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In Oranienburg ist die 203. Weltkriegsbombe unschädlich gemacht worden

Blindgänger
Bilderbuchmäßig entschärft

Auftrag erledigt: Der Sprengmeister André Müller steht in Oranienburg (Oberhavel) neben der am Kranhaken hängenden, entschärften Fliegerbombe.
Auftrag erledigt: Der Sprengmeister André Müller steht in Oranienburg (Oberhavel) neben der am Kranhaken hängenden, entschärften Fliegerbombe. © Foto: dpa/Julian Stähle
Friedhelm Brennecke / 20.12.2017, 18:45 Uhr - Aktualisiert 20.12.2017, 20:08
Oranienburg (MOZ) Gegen 14 Uhr war die 203. Bombe seit 1990 in Oranienburg (Oberhavel) Geschichte. Trotz starker Verkrustungen des Bombenkörpers sei die Entschärfung geradezu "bilderbuchmäßig" verlaufen, sagte Sprengmeister André Müller vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Brandenburg (KMDB) am Fundort im Stadtzentrum.

Knapp 12 000 Menschen mussten bis 8 Uhr den großen Sperrkreis verlassen. Bis auf wenige Ausnahmen kamen alle Betroffenen dieser Aufforderung nach. Einmal setzte die Feuerwehr die Drehleiter ein, um in eine Wohnung zu schauen, in der noch jemand vermutet wurde. Um 11.21 Uhr meldete die Feuerwehr unter Leitung des stellvertreten- den Stadtbrandmeisters Stephan Liedtke den Sperrkreis als geräumt.

Oranienburgs 203. Bombe wird am 20. Dezember entschärft. Sie liegt am Louise-Henriette-Steg und wiegt 250 Kilogramm. 12 000 Menschen müssen am Mittwoch den Sperrkreis verlassen. Bereits am Dienstag wurde 100 Meter rund um den Fundort ein Sperrkreis eingerichtet. Ortskundige sollten das Zentrum weiträumig umfahren.
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Bombenentschärfung in Oranienburg im Dezember 2017

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203. Bombenentschärfung in Oranienburg

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Gegen Mittag gab es dort - allerdings gegen Bezahlung - auch ein Mittagessen. Etwa 60 Betroffene verbrachten die Zeit der Evakuierung im Kulturhaus Lehnitz. Dort sorgte eine Kita-Gruppe noch für vorweihnachtliche Unterhaltung und Videos wurden gezeigt.

Auch die Turm-Erlebniscity, die sich dieses Mal nicht im Sperrkreis befand, konnte mehr Besucher begrüßen. Laut Geschäftsführer Kay Duberow nahmen mehr als 100 Betroffene aus dem Sperrkreis das Angebot an, zehn Prozent Rabatt auf das Tagesticket für das Erlebnisbad und die Saunalandschaft zu bekommen.

Gegen 15 Uhr signalisierte die Sirene Entwarnung und der Sperrkreis konnte aufgehoben werden. Fünf Fachleute das KMBD waren bis dahin im Einsatz, um den in vier Metern Tiefe gefundenen 250 Kilo schweren Blindgänger amerikanischer Bauart unschädlich zu machen. "Das größte Problem waren die starken Verkrustungen von rund 20 Zentimeter an dem Sprengkörper mit chemischem Langzeitzünder", sagte André Müller. Nach Beseitigung der Anhaftungen habe sich der absolut funktionstüchtige Zünder mit dem Wasserschneidgerät problemlos abtrennen lassen, so Müller.

Der Zustand der in Oranienburg gefundenen Bomben und ihrer Zünder werde aber immer labiler und stelle den KMBD stets vor neue Herausforderungen. Oranienburgs stellvertretender Bürgermeister Frank Oltersdorf (SPD) dankte den Männern des KMBD, die wiederum ihr Leben aufs Spiel gesetzt hätten, um Oranienburg von einer weiteren explosiven Altlast des Zweiten Weltkreis zu befreien.

Im nördlich von Berlin gelegenen Oranienburg war vor gut einem Jahr der 200. Blindgänger seit 1990 entschärft worden. Der jüngste Fund - eine US-amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg - war im November im Rahmen einer systematischen Suche an einem öffentlichen Weg entdeckt worden. Der Sprengkörper musste zunächst freigelegt werden.

Im Boden Oranienburgs werden nach Angaben der Stadtverwaltung noch mehr als 250 Blindgänger vermutet. Die Stadt gilt deutschlandweit als einer der am stärksten mit Weltkriegsmunition belasteten Orte. Oranienburg war vor dem Zweiten Weltkrieg ein Eisenbahnknotenpunkt und ein wichtiger Standort der Rüstungsindustrie.

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