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Seit einem Jahr betreut Hans Paetzel an der Waldorfschule eine Schach-Arbeitsgemeinschaft

Schach
Erst italienisch, dann spanisch - SV Preußen betreut Schach-AG

In kleiner Runde: Burghard Siebert, Lilith Muck, Teofil Keck-Szajbel und Finn Rudolph (vorn von links) mit Preußen-Abteilungsleiter Siegfried Preuß (links), AG-Leiter Hans Paetzel und Andreas Winkler (rechts). Meist kommt ein Dutzend Kinder zum Training
In kleiner Runde: Burghard Siebert, Lilith Muck, Teofil Keck-Szajbel und Finn Rudolph (vorn von links) mit Preußen-Abteilungsleiter Siegfried Preuß (links), AG-Leiter Hans Paetzel und Andreas Winkler (rechts). Meist kommt ein Dutzend Kinder zum Training © Foto: FOTO Michael Benk
Kerstin Bechly / 27.12.2017, 05:44 Uhr
Frankfurt (MOZ) Seit einem Jahr betreut Hans Paetzel vom SV Preußen Frankfurt an der Waldorfschule eine Schach-Arbeitsgemeinschaft. Mit Finn Rudolph ist ein Talent entdeckt, das sich bei seinem ersten Einsatz in der 2. Männermannschaft in der Regionalliga Ost überraschend stark zeigte.

Ein Zeitungsbeitrag des SV Preußen hatte Hans Paetzel den Anstoß gegeben, nach jahrzehntelanger Abstinenz wieder mit dem Schachsport zu beginnen. "Als ich hinkam, war meine erste Frage: Wo ist denn eure Jugendmannschaft", erinnert sich der 73-Jährige an die Zeit vor gut eineinhalb Jahren. Doch eine solche gab es nach dem Weggang des inzwischen verstorbenen Kurt Behr vor zehn Jahren nicht mehr. Nach ihm hatte Thomas Noack eine Zeitlang Kinder und Jugendliche betreut, bevor er zum USC Viadrina wechselte.

Hans Paetzel ließ sich nicht lange bitten, ging auf den Schulleiter der benachbarten Freien Waldorfschule zu, der sich offen zeigte. Zuerst betreute der Frankfurter im Hort eine Gruppe, dann baute er die Schach-AG auf, die sich inzwischen in den Vereinsräumen der Preußen-Schachfreunde trifft. Der einstige Lehrausbilder, der auch Erwachsene weiterbildete, sieht in seiner Qualifizierung eine gute Grundlage, Kindern den Umgang mit König, Dame, Turm und Co. beizubringen. "Ich stelle ihnen meine gesammelten Werke zur Verfügung" erzählt Paetzel und meint Unterlagen mit Eröffnungen und Partien, die er über einen Laptop und Diaprojektor auf eine Leinwand wirft. Er vermittelt neben den Grundlagen lehrbuchmäßig sinnvolle Eröffnungspartien. "Wir beginnen mit der italienischen Eröffnung, dann folgt die spanische. Inzwischen sind wir beim Damengambit angekommen." Auf eine halbe Stunde Theorie folgt das Spiel an den Brettern. Zwei Stunden sind meist schnell um.

Auch für Finn Rudolph. "Die spanische Partie liegt mir am meisten. Das ist eine offene Eröffnung mit dem Bauer, dann zieht der Springer". Die Züge kennt er längst auswendig. Vor gut einem Jahr kam der 12-Jährige in die Schach-AG. "Ich hatte bis dahin in meiner Freizeit nicht viel gemacht und gedacht, da kann ich mal hingehen". Mit dem Schachspiel kannte er sich da schon ein paar Jahre lang etwas aus. "Mein Opa Bernd Kiele hat es mir beigebracht. Wir spielen manchmal immer noch, aber jetzt schlage ich ihn öfter", gibt Finn schmunzelnd zu. Vor allem bei den Eröffnungen habe er sich verbessert. Das Nachdenken darüber, welcher Zug der Beste sei, gefällt ihm am Schach besonders. Beim Nachwuchsturnier im September im Rahmen der offenen Stadtmeisterschaften überraschte er gestandene Spieler und Trainer, als er bei seinem ersten Wettkampf gleich Zweiter wurde und im Schnellschach siegte. "Finn zeichnet eine äußerte Ruhe und Gelassenheit aus", beschreibt Paetzel dessen Stärken. Inzwischen kümmert sich auch Helmut Roßmann, in der DDR-Oberliga einst einer der Spitzenspieler und FIDE-Meister, um die Entwicklung von Finn und trainiert mit ihm Endspiele.

Vor wenigen Wochen durfte der ruhig wirkende Junge das erste Mal zu einem Punktspiel der 2. Mannschaft in der Regionalliga Ost. "Es war ein bisschen aufregend. Aber die Männer haben mir gesagt, dass ich mir Zeit lassen kann. Und wenn ich verliere, sei dass nicht so schlimm", schildert er. Dann holte er den einzigen Punkt für Preußen. Zwei Stunden Zeit hätte er für 40 Züge gehabt. Nach gut 70 Minuten waren er und Sebastian Jurk vom Schachclub Schwedt schon bei 50 Zügen angelangt. "Dann hat mein Gegner aufgegeben", so der Sechstklässler stolz, der von sich sagt, auch in Mathematik "ganz gut" zu sein.

In der AG finden sich einige, von denen Hans Paetzel sagt, sie hätten Logik intus. Auch im achtjährigen Max, der ebenfalls mit seinem Opa am Brett sitze, stecke viel davon. "Anfangs war er ein Filou. Jetzt ist er sehr ehrgeizig und verlangt Ruhe beim Schach. Er spielt schon wie ein Zehnjähriger", freut sich sein Trainer genauso wie dessen Pflegeeltern über die Entwicklung. Paetzel ist klar, dass nicht jeder Schüler dabei bleibt. Etwa 25 Kinder hat er bereits betreut, derzeit kommt beständig ein Dutzend zwischen acht und 14 Jahren, so wie Teofil Keck-Szajbel oder die elfjährige Lilith Muck aus Kohlsdorf bei Beeskow. Der Älteste ist Burghard Siebert, der nach einer längeren Pause dank der Schach-AG wieder Lust bekommen hat.

Paetzel versucht, die Nachmittage abwechslungsreich zu gestalten. "Aber die Kinder müssen auch einsehen, dass sie üben müssen", sagt er bestimmt und gibt ihnen manchmal Spielmaterial mit nach Hause. Was ihn erfreut: "Man sieht, wie die Schüler den Schachsport verinnerlichen. Manchmal ist es langweilig, aber wenn Züge dann klappen, dann machen sie weiter." Sein Ziel ist es, den Nachwuchs so weit zu bringen, dass sich die Kinder an Schülerturnieren beteiligen können und dort gut abschneiden. Anfang Januar können sie sich bei einem vereinsinternen Neujahrsturnier beweisen. "Eine Entwicklung wie bei Finn ist die Krönung", so Paetzel, der selbst als Schüler bei Lokomotive Frankfurt mit dem Schachspiel begonnen hatte und bis 1962 in der 1. Mannschaft aktiv war. Mit dem Studium und später mit Beruf und Familie blieb immer weniger Zeit. Die hat er jetzt, leitet nicht nur, unterstützt von Andreas Winkler, die Arbeitsgemeinschaft, sondern spielt auch in der 2. Mannschaft. Ihn fasziniert: "Schach fördert eine systematische Herangehensweise und Selbstdisziplin. Man lernt zu denken".

Kinder und Jugendliche können auch unabhängig von der Schul-AG zum Schachtraining bei Preußen kommen - donnerstags flexibel zwischen 14 und 17 Uhr in die Vereinsräume Im Sande 1 A.

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