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Ein Hauch von Wild-West-Romantik im äußersten Osten Deutschlands / Oderwiesenrinder fest in Frauenhand

Rinderhaltung
Die Cowgirls vom Deichvorland

Ulf Grieger / 28.11.2017, 19:20 Uhr - Aktualisiert 29.11.2017, 11:07
Zechin/Genschmar (MOZ) Die Uckermärker-Herden der Mila-Genschmar sind fest in Frauenhand. Mandy Schröder und Anika Michel umsorgen die rund 750 Tiere, für die jetzt die Wintersaison auf ihren Weiden begonnen hat. Die Cowgirls verstehen ihr Handwerk. Notfalls auch mit Lasso.

John Wayne, Lex Barker oder Henry Fonda haben es geprägt - unser Bild vom knallharten Westernhelden und Cowboy. Auf ihre Pferden vollführten sie lässig ihre Kunststücke mit Lasso und Revolver, trieben die Tiere zum Markt oder über die unendlichen Weidengründe. Ein wenig davon ist noch übrig. Doch dafür muss man nicht erst ins Kino gehen. Ein Ausflug an die Oder, genauer zum Neuen Deich zwischen Sophienthal und Nieschen, reicht. Denn auf dem Deichvorland weiden Hunderte der prächtigsten Uckermärker-Fleischrinder der Mila Genschmar, die zur AGO Zechin gehört.

Die Pferde sind durch Geländewagen ersetzt. Darin zwei Frauen: Mandy Schröder und Anika Michel. Weil Letztere erkrankt ist, packt Azubi Dominik Mattausch mit an. Er ist im dritten Lehrjahr und hat sich in die Arbeit mit den Oderwiesenrindern verliebt. Die unendlichen Grasland-Weiten sind hier durch die Oder begrenzt. Aber 620 Hektar Oderwiesen wollen auch erst mal beweidet sein.

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Für Mandy Schröder ist es der Traumberuf. Bereits als Kind war die gebürtige Genschmarerin mit der Mutter oft bei den Kühen im Stall und auf den Weiden. "Zu Hause hatten wir Pferde und Bullen. Für mich gab es gar nichts anderes, als Tierwirtin zu werden", erzählt sie. Als sie bei "Muh und Mäh" in Sophienthal ausgelernt hatte, wurde eine Stelle zur Betreuung der Mutterkühe frei. Das war vor genau fünf Jahren. Im März darauf kam Anika Michel hinzu. Seither betreuen sie zu zweit die Herden.

Gegen 6 Uhr beginnt ihr Tag. Dann fahren sie mit dem Geländewagen hinaus, um nach den Tieren zu schauen: Ob sie gesund sind, noch genug Wasser haben und jetzt, da die Winterzeit gekommen ist, auch noch genug Anwelksilage. Mit Sprechfunkgeräten können sie Nachschub anfordern. Sie schauen nach den Elektrozäunen, die vor allem dazu da sind, um Menschen davon abzuhalten, auf die Weiden zu gehen. Denn je 40 Mutterkühe läuft von Mai bis Oktober ein Bulle mit. "Die Bullen sind meist von der Arbeit mit den Kühen sehr erschöpft. Aber das Leittier ist ohnehin immer eine Kuh. Und die versteht bei einer Bedrohung keinen Spaß!", sagt das Cowgirl. Es seien zumeist Angler, die die Warnschilder und Elektroabsperrungen ignorieren. Aber wenn erst so ein 314 Kilogramm schweres Jungtier einmal zum Angriff übergeht, ist es gut, ein Fluchtauto in der Nähe zu haben. Die Beulen an ihrem Geländewagen zeugen von solchen "Kuhkontakten". Wobei den Tieren zumeist schon die Hörner weggezüchtet wurden. Wo das nicht der Fall ist, werden sie entfernt, um die Verletzungsgefahr zu senken.

Dass die Zäune hungrige Wölfe abhalten könnten, glaubt die Hirtin nicht. Noch wurden die Herden von Isegrimm, der mitunter einzeln von Ost nach West durchzieht, aber verschont.

Mandy Schröder schwärmt von den traumhaften Sonnenaufgängen über der Oder, von den majestätisch durch die Wiesen stampfenden und in der Morgenkälte dampfenden Fellbergen. Kaum zwei Kühe gleichen sich, weiß sie. Wenn nicht am Aussehen, dann unterscheidet sie sie am Temperament. Einige der Besten haben sogar Namen. Wie "Tina", die eigentlich "Tiara" heißt und im vorigen Jahr bei der Leistungsschau in Paaren/Glien "Beste Kuh aller Klassen" wurde. Einer ihrer Söhne wurde vom Rinderzuchtverband RBB bereits für die Nachzucht ausgewählt.

Vor kurzen wurden die Kälber von ihren Mutterkühen getrennt. Die besten Kühe werden für die Nachzucht und zur Weidehaltung ausgesucht, die Bullen werden verkauft. So richtige Wild-West-Romantik kommt auf, wenn die im März geworfenen Kälbchen ihre Ohrenmarken bekommen. Dann können die Cowgirls sogar mal das Lasso schwingen. Vom Geländewagen aus, versteht sich. Da hat der Arbeitstag dann auch schon mal 24 Stunden.

Infos: www.oderwiesenrind.de

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