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Andreas Hoffmann kämpft seit Oktober 2014 um den Standort Eberswalde / Hoffnung auf guten Neustart

Porträt
Bahnwerker in dritter Generation

Fels in der Brandung: Andreas Hoffmann, der auf dem Kranbau-Gelände gerade eine Umschulung für Auftragsmanagement und Vertriebsassistenz absolviert, ist seit 2014 Mitglied seit November 2016 Vorsitzender des Betriebsrates im Bahnwerk
Fels in der Brandung: Andreas Hoffmann, der auf dem Kranbau-Gelände gerade eine Umschulung für Auftragsmanagement und Vertriebsassistenz absolviert, ist seit 2014 Mitglied seit November 2016 Vorsitzender des Betriebsrates im Bahnwerk © Foto: Andreas Gora
Sven Klamann / 17.12.2017, 06:04 Uhr
Eberswalde (MOZ) Alles sieht danach aus, dass das insolvente Eberswalder Eisenbahnwerk wieder eine Zukunft hat. Zu denen, die bereits seit drei Jahren an vorderster Front um ein Überleben des Traditionsbetriebes kämpfen, gehört Andreas Hoffmann, der inzwischen dem Betriebsrat vorsteht.

Äußerlich wirkt Andreas Hoffmann (40) wie ein Fels in der Brandung, den kein Orkan ins Wanken zu bringen vermag. Scheinbar gleichmütig zieht er, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet, Entspannung suchend an seiner Wasserpfeife. Wenn Balu, der Bär, der Inbegriff der Gemütlichkeit aus dem Dschungelbuch-Klassiker von Rudyard Kipling, rauchen würde, wäre der Eberswalder sein idealer Zwillingsbruder. Doch wie es tatsächlich um die Seelenruhe von Andreas Hoffmann bestellt ist, behält er lieber für sich. Nur dass er den Ausgleich zum beruflichen Stress in seiner Familie findet, zu der neben seiner Herzallerliebsten vier angenommene und ein eigenes Kind gehören, verrät der Bahnwerker noch. "Und wenn mir alles zu viel wird, spiele ich Black Metal in meiner Band", sagt Andreas Hoffmann.

Seit Oktober 2014 war der gebürtige Eberswalder ungezählte Male zum außerplanmäßigen Adrenalinabbau gezwungen. Damals hatte die Deutsche Bahn AG verkündet, ihr Fahrzeuginstandsetzungswerk in Eberswalde bis Ende 2016 zu schließen. Für die zu diesem Zeitpunkt noch 500 Beschäftigten war das ein gewaltiger Schock. Vom Betriebsrat organisierte Mahnwachen und Demonstrationen folgten und schafften es, die gesamte Region, ja selbst die Brandenburger Landesregierung, aufzurütteln. Etliche Beschäftigte nutzen das Angebot der Bahn, zur S-Bahn nach Berlin zu wechseln. Aber Andreas Hoffmann, damals noch stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, blieb im krisengeschüttelten Werk und schürte den Widerstand gegen die Betriebsstilllegung. Vorsichtiger Optimismus machte sich breit, als das ehemalige Bahnwerk im April 2016 für einen Euro an die Quantum Capital Partners AG aus München verkauft wurde, die sich verpflichtete, wenigstens 210 Mitarbeiter zu übernehmen und an dem Standort mindestens fünf Jahre festzuhalten. Der Neustart erfolgte zum Januar 2017, doch bereits drei Monate später meldete die neugegründete Eisenbahnwerk Eberswalde GmbH wegen drohender Zahlungsfähigkeit Insolvenz an. Wieder setzte eine Mitarbeiter-Fluktuation an. Indes: Andreas Hoffmann, seit November 2016 Vorsitzender des Betriebsrates, hielt weiter durch. Mittlerweile sind die Verkaufsverhandlungen mit der Deutschen Eisenbahn Service AG abgeschlossen, die erklärt hat, das Werk zum 1. Januar 2018 zu übernehmen - mit anfangs 72 Beschäftigten, wie am Freitag bekannt wurde.

"Natürlich habe auch ich zwischendurch gezweifelt", gibt Andreas Hoffmann zu. Doch er fühle sich mit dem Werk viel zu verwurzelt, als dass er anderswo neu anfangen wollte. "Mein Opa war hier Schmied, mein Vater Schlosser, ich habe in meiner Schulzeit hier den Unterricht in der technischen Produktion besucht", blickt der 40-Jährige zurück, der selbst ab 1994 im Betrieb den Beruf eines Holzmechanikers und Industrietischlers erlernt hat und später zum Schlosser und Schweißer umgeschult wurde. Auch den verbliebenen Kollegen sei er es schuldig, weiter für den Erhalt des Standortes einzutreten.

Im März 2018 sind wieder Betriebsratswahlen. Andreas Hoffmann will erneut kandidieren - in einer dann hoffentlich dauerhaft geretteten Firma.

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