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Kirchengemeinde Brodowin erinnert mit Gedenkfeier an geheime Bekenntnissynode vor 80 Jahren

Gedenkfeier
Luther-Apfelbaum gepflanzt

Viola Petersson / 27.11.2017, 06:44 Uhr - Aktualisiert 27.11.2017, 13:14
Chorin (MOZ) Sie dauerte nur wenige Stunden und war streng geheim. Und doch ist sie das größte kirchengeschichtliche Ereignis von Brodowin: die Bekenntnissynode der Bekennenden Kirche 1937. Am Sonnabend erinnerte die Gemeinde mit einer Gedenkfeier an dieses Ereignis - und pflanzte einen Apfelbaum.

Trübes Novemberwetter - es muss ein Tag wie dieser Sonnabend gewesen sein. Viel mehr Gemeinsamkeiten zum 10. November 1937 gibt es allerdings nicht. Die Zusammenkunft anlässlich der 80. Wiederkehr unterliegt natürlich nicht der Geheimhaltung. Im Gegenteil. Und auch Repressalien haben die Teilnehmer des festlichen Gottesdienstes in der Stüler-Kirche Brodowin nicht zu befürchten, wie Pfarrer Andreas Lorenz sofort versichert. Gleichwohl: Es sei eine Zeit, da "vieles fragil ist" und da der Weltfrieden erneut in Gefahr sei. Auch und gerade deshalb sei es wichtig, sich die Inhalte der "geheimen" Synode der Bekennenden Kirche der Mark Brandenburg vom 10. November 1937 zu vergegenwärtigen, umreißt Lorenz das Anliegen dieser Gedenkfeier.

Ein historisches Ereignis, das schon fast drohte in Vergessenheit zu geraten, wie Altpfarrer Eberhard Rau hinzufügt. Auf seine Initiative hin hatte sich die Kirchengemeinde 2007 - zur 70. Wiederkehr - eingehend mit den zeitgeschichtlichen Umständen und den Hintergründen befasst. Der Berliner Kirchenhistoriker Hartmut Ludwig von der Humboldt-Universität hatte damals die Geschichte um die Brodowiner Bekenntnissynode aufgearbeitet. Kein einfaches Unterfangen. Denn Unterlagen zu dieser Synode gebe es nicht, wie Andreas Lorenz sagt. Allein die Beschlüsse seien überliefert. Dazu gehörten unter anderem der Aufbau weiterer Bekennender Gemeinden sowie die Sammlung von Kollekten. Sichtbares Zeichen des Erinnerns ist eine steinerne Gedenktafel, die die Kirchengemeinde Brodowin 2007 am Eingang zum Gotteshaus enthüllt hat.

Die Botschaft ist eindeutig: Wach und mutig bleiben! Die Bekennende Kirche, so ruft Andreas Lorenz ins Gedächtnis, war in der Zeit des Nationalsozialismus eine "Oppositionsbewegung evangelischer Christen" gegen die Versuche der Gleichschaltung, gegen die Bemühungen der NSDAP, das Christentum zu liquidieren und durch eine "völkische Religion zu ersetzen". Pfarrer Lorenz spricht über Ausbildungs- und Publikationsverbote, über die Verhaftung Dutzender Pfarrer 1937, über Strafversetzungen, den Ausschluss von Studenten der Theologie, die Versiegelung des Predigerseminars, das von Dietrich Bonhoeffer geleitet wurde. In genau dieser Zeit, da das Christentum und auch die Existenz der Evangelischen Kirche sowie des Glaubens so sehr gefährdet waren, trafen sich bekennende Christen, um für die Freiheit des Evangeliums zu kämpfen. In diesem Ringen um den Glauben und um existenzfähige Strukturen bildete die Brodowiner Bekenntnissynode eine wichtige Zäsur", beschreibt Pfarrer Lorenz die überregionale Bedeutung und die politische Brisanz.

Als Zeichen der Hoffnung, wie es der Pastor bezeichnet, pflanzen die Mitglieder der Kirchengemeinde nach dem Gottesdienst auf dem Kirchhof einen Apfelbaum. Einen Apfelbaum der Sorte "Edelborsdorfer", die aus Luthers Zeiten stammt, so Lorenz' Hinweis. Und sogleich zitiert er den Reformator, der gesagt haben soll: "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen." Nun, Pfarrer Lorenz, Altpfarrer Rau, Christoph Brust vom Kirchenkreis Barnim und Helfer bringen das Gehölz ohne etwaige Endzeit-Szenarien in die Erde, eben als Zeichen der Hoffnung. Unter den Gästen sind auch Bertram Pecina, Christiane Gümbel und Ruth Rericha, drei Kinder von Johannes Pecina, der 1937, als die Bekenntnissynode in Brodowin stattfand, Pfarrer der Gemeinde war und der ebenfalls Wochen zuvor im Gefängnis saß. Nach Pecinas Einschätzung hatte das geheime Treffen kaum Einfluss auf die Gemeinde. Damals vielleicht nicht ...

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