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Verfassungsschutz
Brandenburg wird Islamisten-Hochburg

Brandenburg und Berlin entwickeln sich nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes zu neuen Hochburgen der salafistischen Szene. Vor allem Islamisten aus dem Nordkaukasus werden als Gefahr eingeschätzt.
Brandenburg und Berlin entwickeln sich nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes zu neuen Hochburgen der salafistischen Szene. Vor allem Islamisten aus dem Nordkaukasus werden als Gefahr eingeschätzt. © Foto: dpa
Stefan Kegel / 11.12.2017, 07:11 Uhr
Berlin (MOZ) Brandenburg und Berlin entwickeln sich nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes zu neuen Hochburgen der salafistischen Szene. Vor allem Islamisten aus dem Nordkaukasus werden als Gefahr eingeschätzt.

Vertreter des fundamentalistischen Islams erleben derzeit in Deutschland großen Zulauf. "Die Zahl der Salafisten ist auf ein Allzeithoch angestiegen", sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, am Sonntag. Binnen dreier Monate sei sie bundesweit um 500 auf 10 800 gewachsen. Vor einem Jahr zählte der Inlandsnachrichtendienst noch 9700 Vertreter dieser Glaubensrichtung. Salafisten vertreten eine radikale Vorstellung ihrer Religion, die sich an der islamischen Frühzeit orientiert. Sie steht dem Wahhabismus nahe, der in Saudi-Arabien Staatsreligion ist.

Besonderes Augenmerk legt Maaßen gegenwärtig auf die islamistische Szene aus dem Nordkaukasus. Ihm zufolge sind ostdeutsche Bundesländer, "vor allem Brandenburg und Berlin" gegenwärtig Schwerpunkte ihrer Tätigkeit. Aber auch in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Bremen seien diese Islamisten tätig. Ihre Zahl bewege sich im mittleren dreistelligen Bereich.

Sie stammen nach Erkenntnissen des brandenburgischen Verfassungsschutzes vor allem aus Tschetschenien, wo sie das "Kaukasische Emirat" ausgerufen haben. Viele seien im Irak und in Syrien aufseiten der Terrormiliz IS in den Krieg gezogen. "Sie sind kampferprobt und stellen ein hohes Gefährdungspotenzial dar", erklärte Maaßen.

5000 Migranten aus diesem Gebiet sind laut brandenburgischem Verfassungsschutzbericht in den vergangenen Jahren in das Bundesland gekommen, zahlreiche auch auf illegale Weise über die polnische Grenze. Insgesamt wird die Zahl islamistischer Extremisten hier mit rund 100 angegeben. Darunter ist laut Landesinnenministerium eine niedrige zweistellige Zahl sogenannter Gefährder, also gewaltbereiter Islamisten, denen die Sicherheitsbehörden einen Anschlag zutrauen.

Die große Gefahr der Extremisten aus dem Kaukasus sieht Maaßen in ihrer Gewaltbereitschaft. Sie hätten eine "Affinität zu Gewalt, Kampfsport und Waffen". Zudem seien sie schwer zu überwachen, da sie nicht über feste Strukturen wie Moscheen verfügten, gleichzeitig aber über "weitläufige, zum Teil europaweite Netzwerke". Sie lebten weitgehend abgeschottet. Teilweise hätten sie Verbindung zur organisierten Kriminalität.

Insgesamt ziehe sich der Salafismus in Deutschland ins Verborgene zurück. Seine Behörde beobachte "eine Fragmentierung und Privatisierung des Salafismus in Deutschland". Dies ist offenbar auch eine Folge des Verbots des salafistischen Vereins "Die wahre Religion" vor einem Jahr. Sie hatte in Fußgängerzonen den Koran verteilt.

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