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Ralf Behring vom Bioland-Hof in Leuenberg gibt Seminar zum Obstbaumschnitt / Aufbaukurs im kommenden Jahr

Baumschnitt
Mit Leiter, Astschere und viel Erfahrung

Nadja Voigt / 13.12.2017, 06:19 Uhr
Leuenberg (MOZ) In die "Grundlagen des natürlichen Obstbaumschnittes an Hochstammobstbäumen" hat Agrar-Ingenieur Ralf Behring aus Leuenberg die 15 Teilnehmer seines Kurses eingeführt. Darin erklärte er die ökologische Bedeutung von Streuobstwiesen, den Wuchs und Entwicklungsstufen der Bäume und informierte über Schnittzeitpunkte.

Ein eisiger Wind fegt über die Streuobstwiese gleich hinter dem Ortsausgang von Leuenberg. 600 Bäume hat Bioland-Bauer Ralf Behring hier in den vergangenen 20 Jahren gepflanzt. "Jakob Lebel", "Kaiser Wilhelm" oder "Ruhm aus Kirchwerder" heißen die Sorten, die er gepflanzt hat. Einer der Bäume, ein Apfelbaum der Sorte "Jakob Lebel" hat sich schlecht entwickelt. Ralf Behring vermutet, das Wühlmäuse den Baum zu schaffen machen. "Deshalb ist es wichtig, das meine Schafe das Gras auf den Streuobstwiesen kurz halten. Erstens, weil die Wühlmäuse für Adler, Fuchs und Marder besser zu sehen sind", erklärt der Fachmann. "Und zweitens sind die Schafe ein akustisches Problem." Die Teilnehmer des Obstbaumschnitt-Kurses, darunter viele Studenten der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, müssen lachen. Seit einer Stunde sind die 15 Männer und Frauen bei wirklich ungemütlichen Witterungsbedingungen unterwegs. Stark böiger Wind peitscht Eisregen über die hügelige Landschaft. Noch bis 16 Uhr soll das Praxisseminar "Grundlagen des natürlichen Obstbaumschnitts an Hochstammobstbäumen" dauern.

Am Beginn um 9.30 Uhr stand der theoretische Teil zur Einführung in die Thematik Obstbaumschnitt. "Rund 90 Prozent der Bäume sind falsch geschnitten", konstatiert Ralf Behring. Da sei er zwar sehr streng, aber: "Es tut mir weh, zu sehen, wie falsch die Bäume oft beschnitten sind." Der größte Fehler bestehe darin, zu viel zu schneiden. Einzige Ausnahme: Der Pflanzschnitt. Denn da am Wurzelwerk auch nur noch 20 bis 30 Prozent übrig bleiben, wenn die Bäume aus der Baumschule kommen, muss auch die Krone kräftig um 70 bis 80 Prozent zurückgeschnitten werden. "Um das Gleichgewicht wieder herzustellen." Sein Wissen hat er sich in jahrelanger Erfahrung erarbeitet, betont Ralf Behring. "Ich bilde mir ein, die perfekte Schnittführung gefunden zu haben." Den Fokus des Seminartages legt er dabei auf den Apfel. "Als Grundlage für das Verständnis", wie Ralf Behring erklärt.

1992 hat Ralf Behring den Hof seiner Großeltern in Leuenberg übernommen und dort mit dem Bioland-Hof einen Landwirtschaftsbetrieb mit Schafhaltung und Obstbau etabliert. Weitere Standbeine der Familie sind die Ferienwohnungen sowie Fotovoltaik. Neu dazu gekommen ist die Biotop-Pflege, deren Planung und Durchführung Ralf Behring anbietet.

Das Obst seiner Streuobstwiesen wird hauptsächlich versaftet. Und hat weniger Ertrag als sogenanntes Plantagenobst. "Bei mir stehen rund 100 Bäume pro Hektar, auf den Plantagen zwischen 1000 und 5000 Bäume", erklärt Ralf Behring. Im Schachbrettmuster hat er die Streuobstwiesen, die er mit Schafen beweidet und dem Traktor befährt, angelegt. Zehn Meter Platz haben "Kaiser Wilhelm", "Ruhm aus Kirchwerder" und Co. "Daher rührt auch der Name Streuobstwiese, weil die Bäume verstreut sind. In der Schweiz und in Süddeutschland ist diese ursprüngliche Form noch sichtbar."

In einer Höhe von rund 1,80 Meter haben die Bäume auf der Streuobstwiese ihre Leitäste ausgebildet. Sie bilden das Gerüst der Obstbäume, von denen die Fruchtäste abgehen. "Die meisten Früchte bilden sich an den fast waagerechten Ästen", erklärt er. Rund 100 Sorten wachsen bei Ralf Behring in Leuenberg. Ausgesucht hat er die jüngeren unter ihnen in einer Baumschule in der Region. "Das ist ganz wichtig, damit es dasselbe Klima ist." Dabei kam es ihm nicht so sehr auf die Sorte der Äpfel, Pflaumen, Birnen oder Kirschen an, sondern darauf, die kräftigsten Pflanzen auszusuchen. Denn nur sie seien geeignet, sich dem Klima und Boden zu stellen. "Der Klimawandel bedeutet ja nicht unbedingt weniger Niederschläge. Nur sie sind ungünstiger über das Jahr verteilt", sagt Ralf Behring.

Damit seine Obstbäume den besten Start erhalten, bestimmt der Diplom-Agraringenieur beim Pflanzen die Bodenqualität und gibt fast einen Kubikmeter Humus ins Pflanzloch. Und dazu hektoliterweise Wasser. Bis sie selbst über die Runden kommen.

Obstbaumschnitt


■ Erhalten Obstbäume keinen Schnitt, bilden sie eine wilde Krone und werden nicht sehr alt. Die Früchte sind kleiner, verschorfter und werden auch schneller anfällig für Pilze.
■ Ralf Behrings Methode besteht darin, den Baum so zu erziehen, dass er eine Stammverlängerung sowie vier Leitäste in alle vier Himmelsrichtungen hat. Im Idealfall liegen die vier Leit-äste im 45 bis 90 Grad Winkel zur Stammverlängerung. Von diesem "Gerüst" gehen die sogenannten Fruchtäste ab. "Die meisten Früchte bilden sich an fast waagerechten Ästen", weiß der Fachmann.
■ Die Leitäste dürfen nicht höher als die Stammverlängerung liegen (Saftwaage). Schnitte an Fruchtästen sollten nur knapp über dem Auge, das nach außen zeigt, vorgenommen werden.
■ Der Obstbaumschnitt im Winter ist treibend, der im Sommer hemmend. Es darf jedoch nicht bei Frostgraden geschnitten werden. "Wer nur wenig Bäume beschneiden muss, kann bis März warten", so Behring.
■ Auf www.lbv-shop.de kann die Broschüre "Pflanzung und Pflege von Streuobstbäumen" kostenpflichtig (10 Euro) bestellt werden.

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