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Welt-Aids-Tag
Positiv zusammen leben

Silvia Passow / 01.12.2017, 00:01 Uhr
Havelland (MOZ) Anlässlich des Welt-Aids-Tages hat das Robert-Koch-Institut die Zahlen und Schätzungen zu den Betroffenen veröffentlicht. Die Aids-Hilfe Potsdam sorgt sich jedoch mehr um die unbekannten Zahlen. Denn: Noch immer wissen nach Schätzungen in Deutschland etwa 12 000 Menschen nichts über ihre mögliche Infektion. Für diese Menschen könnte ein Test lebensrettend sein. Aids ist nicht heilbar aber behandelbar. Die frühzeitige Therapie kann die Folgen der Immunschwächekrankheit AIDS deutlich abmildern.

Das Acquired Immune Deficiency Syndrom (Aids) bezeichnet spezifische Erkrankungen oder deren Symptome nach einer Infektion mit Humanen Immundefizienz-Viren (HIV). Bei diesen Erkrankungen handelt es sich um schwere bis lebensbedrohliche Infektionen und Tumorerkrankungen. Besondere Formen der Lungenentzündung (Pneumonie) oder typische Tumore. Aber auch ganz allgemeine Symptome wie drastisches Untergewicht. Die Bandbreite der Folgeerkrankungen ist groß. Eine Therapie kann dem entgegenwirken.

Am 1. Dezember 1981 wurde Aids als eigenständige Krankheit erkannt. Weltweit forderte die erworbene Immunschwächeerkrankung Aids 35 Millionen Menschenleben.

Aids ist behandelbar aber nicht heilbar. Bei der Therapie werden zumeist verschiedene Medikamente eingesetzt, mit unterschiedliche Wirkungsbereichen, eine Kombinationstherapie. Diese Medikamente müssen dauerhaft und regelmäßig eingenommen werden. Nur so ist ihre optimale Wirksamkeit gewährleistet. Die Therapie kann den Virus nicht komplett beseitigen. Sie verhindert aber seine Vermehrung. Das Virus hat deutlich geringe Chancen den Körper zu schädigen. Und genau hier liegt einer der wichtigsten Ansätze in der Therapie. Je früher sie eingesetzt wird, das Virus erkannt und nachgewiesen wird, um so besser die Chancen auf ein langes und normales Leben. Menschen mit behandelten HIV haben eine nahezu gleiche Lebenserwartung, wie Menschen ohne den Nachweis unter gleicher Lebensführung. 93% der behandelten Patienten gelten als erfolgreich therapiert.

Für 2016 hat das Robert-Koch-Institut (RKI) folgende Zahlen gemeldet: 88 400 Menschen mit HIV Nachweis deutschlandweit. 3100 Menschen hatten sich im Jahr 2016 neu mit HIV infiziert. Damit blieb die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen zu 2015 konstant. Unter den für das Jahr 2016 gemeldeten Erkrankten sind rund 56 100 Männer, welche Sex mit Männern haben, 11 200 heterosexuelle Männer und etwa 8200 intravenöse Drogenkonsumenten. Bei diesen Zahlen ist zu den Vorjahren eine Verschiebung zu sehen, denn die Zahl der infizierten Homosexuellen Männer ist im Vergleich zu den Vorjahren gesunken. Im Gegensatz dazu steigt seit 2010 die Zahl der infizierten heterosexuellen Männer an. Und auch bei den Drogennutzern steigen die Zahlen seit 2010. Nach Schätzungen des RKI leben rund 12 000 Menschen in Deutschland mit HIV, denen ihre Infektion nicht bekannt ist.

In Brandenburg wurden für das Jahr 2016 bisher 70 neue HIV Infizierte gemeldet. Wie viele davon im Havelland betroffen sind, ist unbekannt. Das wird statistisch nicht erhoben. Was die Diagnose im Alltag bedeuten kann, darüber weiß Sabine Frank von der AIDS-Hilfe in Potsdam ein Lied zu singen. Ein trauriges Lied, von Ausgrenzung im Alltag, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, manchmal auch in den Familien. Aber auch bei Einrichtungen, die es nun eigentlich besser wissen sollten. Sie erzählt über Erfahrungen in Reha Kliniken, wo HIV- positive Patienten abgelehnt werden, weil sie noch ein Pflaster auf dem Rücken tragen. Oder Besuche beim Zahnarzt, wo HIV Infizierte als letzte Patienten auf ihre Behandlung warten müssen. Als Begründung dient die besondere Reinigung der Geräte und Instrumente im Nachgang. Im Anbetracht der nicht erkannten HIV Infektionen eine denkwürdige Betrachtungsweise.

Unter dem Motto: "Positiv zusammen leben"- Gemeinsam für ein positives Miteinander, setzten dann auch in diesem Jahr Einrichtungen wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Deutsche AIDS-Hilfe und viele andere Aktionspartner ein Zeichen. Für Aufklärung und gegen Diskriminierung "Ängste und Unsicherheiten im Umgang mit HIV-infizierten Menschen abbauen, damit ein vorurteilsfreies Zusammenleben zur Selbstverständlichkeit wird", so auch Hermann Gröhe, anlässlich einer Presseerklärung zum Welt-Aids-Tag.

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