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Klare Botschaft, aber keine Revolution

Henning Kraudzun
Henning Kraudzun © Foto: MOZ
Henning Kraudzun / 26.07.2016, 19:55 Uhr
(MOZ) Es ist ein monumentales Ausrufezeichen, welches zwei Schweizer Pioniere mit einer Weltumrundung im Öko-Flieger gesetzt haben. Die ambitionierten Piloten haben es geschafft, nur mit der Kraft der Sonne eine unglaubliche Distanz von 40000 Kilometern zurückzulegen - in einem kleinen Cockpit quer über die Ozeane, wo schwer kalkulierbare Wetterverhältnisse herrschen. Mit diesem Teufelsritt haben sie nicht nur eine Mission erfüllt, sondern vor allem eine Botschaft an die Weltöffentlichkeit ausgesendet: Seht her, welche Möglichkeiten in erneuerbaren Energien stecken!

Während die Konstrukteure des Solarflugzeugs - wie auch jene, die an Solarautos arbeiten - an saubere Technologien glauben, werden sie von den Mechanismen des Marktes ausgebremst. Und auch von physikalischen Gesetzmäßigkeiten. "Solar Impulse 2" ist ein kraftvoll vermarktetes Projekt, welches von Hunderten Enthusiasten getragen wurde - es vermag allerdings keine Revolution in der Luftfahrt auszulösen.

Dafür gibt es einerseits wirtschaftliche Gründe: Den großen Flugzeugbauern Airbus und Boeing, die sich in nahezu friedlicher Koexistenz den Weltmarkt aufgeteilt haben, stehen goldene Jahre bevor. Das Passagieraufkommen wächst stetig - weltweit verdoppeln sich die Zahlen alle 15 Jahre. Jumbos verkaufen sich fast von allein. Wozu sollten die Konzerne unter diesen Rahmenbedingungen ein technologisches Abenteuer eingehen? Die Konstruktion eines stromgetriebenen Flugzeugs, das in der Praxis funktioniert, würde viele Milliarden kosten.

Es ist derzeit einfach illusorisch, aus der Sonne so viel Antriebsenergie zu gewinnen und vor allem zu speichern, dass zumindest ein paar Passagiere mit den neuartigen Fliegern abheben können. Es müssten Berge von Batterien an Bord geschafft werden - eine Last, die sich in der Luft kaum tragen ließ. Hier lässt sich freilich ein wunderbarer Bogen zum grundsätzlichen Versäumnis der Öko-Strom-Produzenten schließen: Sie tun zu wenig, um das Speicherproblem zu lösen, da die Erlöse auch dann fließen, wenn der Strom keine Abnehmer findet. Hier muss dringend mit einer vielfach größeren finanzieller Schlagkraft geforscht werden. Sonst besteht die Gefahr, dass der Siegeszug erneuerbarer Energien jäh gestoppt wird. Gleichzeitig trägt die Luftfahrtbranche selbst eine große Verantwortung, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Hier fehlen immer noch verbindliche Regeln.

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