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Junge Oderhähne begeistern mit frischem Spiel

Oderhähne
Wo Helikopter-Eltern auf Lehrer feuern

Lisa Brinckmann (l.) Marco Moewes und Madlen Wegner
Lisa Brinckmann (l.) Marco Moewes und Madlen Wegner © Foto: promo Oderhähne
Thomas Klatt / 13.12.2017, 06:00 Uhr
Frankfurt (MOZ) Mancher hat es kaum noch für möglich gehalten. Die Frankfurter "Oderhähne" eines der ältesten ostdeutschen Kabaretts, haben sich einer Verjüngungskur unterzogen. Und das - im Gegensatz zu manch deutscher Volkspartei - ganz freiwillig. Der oberste Oderhahn Wolfgang Flieder ist seit 1989 Chef des Kabarett-Kellers in Frankfurt. Damals war er der jüngste Kabarett-Direktor der DDR.

Was Lisa Brinckmann, Madlen Wegner und Marco Moewes auf die Bühne bringen, kann sich sehen und hören lassen. Da jagt ein Gag den anderen, die Pointen sitzen, die Charaktere sind schön herausgespielt und der Gesang ist im zweifachen Sinne gut hörbar. Dass Kabarett zu allererst Handwerk ist, haben die drei gelernt und studiert. Die Texte, meist von Hartmut Guy, einer von Philip Schaller, andere zum Teil hausgemacht, sind aktuell und von allen gemeinsam "angepasst" worden.

Warum ist Jamaika nicht zustande gekommen? Lindner hat sich die Bräute noch mal angesehen und es sich anders überlegt. Das deutsche Parteienangebot ist wie ein alter Haushaltswarenladen: der Schulz-Kessel ist aus Blech, und der Oppermann-Trichter wird gegen die Nahles-Einspritzpumpe ersetzt. Außerdem gibt's dann noch das Gerät "Komet 90" mit doppeltem Linksgewinde und Gysi-Zylinder. Verletzungsgefahr gibt es am Fleischwolf aus Kruppstahl. Bezahlen kann man den aber nur mit Reichsmark.

Auch Regionales ist eingebaut. Wer schrieb das Buch "Feuchtgebiete"? A: Kleist, B: Shakespeare, C: Roche oder D: Verne? Es muss Kleist gewesen sein, denn im Keller der gleichnamigen Schule ist es immer feucht. Wunderbar, als Ursula von der Leyen die Truppe besucht und mit wenigen Sätzen ein paar der Grundprobleme zu Tage treten: Ausrichten durch Abrichten, besonders bei den Soldatinnen.

Auch wenn der Titel des Programm "Friede, Freude, Eierphon" etwas bemüht daherkommt, die Themen sind es nicht. Nahezu alle brennenden Probleme der Gesellschaft werden auseinandergenommen. Das Publikum spürt das und spendet bei der Premiere und den ersten Vorstellungen frenetisch Beifall. Auch über die drei Lehrer, die in Deckung gehen vor dem höllischen Hubschrauberlärm, der aus den Lautsprechern kommt, so als würde gleich der amerikanische Kriegsfilm "Apocalypse now" beginnen: Die Helikopter-Eltern feuern wieder auf die Lehrer ihrer Kinder. Ein schönes Bild. Und stehen doch für eine Gesellschaft, in der Kinder nicht mehr nur Kinder sind, sondern Statussymbole. Für die die Mutter auch mal den Job aufgibt und die kleinen Monster von einer Förderungsmaßnahme zur anderen kutschiert.

Flieder weiß auch, dass in jedem guten Programm ein bisschen Schweinskram sein darf. Im Bereich des Zwischenmenschlichen heißt es dann: Männer sind in der Liebe wie Banker: comdirekt! Außerdem brauchen wir eine neue Kanzlerin: Olivia Jones! Die hat wenigstens Eier in der Hose.

Bitte weiter so! sagt der lange Beifall am Schluss für Lisa Brinckmann, Madlen Wegner und Marco Moewes am Schluss.

Nächste Vorstellungen: Freitag (15.12.) 15/20 Uhr, Sonnabend (16.12.), 20 Uhr, Kabarett "Die Oderhähne", Frankfurt (Oder), Tel.: 0335 23723

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