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Erstes Treffen von Produzenten und Caterern mit Vertretern von Schulen, Politik und Verwaltung zur Qualitätsverbesserung

Tafelrunde
Neue Lobby für gutes Schulessen

Mittagkochen mit Produkten der Saison und aus der Region: Stefan Dadarski von der Berliner "Kochschule Mitte"(v.l.) zauberte mit Mitgliedern des Gusower Vereins "Über Land", hier Margit Prey und Marika Ruft, sowie anderen Helfern ein vegetarischens Mittag
Mittagkochen mit Produkten der Saison und aus der Region: Stefan Dadarski von der Berliner "Kochschule Mitte"(v.l.) zauberte mit Mitgliedern des Gusower Vereins "Über Land", hier Margit Prey und Marika Ruft, sowie anderen Helfern ein vegetarischens Mittag © Foto: MOZ/Grieger
Ulf Grieger / 12.12.2017, 07:15 Uhr
Trebnitz (MOZ) "Besser essen in Märkisch-Oderland" - unter diesem Motto fand am Montag die Auftaktveranstaltung der Lokalen Tafelrunde im Schloss Trebnitz statt. Vertreter von Schulen, Schulträgern und Verwaltungen sowie Politiker, Landwirte, und Caterer haben über Schulspeisung, Pausenlänge und regionale Angebote diskutiert.

"Ohne Mampf kein Kampf" zitierte Moderator Frank Fiedler von der Stiftung SPI zum Auftakt der gemeinsam mit der LAG Märkische Seen, dem Landkreis und dem Kreis-Kinder- und Jugendring organisierten Veranstaltung ein Sprichwort. Tatsächlich, das sollte sich bei der Veranstaltung bestätigen, spiegelt die Essenfrage in besonderer Weise wider, wie die Gesellschaft funktioniert. Maren Danzer-Wiedmer von der "Vernetzungsstelle Schulverpflegung" machte den Handlungsbedarf auch in Märkisch-Oderland deutlich. Besonders in den östlichen Bereichen des Landkreises, der nach Oberhavel als zweiter eine "Lokale Tafelrunde" installiert, erkranken viele Schulkinder an Adipositas (Fettleibigkeit). Kinder aus sozial schwachen Familien sind besonders betroffen. Um eine "gesundheitliche Chancengleichheit" zu erreichen, sollen nun mit den"Tafelrunden" die Schulverpflegung qualitativ verbessert werden.

Anne Quart (Linke), Staatssekretärin für Europa und Verbraucherschutz, erläuterte das vor zwei Jahren gestartete Projekt, das jährlich mit 250 000 Euro gefördert wird. Die Mutter zweier Kinder, die selbst in Berlin-Treptow ihre Schülerspeisungserfahrungen gesammelt hat, weiß, wovon sie spricht. Inzwischen habe man einen Maßnahmekatalog mit 25 Projekten erstellt, bei denen die Tafelrunden einen wichtigen Platz einnehmen. Weiterhin wurde an der Uni Potsdam das Fortbildungsmodul "Ernährungs- und Verbraucherbildung" für Lehrer gestartet und nicht zuletzt werde die Bildung von "Mensa-AG´s" in den Schulen gefördert, mit denen die kontinuierliche Bewertung und Kontrolle der Schülerspeisung organisiert werden soll.

Marko Büchel (Linke), neben Simona Koß (SPD) Landtagsabgeordneter in der Runde, machte deutlich, dass nur 65 Prozent der Grundschüler und sogar nur 20 Prozent der Oberschüler an der im Schulgesetz verankerten Schülerspeisung teilnehmen. Die Ursachen dafür sollen gefunden und Wege für eine bessere Annahme der Angebote gefunden werden: Denn die wenigsten Schüler zählen zu den "Suppenkaspern".

Maren Daenzer-Wiedmer gab Auskunft über aktuelle Studien. Die besagen, dass heutzutage immer weniger mit Kindern zu Hause gekocht wird, dass die Kompetenzen, sich selbst ein gesundes Mittag kochen zu können, stark abnehmen. Andererseits steigen aber die Ansprüche in Bezug auf die Verträglichkeit von Nahrungsmitteln auf Grund von Allergien. Das sollte auch im Unterricht ein Rolle spielen.

Die Vernetzungsstelle hat einen Ideenkatalog herausgebracht, in dem gute Beispiele für den Ernährungsunterricht dargestellt sind. Aus MOL ist die Grundschule Rehfelde mit ihrer Projektwoche zur Ernährung dabei.

Ein Maßstab für die Kontrolle und Bewertung der Schülerspeisung durch die "Mensa AG" sollten die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sein. Sie legen auch fest, dass die Essenpause 60 Minuten lang sein sollte, um den Schülern auch Gelegenheit zu geben, die Hygiene einzuhalten, in Ruhe zu essen und sich auszutauschen. Die meisten Essenpausen im Land sind kürzer als 30 Minuten. Täglich sollte es Gemüse geben und maximal sollte es an acht von 20 Essentagen Fleischgerichte geben. Das Essen sollte preiswert sein und doch saisonale und regionale Produkte enthalten. In Brandenburg kostet eine Schulessenportion durchschnittlich 2,65 Euro und wird im Schnitt mit 80 Cent subventioniert.

Während sich die Teilnehmer darüber austauschten, wie es gelingt, mehr regionale Produkte preiswert in die Schulverpflegung einzubinden, dampften in der Schlossküche die Kessel. Stefan Dadarski von der Berliner "Kochschule Mitte" bereitete gemeinsam mit Helfern aus der Region ein vegetarisches Menü zu. Es gab Knollensellerie mit blauen Karottenwürfeln, einen bunten Gemüseteller mit gebackenen Pastinaken, Rote-Beete-Stampf sowie Apfelstrudel mit Vanillesoße. Der Kochlehrer, der auch die Firma "Rügenwalder" bei der Kreation von neuen Produkten berät, ist überzeugt, dass es künftig nötig werde, die Ernährung auf vegetarische Kost umzustellen. "Für eine Ernährung mit Fleisch, das aus der Massentierhaltung stammt, ist unser ökologischer Fußabdruck zu groß", erklärte er. Wobei die Betonung darauf liege, dass die Schulkinder vegetarisch ernährt werden sollten und nicht vegan, um für die Entwicklung wichtige Aufbaustoffe auch bereitzustellen.

Weitere Infos im Internet unter: www.inform.de oder www.schuleplusessen.de

Kommentar

Viele Köche verderben den Brei, heißt es. Was allerdings für den Herd gilt, muss nicht für das Essen insgesamt stimmen. Im Gegenteil. Je mehr sich in einer Gemeinde, in einem Landkreis, ja im gesamten Land dafür interessieren, wie, wann und was die Schulkinder so essen, um so leichter können auch die Bedingungen verbessert werden.Deshalb ist es gut und richtig, "Lokale Tafelrunden" zu veranstalten und an den Schulen "Mensa-AG" zu installieren, die das Essen laufend bewerten und kontrollieren.Vor allem aber muss das Land für gutes Essen mehr Geld locker machen. Denn in Brandenburg leiden die Kinder von Märkisch-Oderland mit am stärksten unter Adipositas, im Landkreis sind es die in ländlichen Gemeinden. Generell essen Kinder aus ärmeren Familien ungesünder. Denn gesundes Essen, insbesondere aus regionalen und saisonalen Zutaten, ist eben oft auch teurer. Ulf Grieger

Gesundes Essen hat seinen Preis

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