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Wortsalat

Zwischen Christmast und Verstopfungsgefahr: 
Die Beherrschung des Deutschen blieb auch 2017 eine Herausforderung. Lassen Sie es krachen wie hier am Bollwerk Neuruppin 2016
Zwischen Christmast und Verstopfungsgefahr: Die Beherrschung des Deutschen blieb auch 2017 eine Herausforderung. Lassen Sie es krachen wie hier am Bollwerk Neuruppin 2016 © Foto: MZV
Eva Eismann / 31.12.2017, 14:36 Uhr
Oberhavel (Maerker) (eis) Frohes Neues Jahr! Lassen Sie es krachen! Vielleicht unterhält Sie dabei ja der ein oder andere Kracher der deutschen Sprache, den wir im vergangenen Jahr für Sie aufgehoben haben.

Das Redaktionsgebäude des Märkers war zuletzt von wortwörtlicher Bombenstimmung betroffen - lag es doch im Sperrkreis der Bombe unter dem Louise-Henriette-Steg. Damit erhielten auch wir so schöne offizielle Meldungen wie folgende: "Am Dienstag, 19.12.2017, erhält die Stadt Oranienburg im Laufe des Tages eine Aussage des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KMBD) zu dem metallischen Gegenstand und gegebenenfalls zur Bezünderung." Bezünderung! So ein wunderbar behördendeutscher Ausdruck! Sind doch "-ung, -heit, -keit" absolute Gähn-Endungen. Und das bei etwas so Explosivem wie einer Bombe. Das kann auch nur in Oranienburg passieren.

Überhaupt sind Pressemitteilungen gern mal eine Quelle der Heiterkeit in der Redaktion. Da lädt etwa ein Veranstalter zum Besuch einer Ausstellung aus. Na gut, dann eben nicht. Wir können auch anderweitig ausgehen.

So verspricht der Musik- und Theaterverein Oberhavel "bei einem Glas sommerlicher Bohle einen ganz ungewöhnlichen Abend." Das ist nun wirklich mal ungewöhnlich. Sommerlicher Holzbalken im Glas. Wie das wohl schmeckt? Ein bisschen trocken vielleicht. Hauptsache wir haben das Brett nachher nicht vorm Kopf, oder die Splitter im Auge - darauf ein Glas Bowle!

Gefährlich wird die Sprache den Verfechtern von besserem Unterricht in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Die Initiative "MINT Zukunft schaffen" verlautbart, ausgezeichnete Projekte zeigten, "dass die MINT-Verantwortlichen an unseren Schulen auch hochengagierte Querdenker sind, die Talentbiotope an ihren Schulen." Aha. Die Verantwortlichen sind also Biotope. Der Naturwissenschaftler mag nun sagen: Natürlich ist jeder Mensch ein Lebensraum - für Bakterien zum Beispiel. Aber hier geht es ja um Talent.

Ungewöhnliche Fähigkeiten zeigt ebenso das Vöglein in der Pressemitteilung des Deutschen Jagdverbands: "Ist das Küken glücklich, wenn es den Fuchs frisst?", fragen die Jäger. Eine Antwort bleiben sie schuldig. Wir haben uns allerdings sagen lassen, Raubtiere seien generell nicht so der Geschmackshit. Dafür folgt die Korrektur natürlich auf dem Fuße. Die Nahrungskette verläuft immer noch in der umgekehrten Richtung - und schließlich ist es das Argument der Jäger gegen den Tierschutzverein PETA, die Jagd auf Räuber schütze seltene Vogelarten.

Auch die Weihnachtszeit bietet immer wieder Amüsantes, und sei es nur Musik "aus dem Leiherkasten". Stimmt natürlich, so eine Drehorgel muss man sich eigentlich nicht selbst kaufen. Es reicht völlig, sie zu strategisch wichtigen Weihnachtsmärkten auszuleihen. Es bleibt jedoch die alte Leier: Vor Fehlleistungen sind wir hier selbst nicht sicher. Den "Weihnachtsmaerkt" haben wir zum Glück noch rechtzeitig bem(a)erkt und sogar korrigiert. Aber ob uns die "Christmast" im Vorweihnachtsstress nicht doch einmal durchgerutscht ist? Zu gut passt der Verschreiber zu dem Fest, bei dem wir uns regelmäßig mästen.

Manchmal ist es auch nur die eigene Fantasie, die uns einen Streich spielt. Da schickt zum Beispiel das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg "Hinweise zum Umgang mit Wisenten im Internet". Klar, gemeint ist, dass es jetzt Tipps im Netz gibt, wie man mit den Tieren umgehen kann. Trotzdem klingt es so, als hätten die europäischen Wisente jetzt Internetanschluss. Oder als stehe ihr Name für einen Nachfolger der sogenannten Trolle, die im Netz mit Vorliebe provozieren.

Auf ähnliche Abwege geraten die Gedanken gern bei dem Schild über unserer Büro-Küchenspüle: "Kaffeegrund bitte in der Toilette entsorgen, da sonst Verstopfungsgefahr!" Eigentlich haben wir ja gar nicht vor, die Krümel zu essen. Aber wenn doch, ja, dann würden wir uns Gedanken um unsere Verdauung machen müssen.

Und die Folgen? "Während des Vormittags duften die Gymnasiasten", haben wir noch so in der zum Haus gehörenden Tageszeitung veröffentlicht. Vielleicht aus der Erfahrung heraus, wie die Schüler bei der Heimkehr am Nachmittag riechen. Der Satz ging im Vorfeld des Wahlsonntags allerdings so weiter: "den Direktkandidaten für die Bundestagswahl ihres Wahlkreises auf den Zahn fühlen."

Fast hätten wir auch vom "Bahnhofs-Arial" in Gransee geschrieben: Journalisten schlagen sich halt häufiger mit Schriftarten wie Times New Roman oder Arial herum als mit Flächen, also Arealen.

Manchmal macht ein einziger kleiner Buchstabe einen himmelweiten Unterschied. Die Kita stand schon als "Weltendecker" auf der Seite, als wir uns doch noch für das "t" entschieden. Die Hennigsdorfer Kinder sind vermutlich eher Abenteurer als kleine Deckhengste. Allerdings: Selbst wenn man das Wort richtig schreibt, trennt unser Redaktionsprogramm kreativ:

Wel-tentdecker. Ob das Männchen im schlauen Kasten da an das englische "tent", also Zelt, denkt? Aber selbst dann: Von Dachdeckern haben wir ja schon gehört, aber Zelte müssen eigentlich nicht gedeckt werden.

Gerne trennt der Rechner "Gesundheit-schecks" oder "Lesen-acht". Den Vogel schoss aber ein Text über die Berlin Comedian Harmonists ab. Unser Textverarbeitungsprogramm machte aus den Sängern ein "Vocalsex-tett".

Häufiger haben wir zum Jahresende darüber sinniert, dass wir Ankündigungen der Alzheimerberatung vergaßen. In diesem Jahr überboten uns die Mitarbeiter der Beratung. Sie schickten die Termine des Vormonats und baten, diese in der Zeitung zu veröffentlichen. Die Rubrik "Wo Sie im letzten Monat hätten hingehen können" haben wir noch nicht bewusst eingeführt.

Und dann diese Lehrer! Die Schüler quälen und selbst ein bisschen schusselig sein. So schickte uns Michael Wittke aus der Alten Reederei in Fürstenberg gleich mehrere Plakate und Ankündigungen zu seinen Kinofilmen. Nur standen überall unterschiedliche Termine und Anfangszeiten. Welche Lehre sollen wir für 2018 daraus ziehen?!

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