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Durchsuchungen wegen Abrechnungsbetrug bei Pflegedienst

Pflege unter Verdacht: In Brandenburg und Berlin wurden mehr als 30 Büros von der Polizei kontrolliert. Der Grund: Abrechnungsbetrug
Pflege unter Verdacht: In Brandenburg und Berlin wurden mehr als 30 Büros von der Polizei kontrolliert. Der Grund: Abrechnungsbetrug © Foto: dpa
Henning Kraudzun / 28.09.2017, 11:06 Uhr - Aktualisiert 28.09.2017, 20:07
Potsdam (MOZ) Erneut ist den Ermittlern ein betrügerischer Pflegeanbieter ins Netz gegangen. Ein Potsdamer Unternehmen steht im Verdacht, systematisch Krankenkassen und Ämter geprellt zu haben.

Dutzende Beamte des Landeskriminalamtes rückten am Donnerstagmorgen zu einer Razzia im Zentrum Potsdams an. Ihr Ziel: ein Pflegedienst in bester Lage am Brandenburger Tor. Seit September vergangenen Jahres liefen die Ermittlungen gegen neun Mitarbeiter des Unternehmens, jetzt wurden kistenweise Patientenakten, Einsatzpläne und Abrechnungen beschlagnahmt.

Nach den Erkenntnissen der Ermittler sollen Pflegeleistungen 2014 im großen Stil falsch abgerechnet worden sein, oft wurden sie noch nicht einmal erbracht. Insgesamt 32 Objekte der in Brandenburg und Berlin tätigen Firma wurden durchsucht; 170 Beamte waren im Einsatz.

In Polizeikreisen heißt es, dass Bezüge zur russischen Pflegemafia bestehen. Ebenfalls soll ein Großteil der Patienten aus GUS-Staaten stammen. Ob sie in die betrügerischen Aktivitäten einbezogen waren, ist noch unklar. Die Schadenshöhe wird auf einen sechsstelligen Betrag geschätzt. Zu weiteren Details des Verfahrens konnten weder Polizei noch Staatsanwaltschaft etwas mitteilen. Erst müssten sämtliche Unterlagen ausgewertet werden, was sich über Wochen hinziehen könne, sagt Mario Heinemann, Sprecher des Polizeipräsidiums: „Das Verfahren ist sehr komplex.“

Ermittlungen richten sich auch gegen andere Pflegedienste im Land. Dazu sei ein Schwerpunkt bei der Potsdamer Staatsanwaltschaft gebildet worden, wie Behördensprecher Christoph Lange bestätigt. „Mehrere Kollegen haben sich mittlerweile auf Betrug im Gesundheitswesen spezialisiert.“

Bundesweit werden 230 Pflegedienste verdächtigt, Abrechnungen manipuliert zu haben. Das Bundeskriminalamt beziffert den Gesamtschaden auf eine
Milliarde Euro. Dabei arbeiten die aus Russland, Kasachstan oder der Ukraine stammenden Unternehmer oft mit korrupten Ärzten zusammen, die eine Pflegebedürftigkeit bescheinigen. Senioren wiederum werden als Komplizen gewonnen: Gegen einen Zuverdienst sollen sie bei Kontrollen simulieren.

Die für die Verhinderung von Leistungsmissbrauch zuständigen Krankenkassen fordern mehr eigene Kontrollbefugnisse und eine zentrale Datenbank, in der die Fälle erfasst werden. „Sonst können schwarze Schafe immer wieder neue Firmen unter anderem Namen gründen“, sagt die Sprecherin der AOK Nordost, Gabriele Rähse. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste spricht von „extremen Ausnahmen“. Man dürfe nicht eine ganze Branche unter Generalverdacht stellen und keine Totalüberwachung ins Spiel bringen, so Geschäftsführer Herbert Mauel.

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