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Fahrplanänderungen auf der Buslinie 980 sorgen für Frust / SVF sieht wenig Möglichkeiten für Nachbesserungen

Fahrplanänderung
Klingetaler fühlen sich abgehängt

An der Bushaltestelle Klingetal: Manja Müller mit Tochter Jasmin und Elke Ackermann mit Tochter Dina.
An der Bushaltestelle Klingetal: Manja Müller mit Tochter Jasmin und Elke Ackermann mit Tochter Dina. © Foto: MOZ/Thomas Gutke
Thomas Gutke / 28.12.2017, 07:30 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Der seit dem 10. Dezember geltende neue Fahrplan der Stadtverkehrsgesellschaft verärgert Anwohner im Klingetal. Vorher hielt dort werktags alle 20 bis 30 Minuten ein Bus - jetzt nur noch jede Stunde. Nachteile hat der Fahrplanwechsel vor allem für Schüler aus dem Stadtgebiet.

"Warum wurde das so von Ihnen entschieden?", fragte Manja Müller erbost die Stadtverordneten, als diese kürzlich zu ihrer letzten Sitzung im Jahr 2017 zusammenkamen. Mit zwei anderen Mitstreiterinnen aus dem Klingetal machte die Mutter zweier schulpflichtiger Kinder ihrem Ärger über die neuen Busfahrpläne Luft. Schließlich basieren die Änderungen auf dem zuvor von der Stadtpolitik beschlossenen Nahverkehrsplan - der weitreichende Folgen für das Viertel im Norden Frankfurts hat.

Bis zum Fahrplanwechsel war das Klingetal sehr gut in den Stadtverkehr eingebunden. Mit den Buslinien 980 und 985 fuhr alle 20 bis 30 Minuten ab den Haltestellen Treppenberg, Klingetal oder Kulturhaus Völkerfreundschaft ein Bus Richtung Zentrum beziehungsweise West oder Neuberesinchen. Nun aber wurde nicht nur der Bus 985 zwischen Bahnhof und Messering gestrichen und teils in die Linie 980 integriert. Zugleich verkehrt der Bus zwischen Bahnhof und Kopernikusstraße werktags auch nur noch stündlich.

Auswirkungen hat dies vor allem für den Schülerverkehr, da auch Abfahrtzeiten und Anschlüsse der Busse für die Klingetaler ungünstig gelegt wurden. Ein Beispiel: Unterrichtsbeginn an der Grundschule am Botanischen Garten ist 7.30 Uhr - der für die Schüler einzig mögliche nutzbare Bus der Linie 985 fährt um 6:27 Uhr. Wegen zahlreicher Elternbeschwerden hat die SVF hier bereits reagiert und leitet nun in den Morgenstunden die Linie 987 zusätzlich durch das Klingetal um - andernfalls müssten die Kinder fast eine Stunde bis Schulbeginn warten.

Doch die kleine Verbesserung geht den Eltern nicht weit genug. Denn auch die Anschlüsse für die Rückfahrt passen nicht. Einige Schüler - vor allem aus Booßen - würden deshalb einen unbefestigten, unbeleuchteten Weg ab dem SMC für den Heimweg nutzen. "Die Leute im Klingetal fühlen sich abgehängt", sagt Elke Ackermann. Ihre große Tochter besuche die Sportschule und schaffe es wegen des Fahrplanwechsels nun nicht mehr rechtzeitig zu Trainingsstunden am Nachmittag, berichtet sie. Sie und die anderen fordern eine Rückkehr zum Halbstundentakt, "zumindest zu den Stoßzeiten".

Der für Verkehr zuständige Dezernent Markus Derling (CDU) erklärte, dass mit der Umstellung "viele Verbesserungen erzielt wurden". Offenkundig gebe es an anderer Stelle aber auch Verlierer. "Wir nehmen das auf und werden das zusammen mit der SVF analysieren." Deren Geschäftsführer Christian Kuke bestätigt, dass es aus dem Klingetal Beschwerden gab. Er sehe jedoch "keine weiteren Möglichkeiten wesentliche Veränderungen zu erreichen". Die Fahrpläne seien aufgrund der Nachfrage und unter Berücksichtigung der Siedlungsstruktur von Beratern für den Nahverkehrsplan empfohlen worden. Zugleich sei der Fahrplan "immer ein Zielkonflikt", erklärt Christian Kuke. Die Anbindung an den Regionalverkehr diene als Basis. Hinzu kämen die zur Verfügung stehenden Fahrzeuge und Fahrer, mit denen die SVF versuchen müsse, alle Stadtgebiete angemessen zu berücksichtigen, vor allem in den Morgenstunden. Nachträgliche Verschiebungen auf den Linien um mehrere Minuten seien vor dem Hintergrund "dann nicht mehr realisierbar".

Kommentar

Fahrpläne sind nie der Weisheit letzter Schluss. Schon allein deshalb nicht, weil man es mit einem Angebot für alle niemals allen recht machen kann.Trotzdem sollten Verwaltung, Stadtverkehr und Stadtpolitik beim Erstellen von Nahverkehrsplänen niemals vergessen, die Anwohner mitzunehmen. Das Beispiel Klingetal macht deutlich, dass sich Verantwortliche mitunter zu sehr auf Fahrgastzahlen verlassen, statt mit den Menschen vor Ort das Gespräch zu suchen. Hinterher ist an einmal aufgestellten und für ein Jahr gültigen Fahrplänen dann nur noch schwer zu rütteln. Unmöglich aber ist es nicht. Auch das hat die SVF mit mehreren kurzfristigen Fahrplanänderungen bereits bewiesen.Bleibt die Kritik allerdings ungehört, steigen die Leute irgendwann aufs Auto um. Und sind damit langfristig als Kunden für die SVF verloren. Thomas Gutke

Anwohner nicht mitgenommen

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