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Im Rahmen des Programms "Jugendbauhütten" ist die Österreicherin Sophie Gschwandner im Gutspark Trebnitz im Einsatz

Freiwilliges Jahr
Nach der Matura ins Freie

Liebt die Arbeit in freier Natur: Die 18-jährige Sophie Gschwandner aus Österreich bei ihrer Beschäftigung im Gutspark Trebnitz. Nach dem Sturm Xavier sind noch Äste übrig, die sie zusammen sucht. Die Kälte macht ihr nichts aus.
Liebt die Arbeit in freier Natur: Die 18-jährige Sophie Gschwandner aus Österreich bei ihrer Beschäftigung im Gutspark Trebnitz. Nach dem Sturm Xavier sind noch Äste übrig, die sie zusammen sucht. Die Kälte macht ihr nichts aus. © Foto: MOZ/Josefine Jahn
Josefine Jahn / 28.12.2017, 06:30 Uhr
Trebnitz (MOZ) Nach dem Schulabschluss nutzen viele Jugendliche die Zeit vor einer Ausbildung oder dem Studium, um die Welt zu erkunden. Dies kann in Form eines sogenannten Freiwilligen Jahres geschehen. In Trebnitz macht eine junge Österreicherin derzeit so ein Freiwilliges Soziales Jahr.

Nach der Matura, dem österreichischen Abitur, war sie auf der Suche nach etwas "das man draußen machen kann", sagt Sophie Gschwandner. Die 18-Jährige ist sich noch nicht ganz sicher, in welche Richtung sie später gehen will. Vielleicht wäre Architektur interessant.

Aber nach dem vielen Pauken und im Klassenzimmer-Sitzen wollte sie die Zeit nach der Schule für die Arbeit im Freien nutzen. "Da habe ich im Internet recherchiert und bin auf das Freiwillige Soziale Jahr und die Jugendbauhütten gekommen", erinnert sie sich. Trebnitz habe ihr unter den möglichen Plätzen am besten gefallen. Erst später hat sie herausgefunden, dass es ähnliche Projekte auch in Österreich gibt. "Aber ich wollte sowieso mal woanders hin", sagt sie. Außerdem fühle sie sich sehr wohl in Trebnitz. "Vielleicht ist das so, weil ich selber vom Land komme", sagt die Kerntnerin.

Im Oktober kam sie in Trebnitz an und hat noch gute Erinnerungen an ihren Start. "Ich habe erst mal eine Parkführung bekommen und konnte mir ansehen, was für Arbeiten anstehen. Dann kam der Sturm und alles sah am nächsten Tag ganz anders aus", erzählt Sophie. Das Tief Xavier hatte auch im Gutspark seine Spuren hinterlassen. Die Aufräumarbeiten werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Sophie packt dabei kräftig mit an, mit Gartenbekleidung und Handschuhen gerüstet, trägt sie herumliegende Äste zusammen.

Morgens um 8 Uhr beginnt ihr Arbeitstag. Dann hilft sie den Parkhelden, einer Gruppe ehrenamtlich tätiger Bürger, die seit 2011 mit dem denkmalgerechten Wiederaufbau des Trebnitzer Landschaftsparks beschäftigt ist. "Sophie sprüht vor Begeisterung. Sie kann mit großen Maschinen umgehen, macht aber genauso gut Recherchen und schreibt Texte für Infotafeln. Wir sind rundum zufrieden mit ihr", schwärmt Marion Tauschke von den Parkhelden. Während schon andere junge Menschen einen Freiwilligendienst in Trebnitz leisteten, ist das Freiwillige Soziale Jahr in der Denkmalpflege ein Novum, berichtet Marion Tauschke. "Wir wurden darauf angesprochen und haben überlegt, ob wir uns das zutrauen", erinnert sie sich. Üblicherweise wird einem Teilnehmer der Jugendbauhütten ein Landschaftsgärtner zur Seite gestellt, den es aber auf dem Trebnitzer Areal nicht gibt. Hier wird alle Arbeit ehrenamtlich verrichtet. "Wir haben Altdöbern besucht und alles besprochen", sagt Marion Tauschke. Der dortige Schlosspark gilt als Herzstück unter den Einsatzorten der Jugendbauhütten. Mit Sophie Gschwandner haben die Trebnitzer sozusagen ein Experiment gewagt und bereuen es kein bisschen. "Für alle Nachfolger hat sie ganz hohe Maßstäbe gesetzt", lobt Marion Tauschke die engagierte Jugendliche. Außerdem sei an dem Projekt toll, dass in die Arbeit der Parkhelden eine Kontinuität komme. Zwar seien die Ehrenamtler auch fleißig dabei, den Park in Richtung seiner Ursprünge zu gestalten. "Aber es konzentriert sich auf einzelne Arbeitseinsätze", ergänzt Marion Tauschke.

Sophie Gschwandner redet indes bescheiden über ihre tägliche Arbeit. "Ich habe eigentlich alles hier neu gelernt", sagt sie. So hat sie jetzt einen Motorsägenschein in der Tasche. Den konnte sie während einer Seminarwoche in Altdöbern machen. "Manchmal kann ich auch mit dem großen Trecker fahren. Das macht ziemlich viel Spaß", fügt sie hinzu.

Ist das Wetter doch einmal zu unangenehm, bleibt der jungen Frau auch genügend Arbeit am Schreibtisch. Sie hat zum Beispiel im gesamten Park die Nistkästen aufgesucht, die dort einst angebracht, aber nirgends eingetragen wurden. "Von den Kästen habe ich nun die geografischen Daten und kartiere alles", sagt sie. Für den Pavillon im Park entwirft sie Texte für zukünftige Infotafeln, die dort angebracht werden sollen.

Langweilig wird es ihr in dem Dorf nicht. Untergebracht ist sie im Schloss, bekommt dort auch Verpflegung und ein kleines Taschengeld von der Deutschen Stiftung Denkmalpflege. "In meiner Freizeit spiele ich Klavier und lese, gucke im Internet, was ich studieren möchte oder fahre mit anderen Freiwilligen nach Berlin", sagt sie zufrieden.

Ihr fehle eigentlich nichts. Außer manchmal die Berge, "und die Küche von der Mama", gibt sie zu. Geplant ist, dass sie ein halbes Jahr in Trebnitz bleibt. Aber eigentlich hätte sie nichts dagegen, ihren Aufenthalt zu verlängern, erklärt sie. Die Trebnitzer Parkhelden übrigens auch nicht.

Jugendbauhütten


■ Als Jugendbauhütte wird das Freiwillige Soziale Jahr in der Denkmalpflege bezeichnet . Sie ist ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste.
■ Das Projekt steht sowohl deutschen als auch internationalen jungen Menschen zwischen 16 und 26 Jahren offen und wird an mehreren Orten bundesweit angeboten. Die Teilnehmer dürfen an Sanierungsarbeiten teilnehmen. Dadurch haben sie teil an der Pflege und dem Erhalt denkmalgeschützter Objekte und Parks.
■ Vorbild zu den Jugendbauhütten sind die mittelalterlichen Bauhütten, in denen gemeinsam gelebt und gearbeitet wurde. Damals lernten die Lehrlinge von ihren Meistern noch am Original.Neben der praktischen Arbeit werden verschiedene Seminare zu Stil- und Materialkunde, Forschungs- und Arbeitsmethoden, Grundlagen der Denkmalpflege sowie zur Bedeutung des europäischen Kulturerbes angeboten.

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