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Bundesministerium fördert Klimaschutz-Projekt von Hebewerk und wandelBar / Koordinatorinnen suchen Mitstreiter

Klimaprojekt
Von Gemüsekiste bis Lastenfahrrad

Regionale Frische garantiert: Gabi Wolf (l.) und Anja Neumann tragen Gemüsekisten zur Verteilerstation
Regionale Frische garantiert: Gabi Wolf (l.) und Anja Neumann tragen Gemüsekisten zur Verteilerstation © Foto: MOZ/Sven Klamann
Sven Klamann / 29.11.2017, 06:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) "Wachstumsschub für Klimaschutz von unten" ist der Titel des Projektes der Initiativen Hebewerk und wandelBar, das vom Bund gefördert wird: Bis August 2019 bezahlt das Ministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zwei halbe Personalstellen.

Es ist Donnerstagnachmittag. Im Projektbüro an der Breiten Straße 20 wartet eine Handvoll Abnehmer darauf, dass der Kleintransporter vom Hof "Gemeinsam gut Leben", den Gabi und Friedemann Wolf in Luisenfelde bei Klein Ziethen bewirtschaften, an der Verteilerstation in Eberswalde eintrifft. Aktuell beziehen 17 Abonnenten ihr regional und saisonal produziertes Gemüse auf diese Weise und unterstützen damit die lokale Solidarische Landwirtschafts-Initiative, die zu fördern sich auch die Projekt-Mitarbeiterinnen Anja Neumann (27) und Ulrike Gatz (27) verpflichtet haben. "Wir befürworten den Ansatz, einen direkten Vertrieb von landwirtschaftlichen Produkten aus der Region an die Verbraucher zu ermöglichen, ohne dabei den Schritt über Zwischenhändler wie Supermärkte oder Läden zu gehen", betont Anja Neumann, die im vorigen Jahr zum Ende ihres Studiums in ihre Heimatstadt Eberswalde zurückgekehrt ist. "Mich hat nicht nur das bunte Stadtbild angezogen, das seit einigen Jahren neben den altbekannten Gesichtern zunehmend von Studierenden, jungen Familien und Zugezogenen geprägt ist", sagt Anja Neumann. Auch die vielen kleinen und größeren Projekte und Veranstaltungen - zu umweltrelevanten Themen sowie im kulturellen Bereich - hätten sie zurückgelockt. Bei so viel kreativem Potenzial und Engagement habe sie Lust bekommen, selbst an der künftigen Entwicklung und Gestaltung Eberswaldes mitzuwirken, sagt die Absolventin mit Master in Europäischer Kunstgeschichte.

Auch ihrer Kollegin Ulrike Gatz, die an der Eberswalder Hochschule den Bachelor-Studiengang Unternehmensmanagement absolviert hat, kommt die neue Projektstelle wie gerufen, bei der die wöchentliche Verteilung von Gemüsekisten aus biologischem und regionalen Anbau nur einer von mehreren, aber ein wichtiger Baustein ist.

Als Gabi Wolf vorfährt, hat sie den Kleintransporter voller Kisten mit Mangold, Sellerie, wildem Rucola, Schwarzrettich und Kartoffeln. Ihre Kundschaft konnte sich entscheiden, ob sie einen halben Ernteanteil für 50 Euro oder einen ganzen Ernteanteil für 100 Euro pro Woche bestellen. Den Landwirten aus Luisenfelde gibt das Abo etwas mehr Existenzsicherheit, den Abnehmern garantiert es in jeder Hinsicht wertvolle Lebensmittel. Auch wenn sie nie genau wissen, was diesmal geliefert wird. "Das ist manchmal eine Herausforderung", räumt Tanja Leinfelder ein, die sich für ihre Wohngemeinschaft in die Schlange derer eingereiht hat, die auf die Gemüsekiste warten. Daher sei es prima, dass ab und zu Rezeptideen mitgeliefert würden.

"Unser Ziel ist es, mindestens 50 Abnehmer für die wöchentliche Lieferung zu finden", sagt Anja Neumann, die wie ihre Kollegin in dem Projekt "Wachstumsschub für Klimaschutz von unten" vier weitere Inhalte bedient. Dazu gehört zum Beispiel, das Lastenrad-Modell weiterzuentwickeln, das bereits gut angelaufen ist. Gegen eine geringe Leihgebühr soll das stadtweite Nutzen von Lastenrädern ermöglicht werden - für Einkäufe, Familienausflüge und kleinere Transporte, ohne dafür aufs Auto zurückgreifen zu müssen. Es gehe darum, die kohlendioxidfreie Mobilität auszubauen, hebt Anja Neumann hervor. Aktuell gebe es in Eberswalde drei Lastenräder, die bei Globus Naturkost an der Michaelisstraße, im Regionalladen Krumme Gurke an der Ruhlaer Straße sowie über den Hebewerk-Verein gebucht werden könnten.

Zudem tragen die beiden Projektmitarbeiterinnen das Vorhaben mit, die Vision, städtische Freiflächen wie Parks, Vorplätze und Wiesen nutzbar zu machen, mehr und mehr mit Leben zu erfüllen. Der Initiative "Essbare Stadt" sei es bereits gelungen, Flächen im Leibnizviertel und am Treidelweg mit Obststräuchern zu bepflanzen. "Weitere Flächen und Projekte sind in Planung, neue Ideen und anpackende Hände jederzeit willkommen", sagt Anja Neumann.

Die vom Hebewerk-Verein bereits angebotenen regelmäßigen Repair-Cafés werden weiter gepflegt. Überdies ist vorgesehen, nachbarschaftliche Beratungen zur gemeinsamen Optimierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs zu initiieren.

Projektbüro Breite Straße 20, Öffnungszeiten: montags 10 bis 14 Uhr, mittwochs 10 bis 14 Uhr, donnerstags 14 bis 18.30 Uhr, Tel. 0157 7431009, Internet: www. hebewerk-eberswalde.de

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