Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Gesetz
Polen schafft Sonntags-Handel ab

Das polnische Küstrin - eine Stadt der Supermärkte
Das polnische Küstrin - eine Stadt der Supermärkte © Foto: Heinz Köhler
Dietrich Schröder / 28.11.2017, 20:00 Uhr
Slubice/Warschau (MOZ) Viele Brandenburger und Berliner sind daran gewöhnt, dass man im Nachbarland Polen auch sonntags einkaufen kann. Ein jetzt beschlossenes Gesetz sieht jedoch das schrittweise Ende des Sonntag-Handels für Supermärkte und größere Läden vor. Die Grenzbasare sind allerdings nicht davon betroffen.

Die gute Nachricht zuerst: In der diesjährigen Adventszeit kann man noch an allen Sonntagen in Polen Besorgungen erledigen. Selbst am 24. Dezember, der auch auf einen Sonntag fällt, werden die Supermärkte bis 14 Uhr geöffnet sein. Und auch im Januar und Februar 2018 wird sich noch nichts ändern.

Ab März kommenden Jahres sollen die Geschäfte östlich von Oder und Neiße aber nur noch am ersten und letzten Sonntag jedes Monats offen sein. So sieht es ein Gesetz vor, das nach einer heftigen Debatte zwischen Befürwortern und Kritikern des Sonntagshandels jetzt vom Warschauer Parlament beschlossen wurde. "Die Freiheit der Konsumenten existiert nur auf Kosten der Freiheit von 1,2 Millionen Verkäufern, die zum großen Teil Frauen sind." Mit diesen Worten begründete Urszula Rusecka von der Regierungspartei PiS, weshalb die bisherige äußerst liberale Regelung geändert wird.

Ein rigoroses Verbot des Sonntagshandels hatten vor allem die katholische Kirche und die Gewerkschaft "Solidarnosc" gefordert, deren Mitglieder vor zwei Jahren auch hauptsächlich den Regierungswechsel bewirkt hatten. Kritiker warnten dagegen, dass bis zu 40000 Arbeitsplätze und umgerechnet rund eine Milliarde Euro Steuereinnahmen wegfallen könnten, wenn die Supermärkte nur noch an sechs Tagen offen haben.

Die Regierung hatte deshalb zunächst als Kompromiss angeboten, dass es künftig noch zwei verkaufsoffene Sonntage pro Monat geben soll. Doch selbst das war der Gewerkschaft zu wenig. Nun wurden drei Stufen bis zum absoluten Verbot beschlossen: Ab März 2018 gibt es noch zwei offene Sonntage. Ab 2019 noch einen und ab 2020 lediglich sieben Sonntage im ganzen Jahr (vor Ostern, Weihnachten und während der Saison-Schlussverkäufe). "Dann können wir uns endlich mehr um unsere Familien kümmern", freuen sich schon jetzt die Verkäuferinnen Anna und Elzbieta aus der Shopping-Galerie "Prima" in Slubice. Aus Angst vor ihren Chefs wollen die beiden aber ihre Nachnamen nicht verraten.

Die Händler auf den Basaren in den Grenzorten zu Deutschland dagegen sind froh, dass die Einschränkung für sie nicht gelten wird. "Es wird eine Ausnahme für uns geben", erläutert der Vorsitzende der Basar-Händlervereinigung von Slubice, Pawel Slawiak. Demnach dürfen die Besitzer der Stände diese auch an Feiertagen öffnen, wenn nur sie selbst dort arbeiten und ihrem Personal freigeben. Weitere Ausnahmen gelten für Tankstellen und Geschäfte auf Bahnhöfen und Flughäfen.

"Es wäre besser, wenn man den Sonntagshandel auf 14 bis 21 Uhr beschränkt hätte und den Verkäuferinnen Zuschläge zahlen würde", meint Krystian Jarubas von der oppositionellen Bauernpartei PSL. Er prophezeit der Regierungspartei wegen der Neuregelung deutliche Stimmenverluste bei der nächsten Parlamentswahl. Und selbst Regierungschefin Beata Szydlo scheint nicht sicher zu sein, ob die Einlösung des Wahlversprechens richtig ist. "Wahrscheinlich werden die Gehälter im Handel jetzt langsamer steigen", sagt sie voraus.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG