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Thomas List und Werner Frenzel leben und arbeiten in Altreetz mit autistischen Jugendlichen / Jungen sind 15 und 17 Jahre alt

Wohngruppe
Klare Worte und viel Geduld

Geben autistischen Jugendlichen eine Lebensperspektive und ein Zuhause: Thomas List und Werner Frenzel (r.). Seit Februar 2017 wohnen und arbeiten sie in Altreetz in der Gemeinde Oderaue. Und feiern nun ihr erstes Silvester dort.
Geben autistischen Jugendlichen eine Lebensperspektive und ein Zuhause: Thomas List und Werner Frenzel (r.). Seit Februar 2017 wohnen und arbeiten sie in Altreetz in der Gemeinde Oderaue. Und feiern nun ihr erstes Silvester dort. © Foto: MOZ/Nadja Voigt
Nadja Voigt / 31.12.2017, 07:00 Uhr
Altreetz (MOZ) Thomas List und Werner Frenzel betreuen in Altreetz autistische Jugendliche. Dabei verstehen sie ihre Arbeit nicht nur als Job, sondern wollen durch ihr Engagement erreichen, das die beiden Jungen ihr Leben gestalten und einen Platz in der Gesellschaft einnehmen können, der sie erfüllt und der ihnen zusteht.

Dem bevorstehenden Jahreswechsel sehen Werner Frenzel und Thomas List gelassen entgegen. "Wir werden ihn ganz ruhig verbringen", sagt Werner Frenzel. Gespannt sind sie, wie die Nachbarn feiern und ob es Raketen und Feuerwerk gibt. Denn es ist ihr erstes Silvester in Altreetz. Seit Februar diesen Jahres lebt das Paar, das sich seit 1989 kennt, mitten im Dorf. Die beiden, Erzieher und Fachbetreuer für Autismus, wohnen mit zwei Jugendlichen in einem gemieteten Haus in der Albrecht-Daniel-Thaer-Straße. Der 17-Jährige und der 15-Jährige sind Autisten. Ersterer lebt bereits seit 2010 bei den beiden, damals waren sie noch in Buckow zu Hause. Jetzt sind sie es in Altreetz. "Wir sind gut angekommen", sagt Werner Frenzel. Obwohl es neben viel positiver Resonanz auch negative gab. Nachbarn zeigten sich irritiert von einem Jugendlichen, der im Vorgarten auf dem Trampolin springt und laut seine Freude darüber kundtut.

Über das Jugendamt und ihren Träger, die "im-Blick Kinder- und Jugendhilfe gGmbH", kamen die beiden Jungen zu Werner Frenzel und Thomas List. In Berlin und Petershagen-Eggersdorf war Frenzel lange in der Jugendarbeit tätig, sein Partner ließ sich zum Fachbetreuer für Autismus ausbilden und macht nun noch eine Ausbildung zum Erzieher. Die Jugendlichen, die zu ihnen kommen, stammen aus Familien, die aus verschiedenen Gründen mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert waren. Auch bei den beiden Teenagern war das so. Bei Werner Frenzel und Thomas List werden sie in den häuslichen Alltag integriert, gehen in die Schule, gestalten ihre Freizeit. Für den älteren der beiden Jungen spielt dabei Musik eine große Rolle. Er liebt Musikvideos und kennt die Charts.

"Er hat eine große Entwicklung genommen, ist sehr selbstständig geworden", resümieren die beiden Betreuer nach sieben gemeinsamen Jahren. Im kommenden Jahr wird der Junge, der in Worin in die Schule geht, volljährig. "In den Kalender hat er seinen Geburtstag eingetragen und das Wort endlich mit Ausrufezeichen dahinter geschrieben", erzählen die beiden Männer lachend. Schon die Ferien verbringt der 17-Jährige regelmäßig bei seinem Vater in Westdeutschland. "Und es ist der Wunsch der Familie, dass er wieder zurück zu ihnen kommt", sagt Thomas List. Nun sei er auf der Suche nach einem geeigneten Wohn- und Arbeitsplatz für den jungen Erwachsenen. Was denkbar schwierig sei, wie Thomas List zugeben muss. Denn alleine wird der junge Mann nicht leben können.

Wie sich der zweite junge Bewohner des Hauses entwickeln wird, können die beiden Betreuer noch nicht abschätzen. Erst seit Mitte November lebt er bei ihnen. "Die Wahrnehmungsverarbeitung ist bei Autisten ein großes Problem", erklärt Thomas List die Herausforderung. Es brauche klare Worte. "Man muss gut auf ihn eingehen", wissen beide. Und das können sie, haben die fachliche Ausbildung, die Zeit und bieten das nötige Umfeld, um für den Jungen eine Lebensperspektive zu entwickeln. Durch das Asperger-Syndrom fühle er sich oft unverstanden, kann mit Ironie und Metaphern nichts anfangen, berichtet List. Das erfordere einen einfühlsamen Umgang.

Derzeit besucht der Junge eine Freundin und deren Familie und wird erst Anfang Januar zurück in Altreetz sein. So sind Thomas List und Werner Frenzel mit ihren fünf Katzen und drei Hunden und dem 17-Jährigen allein zu Hause. Tischfeuerwerk und Wunderkerzen liegen schon bereit. "Aber Silvesterraketen sind eigentlich seine Welt", sagt Werner Frenzel. Doch mit Rücksicht auf die Tiere im Haus gebe es nur die dezente Variante. Nun sind also die Nachbarn gefragt, dem Jungen eine Freude zu machen.

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