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Deutsch-polnisches Kindermusical "Wo ist Susi?" begeistert bei zusätzlicher Aufführung Buckower Publikum

Musical
Eine Suchaktion quer durch Europa

Thomas Berger / 28.11.2017, 06:20 Uhr
Buckow (MOZ) "Wo ist Susi?" Unter diesem Titel steht das im Oktober entstandene deutsch-polnische Kindermusical, das auf Initiative einiger Eltern jetzt noch eine Extra-Vorstellung in Buckow erlebte. Das Publikum im Saal der Gaststätte "Märkische Schweiz" war begeistert.

In einer knappen Stunde einmal quer durch Europa. Und das ohne große Requisiten. Das Stück kommt ohne Kostüme aus, ohne ein richtiges Bühnenbild - lediglich die Attrappe des Heißluftballons steht in der linken Ecke der Bühne. Jenes Transportmittel, in dem Kuba, der nach seiner verschwundenen Schwester Susi suchende Junge, Thomas Majka und eine stetig zunehmende Zahl neuer Mitsuchender immer wieder Platz nehmen, um weiterzureisen. Von Polen nach Deutschland, von England nach Frankreich, von Schweden nach Tschechien. Majka ist übrigens einer der vier Projektbetreuer und der einzige Erwachsene inmitten der Kinder-Darstellerschar.

"Wie war das damals eigentlich?", will in den kleinen Zwischenszenen, wenn die Bühne in Dunkel getaucht ist und nur eine Tischlampe das Duo links davor beleuchtet, ein Mädchen von seiner Oma wissen. Es ist die gealterte Susi, die viele Jahre später auf die spektakuläre Suchaktion zurückblickt, die eigentlich nur auf einem Missverständnis beruhte. Denn als Kuba und seine neuen Freunde heimkehren, ohne sie gefunden zu haben, wartet Susi schon ihrerseits besorgt: "Wir waren doch auf unserem Spielplatz am Teich verabredet ..." Die Premiere des Musicals hatte bereits vor mehr als einem Monat im polnischen Witnica stattgefunden. Als Abschluss jener gemeinsamen Probenwoche in Schloss Trebnitz, wo die Kinder gemeinsam das Stück erarbeitet haben. "Die Verständigung war nicht ganz einfach, aber mit Händen und Füßen ging das. Zudem haben wir einen Jungen in der Klasse, dessen Mutter aus Polen stammt", blickt Vicky Grübener zurück. Felix Heinrich haben die Lieder gefallen, obwohl das Textelernen nicht ganz einfach war, Hanna Heinze hat vor allem das Tanzen Spaß gemacht - denn neben Schauspiel und Gesang gehörte auch eine Tanzszene dazu.

"Es ist schön, die Kinder nach einigen Wochen noch einmal wiederzusehen, das haben wir ja sonst nicht", freuen sich auch Bogna von Wodtke und Maria Adamowicz vom Projektteam über diesen sehr gelungenen zweiten Auftritt. Üblicherweise ist ja mit der Abschlussvorstellung am Ende der Probenwoche alles vorbei, merken die beiden Frauen an, die mit ihren Kollegen Artur Dziuk und Thomas Majka die Inszenierung auf die Beine gestellt haben. "Dieser Zusatzauftritt macht es ein ganzes Stück nachhaltiger. Und zeigt noch einmal, wie gut sich die Kinder verstehen. Aus anfänglich zwei Teilgruppen ist eine geworden." Üblicherweise wäre auch Rolf Zuckowski jetzt wieder dabei gewesen - der hat sich das Bein gebrochen und ist deshalb verhindert.

In Zeiten, da die Idee vom gemeinsamen Europa in Anbetracht wachsender rechter Wahlerfolge in diversen Ländern scheinbar an Glanz verloren hat, ist das Musical weit mehr als einfach eine unterhaltsame kleine Geschichte mit schönen Melodien. Jedes der Lieder trägt eine klare Botschaft in sich: "Grenzen überwinden nicht nur für den Augenblick, all das kann Musik", singen die Kinder fast zum Schluss. "Lieder, die wie Brücken sind - ob sie uns tragen, liegt an uns allein." Von den Unterschieden, die Menschen doch erst interessant machen, handelt ein anderer Song. Genauso geht es aber auch um das Bekenntnis zu einer erfüllten Kindheit sowie das Ernstgenommenwerden durch die "Großen": "Wir sind Kinder, der Stoff, aus dem die Zukunft ist", besagt eine weitere Textzeile. Oder auch: "Starke Kinder halten fest zusammen, starke Kinder zwingt keiner in die Knie."

Eine Gruppe von Eltern hat es übernommen, den Zusatzauftritt zu organisieren. "Und wir sind froh, dass die Euroregion Pro Europa Viadrina uns in so kurzer Zeit mit der finanziellen Unterstützung geholfen hat", ist Hagen Schmidt überaus dankbar. Beachtlich auch, wie textsicher die Buckower Viertklässler und ihre neuen polnischen Freunde selbst nach fünf Wochen noch sind. Im Unterricht habe man nur einzelne Lieder noch einmal wiederholt, berichtete Klassenlehrerin Kerstin Schnabel.

Die Begeisterung ist selbst bei denen groß, die keinerlei verwandtschaftliche Beziehung zu den Akteuren auf der Bühne haben. "Schon beim ersten Lied kamen mir die Tränen, das war so traurig und doch so schön", sagt Kathleen Grötzsch aus Leipzig, gerade zu Gast in der Mutter-Kind-Klinik.

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