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Eberswaldes Sozialrebell Albrecht Triller feiert am Sonnabend 80. Geburtstag / Er will möglichst noch lange geistig wach bleiben

80. Geburtstag
Das Gegenteil der drei Affen

Mahnmal aus Silberpappelrinde: Albrecht Triller hat bei seinem selbstgeschnitzten Bildnis von den drei Affen, die nichts sehen, nichts hören und nichts sagen, einen vierten Affen hinzugefügt, der nichts tut. "Alle vier Untugenden sind schlimm", findet der
Mahnmal aus Silberpappelrinde: Albrecht Triller hat bei seinem selbstgeschnitzten Bildnis von den drei Affen, die nichts sehen, nichts hören und nichts sagen, einen vierten Affen hinzugefügt, der nichts tut. "Alle vier Untugenden sind schlimm", findet der © Foto: MOZ/Sven Klamann
Sven Klamann / 25.11.2017, 06:45 Uhr - Aktualisiert 25.11.2017, 08:52
Eberswalde (MOZ) Wer ihn schätzt, bescheinigt ihm einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Weniger Wohlwollende schimpfen ihn einen Querulanten. Wenn Albrecht Triller überhaupt in eine Schublade passt, dann in die eines Sozialrebells. Am Sonnabend feiert er seinen 80. Geburtstag.

Wenn sich Freund und Feind über eines einig sind, dann darüber, dass Albrecht Triller ein streitbarer Zeitgenosse ist. Einer, der in der Kommunalpolitik billige Kompromisse stets abgelehnt hat, der den Streit zwar nicht sucht, aber auch nicht scheut. Unzählige Male hat er sich beispielsweise in den vergangenen Monaten in den Einwohnerfragestunden der Eberswalder Stadtverordnetenversammlung zu Wort gemeldet, um mehr Transparenz bei der Wärmeversorgung einzufordern. Von 2003 bis 2014 hat Albrecht Triller selbst erst für die PDS und dann als Parteiloser im Stadtparlament und im Barnimer Kreistag mitgewirkt. Er war der maßgebliche Initiator der 100 Montagsdemonstrationen, auf denen ab August 2004 gegen Hartz IV protestiert wurde, das der Sozialrebell nach wie vor als "Ausgeburt eines tiefgreifenden Abbaus des Sozialstaates" bezeichnet. Albrecht Triller hat das Bündnis für ein demokratisches Eberswalde mitgegründet, dessen Kandidat bei der Bürgermeisterwahl 2006 die Stichwahl knapp verpasst und damit zumindest einen Achtungserfolg erreicht hat. Er hat die Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben Barnim mit aus der Taufe gehoben, die sich für bezahlbare Wasser- und Abwasserpreise einsetzt. Auch beim Bündnis für Frieden Eberswalde gehörte er zu den Geburtshelfern. Überdies hat er sich mindestens in drei Bürgerinitiativen engagiert - gegen den Ausbau des Flugplatzes sowie der Telekomstraße in Finow sowie gegen die Müllverbrennungsanlage von Theo Steil. Als Parteiloser hat Albrecht Triller von 2003 bis 2008 als Ortsvorsteher von Finow amtiert. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, die Freie Schule Finow zum Laufen zu bringen und jüngst dem nach Waldorf-Grundsätzen arbeiteten Kindergarten "Morgenglanz" den Weg bereitet.

Das alles gehört zum Lebenswerk von Albrecht Triller, der in Eichicht, einem Ortsteil von Kaulsdorf im Kreis Saalfeld-Rudolfstadt, Thüringen, geboren wurde, auf einem Bauernhof groß geworden ist, eineinviertel Jahr Offiziersschüler für die Kassernierte Volkspolizei war, sich dann aber zu einem Studium an der Landwirtschaftlich-gärtnerischen Fakultät der Universität in Leipzig entschied, das er 1963 abschloss. Sieben Jahre lang führte er später eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, bevor er Anfang der siebziger Jahre in die Aufbauleitung des Kraftfuttermischwerkes wechselte. Damals entstand auch das Eigenheim in Finow, das er inzwischen mit seiner zweiten Frau Thea bewohnt. 1980 wurde er Direktor des Betriebes, nach dessen Privatisierung stand er von 1991 bis 1996 als einer von drei Geschäftsführern von Märka in der Verantwortung. "Als ich dort mit großem Lob verabschiedet und mir gekündigt wurde, war ich zweieinhalb Jahre arbeitslos", blickt der Sozialrebell zurück, der sich als überzeugten Sozialisten bezeichnet und dennoch mit Hochachtung auch von einem seiner Großväter spricht, der evangelischer Pfarrer war. Das ist für Albrecht Triller allerdings kein Widerspruch. "Die christlichen Ziele und Werte sind auch für mich wichtige Maßstäbe. Der Sozialismus wäre die beste Möglichkeit, die humanistischen Ideale zu verwirklichen", urteilt er.

Wie findet jemand wie Albrecht Triller Entspannung? Zum Beispiel, in dem er schnitzt. Das Haus in Finow steht voller Kunstwerke, die er aus Silberpappenrinde gefertigt hat. Doch selbst dabei schaltet der Sozialrebell seinen Kopf nicht ab. Daher hat er den sprichwörtlichen drei Affen, die nichts sehen, nichts hören und nichts sagen und damit sinnbildlich für die meinungslose und desinteressierte Gesellschaft stehen, einen vierten Affen hinzugesellt, der nichts tut. "Ich wünsche mir, dass ich immer geistig wach und aktiv bleibe", sagt der Jubilar, dessen erste Frau 1985 viel zu früh starb. Zu seiner Familie zählt er sechs Kinder, bei denen er nicht zwischen eigenen und angenommenen unterscheidet, 15 Enkel und zwei Urenkel. Die komplette Großfamilie wird den 80. Geburtstag feiern.

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