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Gebäude steht geplantem Kreisverkehr im Weg / Eigentümer ist auf die Mieteinnahmen angewiesen

Kreisel-Debatte
Hausbesitzer lehnt Verkauf ab

Gegen den Verkauf: Waldemar Kinder (56) will sein Haus, Königstraße 26 in Bad Freienwalde, unbedingt behalten.
Gegen den Verkauf: Waldemar Kinder (56) will sein Haus, Königstraße 26 in Bad Freienwalde, unbedingt behalten. © Foto: MOZ/Steffen Göttmann
Steffen Göttmann / 06.12.2017, 07:30 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Wenn sich die Bad Freienwalder Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag für den Kreisverkehr entscheidet, muss das Haus, Königstraße 26, von Waldemar Kinder (56) weichen. Doch der Wriezener will das Gebäude auf keinen Fall verkaufen.

Waldemar Kinder plädiert für die Kreuzungsvariante 4.2, die einzige, der das Haus nicht im Weg steht. Für den 56-jährigen Wriezener bildet das Haus die Lebensgrundlage, er lebt von den Mieteinnahmen. In den Haus mit insgesamt 370 Quadratmeter Nutzfläche befinden sich fünf Wohnungen und ein Ladengeschäft.

"Ich habe alle Wohnungen mit Einbauküchen und Bäder mit Whirlpool und Duschen ausgestattet, die nicht nur nullachtfünfzehn sind", sagte der Hauseigentümer. Deshalb finde er immer schnell einen neuen Mieter, wenn ein anderer auszieht. 80 000 Mark, also rund 40 000 Euro, habe er für das Haus bezahlt und etwa 400 000 Euro investiert, schätzte Waldemar Kinder, gibt aber zu, dass er als gelernter Tischler fast alles selbst gemacht hat. Doch auch das Material habe viel Geld gekostet - allein 30 000 Euro das Dach. Die Stadt habe für Kauf und Abriss des Gebäudes 200 000 Euro eingeplant. Für Waldemar Kinder ist diese Summe inakzeptabel.

Als er das Haus 1997 von der Bad Freienwalder Wohnungsgesellschaft WoBaGe erwarb, sei es "das hässlichste Haus in der Straße" gewesen. Kinder betrieb in der Königstraße 15 im Hof eine Videothek. Er habe sich während dieser Zeit nach geeigneten Immobilien umgeschaut und dieses Haus gekauft.

"Ich habe die Sanierung aus eigener Tasche bezahlt und keinen Cent Fördermittel bekommen", berichtete er. Denn als er das Gebäude erwarb, habe sich das Haus noch nicht im Sanierungsgebiet befunden. Dieses sei erweitert worden, als Kinder gerade fertig wurde. "Ich habe das Haus von der WoBaGe gekauft, voll saniert und soll es nun wieder an die WoBaGe verkaufen?!", so Kinder.

Weil das alte Fachwerkhaus, angeblich das älteste an der Mühlenfließaue, jedoch denkmalgeschützt ist, habe er zahlreiche Auflagen erfüllen müssen, berichtete der Eigentümer. Er habe daher Holzfenster eingebaut und auch die Haustür musste aus Holz sein. "Auf dem Dach musste ich Tonziegel verwenden, die nicht glasiert sind, obwohl glasierte länger halten", zählte Waldemar Kinder weiter auf. Auch sei ihm vorn an der Straße kein Dachüberstand erlaubt worden, fügte der Hauseigentümer hinzu.

"Ich kann gar nicht verkaufen", beharrte Waldemar Kinder. Er habe die Stadthalle in Wriezen mit seinem Bruder als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gekauft. Als Grundsicherheit dient das Haus. Die GbR betreibt die Stadthalle und richtet einmal im Monat eine Veranstaltung aus. "Von der kann man nicht leben, wir decken damit die Unkosten", sagte er. Gleichzeitig ist Kinder Eigentümer des Gastronomiebetriebs "Breitengrad" in Altranft. Die beiden Wohnungen im Obergeschoss seien vermietet. "Es bleibt etwas übrig, aber man kann davon nicht leben", ergänzte Waldemar Kinder. Von den Mieten des Hauses in Bad Freienwalde könne er dagegen gut leben. Er habe nichts in die Rentenversicherung eingezahlt, sondern sein Geld in Immobilien gesteckt.

Waldemar Kinder ist verwundert, dass er von der Stadt bisher außer einem Brief im April nichts gehört hat. "Darin habe die Stadt angefragt, ob er ihr das Haus verkaufen würden. Kinder lehnte das Angebot ab und wäre maximal zu einem Tausch mit einem gleichwertigen Gebäude bereit, das genauso viel Miete einbringt. "Alles andere weiß ich immer nur aus der Zeitung", sagte der Wriezener.

Bad Freienwaldes Bürgermeister Ralf Lehmann (parteilos) bestätigte, dass der Brief bisher der einzige Kontakt zu Waldemar Kinder sei. "Wir wissen ja nicht, für welche Variante sich die Stadtverordneten am Donnerstag entscheiden", sagte das Stadtoberhaupt. Wenn sich die Mehrheit für die Variante 4.2, die klassische Kreuzung, entscheidet, dann bleibe das Haus unberührt.

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