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Karin Briese war 20 Jahre Seniorenbeauftragte von Neuendorf im Sande / Die Sportgruppe leitet sie nach Rücktritt weiterhin

"Sie hat Hummeln im Hintern"

Fit mit Ball und Gleichgesinnten: Karin Briese (sitzend) leitet die Sportgruppe in Neuendorf im Sande. Jeden Donnerstag treffen sich die Frauen im Gemeindehaus, um ihre Beweglichkeit mit verschiedenen Übungen und kleinen Tänzen zu schulen.
Fit mit Ball und Gleichgesinnten: Karin Briese (sitzend) leitet die Sportgruppe in Neuendorf im Sande. Jeden Donnerstag treffen sich die Frauen im Gemeindehaus, um ihre Beweglichkeit mit verschiedenen Übungen und kleinen Tänzen zu schulen. © Foto: MOZ/Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 22.12.2017, 05:27 Uhr
Neuendorf im Sande (MOZ) Zu Hause in ... lautet der Titel unserer Serie, in der Menschen aus der Region vorgestellt werden. Das können Frauen und Männer sein, die schon immer hier leben oder hier ihre Wahlheimat gefunden haben. Heute: Karin Briese aus Neuendorf im Sande.

Still sitzen kann sie nicht. "Möchtest du noch Kaffee?", fragt Karin Briese, rauscht ohne die Antwort von Norita Hurtke abzuwarten mit der Kanne in die Küche, um Nachschub zu holen. "Sie hat Hummeln im Hintern", sagt die Gefragte, und: "Organisationstalent. Das kann nicht jeder".

Karin Briese kann: Seit 20 Jahren gestaltet sie als Seniorenbeauftragte das Miteinander der älteren Einwohner von Neuendorf im Sande, animiert sie wöchentlich zum gemeinsamen Sporteln im Dorfgemeinschaftshaus. Dort findet Mitte Dezember auch die Weihnachtsfeier der Sport-Damen statt. Neben Geschenke-Tombola, Kaffee und Kuchen hat Karin Briese eine weitere Überraschung für ihre Frauen: "Was ich euch nicht gesagt habe - Michelle kommt!" Wenige Minuten später wird diese von Karin Briese zur Begrüßung herzlich gedrückt; ihr Sohn Dirk leitet den Fanclub der Schweizer Schlagersängerin Michelle Ryser.

"Da hast du dir ja wieder was einfallen lassen", staunt Ingrid Lorenz. Mit 81 Jahren ist sie eine der ältesten Sportlerinnen. Sie schätze die Gemeinschaft, aber auch das gute Gefühl, etwas für ihre Beweglichkeit zu tun. Ist Karin Briese eine gute Lehrerin? "Eine strenge Lehrerin", sagt Ingrid Lorenz, und Norita Hurtke ergänzt: "Sie merkt, wenn man nicht im Takt ist und achtet darauf, dass wir pünktlich anfangen".

Was man Karin Briese nicht ansieht: Der Grund für ihren ungebrochenen Bewegungsdrang sind nicht Hummeln, sondern Schmerzen, die für die 74-Jährige unerträglich werden, sobald sie längere Zeit still sitzt. "Ich bin Frühinvalidin und habe mit dem Sport angefangen, um einigermaßen gesund zu werden", erzählt sie. Mehrere Bandscheibenvorfälle zwangen sie dazu, die Leitung der Neuendorfer Kita abzugeben und ihr Kindheits-Hobby, das Akkordeonspielen, aufzugeben. In Sachen Gemeinschaft aber - davon zeugt auch die zum Partyraum mit Bar und Küche umgebaute Scheune auf ihrem Grundstück - wollte die gebürtige Neuendorferin keine Abstriche machen. Auch deshalb gründete sie 1997 zunächst die Neuendorfer Sportgruppe, drei Jahre später die Tanzgruppe "Fröhlicher Kreis". "Durch Elisabeth Alter habe ich laufen gelernt", sagt Karin Briese über die frühere, langjährige Senioren- und Behinderten-Beauftragte des Kreises. Elisabeth Alter habe sie nicht nur ermuntert, die Tanzgruppe zu gründen und Mitglied im Bundesverband Seniorentanz zu werden, sondern ihr auch gezeigt, was in Sachen Seniorenarbeit alles möglich ist.

Radtouren, Reisen in die polnische Partnergemeinde Czermin, Vorträge, Feiern, Auftritte bei Festen - die Jahre vergehen, und Karin Briese hält jeden einzelnenen Moment mit Fotos in unzähligen Ordnern fest. Sie wird Oma, zieht ihre Enkel mit groß, hilft in der Jalousie- und Rolladenfirma ihres Mannes, leitet elf Jahre lang die Awo-Gruppe des Ortes, tanzt in Fürstenwalder Altersheimen mit Senioren, wird Uroma - und beschließt, kürzer zu treten.

Ihre Tanzgruppe hat sie bereits abgegeben, auch aus der Seniorenarbeit zieht sich Karin Briese zurück. Umgeben von den Damen ihrer Sportgruppe - die sie weiterhin leitet - kann sie nicht verbergen, dass ihr dieser Entschluss nicht leicht fiel. "Ich hoffe, dass sich jemand findet", sagt die Neuendorferin, wohl wissend, dass sich bisher niemand darum gerissen hat, ihr als Seniorenbeauftragte des Ortes nachzufolgen.

Karin Briese ist schon wieder auf dem Sprung. Bevor Michelle Ryser für die Sportlerinnen singt, legt sie noch schnell einige CDs der Sängerin auf den Tisch. "Könnt ihr später kaufen", sagt sie noch, beeilt sich, wieder im Halbkreis aus Stühlen Platz zu nehmen. An diesem Nachmittag sollen ihre Frauen einfach nur genießen, statt sich in komplizierten Schrittkombinationen zur Schlagermusik zu bewegen.

Bis zur nächsten Sportstunde im Januar allerdings gönnt sich nicht jede der Seniorinnen eine Pause. Karin Briese zum Beispiel: Am 28. Dezember feiert sie 75. Geburtstag - "mit Gästen aus der ganzen Gemeinde". Die Vorbereitungen laufen.

Neuendorf im Sande

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