kennt man aus Stadtbild und Kulturszene. Und dann sind da noch jene, an denen Neumann einfach so etwas entdeckt hat, das ihn faszinierte.

Auf seinen Bildern fängt er ein, "was für mich an diesem Menschen wichtig erscheint" - manchmal, sagt er, gehe das sehr schnell, manchmal "quält man sich damit elendig". Viel hänge zudem von der Maltechnik ab. In der Ausstellung finden sich so Arbeiten in Öl und Acryl, aber auch Zeichnungen mit Bleistift und Kohle.

Den Dialog mit dem Betrachter indessen suchen sie alle. Ganz selbstbewusst zum Beispiel schaut "Sandra" einem entgegen, der Ärmel ihres Pullovers ist ihr von der Schulter gerutscht und gibt einen Hauch Unterwäsche frei. Bei "Uta K." dagegen liegt der Fokus ganz auf ihrem Gesicht. Bei manchen Porträtierten haben Neumann wenige Striche gereicht, um seine Person zu erfassen, andere sind bis ins Detail genau auf die Leinwand gebannt. Jedes Bild aber, egal in welcher Form oder Technik, ist wie eine Feier dessen, der darauf zu sehen ist. Vielleicht ist das ja Neumanns Erfolgsgeheimnis: der Respekt vor denen, die ihm seit Jahrzehnten seine Inspiration liefern.

Bis 14.12., Di-Fr, 14-18Uhr, Galerie B, Lindenstr. 4, Frankfurt(Oder), Tel. 0335 23367

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