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Umfrage zu grenzübergreifender Straßenbahn

Telefonumfrage
Mehrheit will keine Tram nach Slubice

2007 – 2017: Vor zehn Jahren forderten Viadrina-Studenten die ständige Einrichtung einer grenzüberschreitenden Buslinie. Heute verkehrt der Bus mehrmals täglich über die Stadtbrücke.
2007 – 2017: Vor zehn Jahren forderten Viadrina-Studenten die ständige Einrichtung einer grenzüberschreitenden Buslinie. Heute verkehrt der Bus mehrmals täglich über die Stadtbrücke. © Foto: Heinz Köhler
Thomas Gutke / 20.12.2017, 19:05 Uhr
Frankfurt (Oder) / Slubice (MOZ) Auch zehn Jahre nach dem Wegfall der Grenzkontrollen ist eine Mehrheit der Frankfurter gegen eine Anbindung Slubices an das Straßenbahnnetz. Das ist das Ergebnis einer Telefonumfrage im Auftrag des Märkischen Medienhauses. Von 527 Befragten meinten 294 (55,8 Prozent), dass es keinen neuen Anlauf für eine Straßenbahn nach Slubice geben sollte. Sie halten die grenzübergreifende Buslinie 983 für ausreichend. 144 Frankfurter (27,3 Prozent) stimmten für eine grenzüberschreitende Tram, 89 (16,9 Prozent) waren unentschieden.

Gleichzeitig gaben zwei Drittel der Befragten (67,9 Prozent) an, noch nie mit der Linie 983 gefahren zu sein. 8,7 Prozent nutzen den Bus einmal jährlich - 13,2 Prozent mindestens einmal im Monat. Weiteres Ergebnis: 68,9 Prozent meinten, sie würden auch dann nicht häufiger nach Slubice fahren, wenn es eine Straßenbahn gäbe.

Ein ähnliches Stimmungsbild ergab eine Online-Umfrage auf der MOZ-Internetseite. Von 241 Teilnehmern klickten nur 27 Prozent auf: Ja, das wäre sinnvoll für die Doppelstadt.

Auch wenn neben dem Bürgerwillen noch einige andere Argumente dagegen sprechen: eine Straßenbahn über die Oder bleibt ein Fernziel für beide Städte. So ist es im Frankfurt-Slubicer Handlungsplan als Perspektive beschrieben. Und daran wird auch als Zielstellung im kürzlich von den Stadtverordneten verabschiedeten Nahverkehrsplan festgehalten.

Für OB Martin Wilke (parteilos) sind Verbesserungen bei der grenzüberschreitenden Verkehrsanbindung eine "wichtige Aufgabe für die Zukunft". Die Buslinie 983 sei ein Erfolgsmodell. Sie gehöre mit mehr als einer Millionen Fahrgästen seit 2012 zu den stärksten Linien im Stadtverkehr überhaupt. "Das Pendleraufkommen zeigt aber auch, dass eine Straßenbahn eine ernsthafte Alternative sein könnte", erklärt Martin Wilke. Allerdings würde dies Investitionskosten voraussetzen, "die weder wir noch Slubice derzeit wirtschaftlich darstellen können". Der Bus bleibe damit "die optimale Lösung".

Jörg Gleisenstein (Grüne), der den gemeinsamen Ausschuss der beiden Stadtparlamente leitet, hält die Gründe für eine Tram nach Slubice "immer noch für überzeugend". Der Erfolg der Buslinie 983 spreche für den Bedarf. Er plädiert dafür, das Thema bei der Fortschreibung des Frankfurt-Slubicer Handlungsplans von beiden Seiten der Oder in den Blick zu nehmen und "auch mit Aspekten der gemeinsamen Stadtentwicklung und der Verknüpfung beider Stadtzentren zu verbinden". Ohne EU-Fördermittel gehe es dabei nicht. Doch "je konkreter unserer Planungen und Vereinbarungen sind, desto bessere Chancen haben wir, Dritte zu überzeugen".

Zuvor wäre indes viel Überzeugungsarbeit vor Ort vonnöten. Auch der Großteil der Kommentare, die die Redaktion dazu erreichten, bewerten ein deutsch-polnisches Tram-Projekt kritisch. Sie verweisen auf hohe Kosten, das angespannte Verhältnis zwischen polnischer Regierung und EU - sowie die Bürgerbefragung 2006. Diese fiel damals mit 83 Prozent Ablehnung (bei einer Beteiligung von allerdings nur 28 Prozent) noch viel eindeutiger aus als die MOZ-Umfrage elf Jahre später.

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