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Heinz-Rudolf Kunze beendet die diesjährige Kulturherbst-Saison mit einem fulminanten Konzert

Kunze-Konzert
Zauberer, Poet, Zyniker

Auf Reise durch 37 Jahre Liederschöpfungsgeschichte: Heinz-Rudolf Kunze begeisterte am Sonntagabend im Ofenhaus mit seinem Programm "Kunze - solo".
Auf Reise durch 37 Jahre Liederschöpfungsgeschichte: Heinz-Rudolf Kunze begeisterte am Sonntagabend im Ofenhaus mit seinem Programm "Kunze - solo". © Foto: Bernau Live
Cornelia Timm / 05.12.2017, 06:30 Uhr
Bernau (MOZ) Wer am Sonntagabend eine Karte für das Programm von Heinz Rudolf Kunze im Ofenhaus ergattert hatte, erlebte das Abschlusskonzert der Kulturherbst-Reihe als eine große Sternstunde. Drei Stunden, ohne Pause, sang, spielte, las Kunze auf der Bühne und zog das Publikum von Anfang an mit seinem klugen, bissigen aber auch humorvollen Vortrag in den Bann.

Kunze - solo, so war das Programm überschrieben. Dennoch hatten die Veranstalter für ihn eine große Bühne gebaut. Die brauchte er, denn der Singer-Songwriter pendelte während dieser Reise durch 37 Jahre Kunze-Liederschöpfungsgeschichte vom großen Steinway-Flügel zur Mikrofoninsel mit diversen akustischen Gitarren. Das war großartig und kurzweilig. Zwischen den Songs las Kunze Texte zur Lage der Nation, zum Miteinander der Menschen, manche bitter-böse, zynisch - aber immer auf den Punkt. Die Zuhörer folgten mit großer Spannung und Aufmerksamkeit.

Das Konzert beginnt mit dem Song "Balkonfrühstück" von seiner ersten, 1981 veröffentlichten LP, "Reine Nervensache". Und auch das zweite Stück "Das Ultimatum" oder etwas später "Der schwere Mut" stammen aus den frühen Jahren, in denen sich Kunze einen Namen als politischer Sänger und Dichter machte. Diese großen alten Balladen hat er neu arrangiert für seinen Sologesang zur Gitarre oder am Flügel. Wie meisterhaft er seine Instrumente, gleichsam seine Stimme beherrscht, wie er minimalistisch Spannungsbögen baut, ist beeindruckend. Eingängige musikalischen Motive und engagierte, zuweilen sarkastische Texte, dieser Kontrast macht HRK in der deutschen Konzertlandschaft einmalig.

2016 veröffentlichte Kunze zwei neue Alben, deren Songs im Soloprogramm erklingen: "Deutschland", dessen Titelsong auf ein weiteres Frühwerk Bezug nimmt. Schon 1984 hieß ein Lied von Kunze so, damals mit dem Zusatz "Verlassen von allen guten Geistern".

Wo Heinz Rudolf Kunze aufgewachsen ist, wo seine Wurzeln sind, erfährt der Zuhörer durch einen Song, den er als Heimatlied bezeichnet. Nämlich "In der alten Piccardie". Und dabei lernt das Publikum sogleich, wo dieser so wunderschön klingende Landstrich eigentlich zu verorten ist - wo Niedersachsen eine Beule macht, "an drei Seiten von den Niederlanden, an der vierten vom Moor begrenzt".

Was ist zu kritisieren an diesem Abend mit einem der großen deutschsprachigen Sänger unseres Landes? Eigentlich nur, dass nach einem langen dreistündigen Abend noch immer Lücken bleiben. Dass solche Lieder, wie beispielsweise "Lamm Gottes", die nach wie vor aktuell und brisant sind, nicht erklungen sind. Heinz-Rudolf Kunze hätte noch weiter machen können, noch einmal drei Stunden. Großer Beifall am Ende des Konzerts und Standing Ovations!

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