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Im Januar traut Dirk Lukat in der Schorfheide das erste gleichgeschlechtliche Paar seit der Ehe für alle

Standesamt
Wenn er fragt, sagen sie Ja

Bereit für die Ehe? Dirk Lukat, Standesbeamter der Gemeinde Schorfheide, öffnet regelmäßig die Tür zum Trauzimmer im Lichterfelder Schloss, um Paaren den Bund der Ehe zu ermöglichen.
Bereit für die Ehe? Dirk Lukat, Standesbeamter der Gemeinde Schorfheide, öffnet regelmäßig die Tür zum Trauzimmer im Lichterfelder Schloss, um Paaren den Bund der Ehe zu ermöglichen. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Katrin Hartmann / 03.01.2018, 06:00 Uhr
Schorfheide (MOZ) Die eingetragene Lebenspartnerschaft ist passé, die Ehe für alle ist da: Seit Oktober dürfen homosexuelle Paare heiraten. Im Januar wird Dirk Lukat das erste gleichgeschlechtliche Paar in der Schorfheide trauen.

Ein Nein bekommt Dirk Lukat selten zu hören. Trotzdem fließen oft Tränen, wenn er seine Arbeit macht. Der Standesbeamte der Gemeinde Schorfheide darf im Januar eine Unterschrift setzen, auf die viele homosexuelle Paare in Deutschland lange gewartet haben - unter die Ehe für alle. In der Schorfheide will sich nun das erste gleichgeschlechtliche Paar das Ja-Wort geben.

In der Regel sind es zwischen 40 und 50 Eheschließungen, die Dirk Lukat, der seit 2000 als Standesbeamter arbeitet, mit seiner Kollegin Sandra Wohlert im Jahr traut. Am beliebtesten sind die Trauungen im Jagdschloss Groß Schönebeck und im Schloss Lichterfelde. Aber auch im kleinsten der drei Trauzimmer, in der Gemeindeverwaltung, gehen Paare den Bund der Ehe ein. Besondere Daten, wie beispielsweise der 18.8.2018, sind oft schnell ausgebucht.

In seiner Funktion als Standesbeamter muss Dirk Lukat der Emotionen zwar Herr sein. Das ein oder andere feuchte Auge bleibe bei seiner Tätigkeit allerdings nicht aus, gesteht er ein. "Da gibt es schöne und nicht so schöne Erinnerungen", sagt der Standesbeamte. Etwa Nottrauungen, die bei schweren Krankheiten noch vor dem bereits absehbaren Lebensende eines Partners geschlossen werden. "Wenn so ein Fall eintritt, dann steht der Standesbeamte auch bei", sagt Dirk Lukat. Bei diesen Trauungen seien es eher gemischte Gefühle, die sich aufstellen. Immerhin wird dem schönen Ereignis in absehbarer Zeit ein nicht so schönes folgen.

Vielen Paaren hat der 54-Jährige in seiner Tätigkeit ein glückliches Ja abgenommen. Bei der Eheschließung des gleichgeschlechtlichen Paares im Januar erwartet er nichts anderes. Sieben eingetragene Lebenspartnerschaften hat Dirk Lukat während der vergangenen 15 Jahre geschlossen. Wenn er nun an die Vorbereitungen für das Paar denkt, welches sich in diesem Monat das Ja-Wort geben will, spricht er von "solide und pflegeleicht". Das meint Dirk Lukat nicht abwertend. Im Gegenteil. Er ist froh, dass es keine größeren Barrieren für die Trauung gegeben hat.

Das hat er auch schon anders erlebt. Etwa bei Paaren, die aus unterschiedlichen Ländern stammen und viel Papierkram erledigen und manchmal Jahre warten müssen. "Wir hatten bereits Eheschließungen mit Partnern aus Vietnam, Afrika, den Philippinen oder Uruguay." Auch Hochzeiten, die in Las Vegas begangen wurden, hat der Standesbeamte bereits beglaubigt. Dabei spiele natürlich auch die Übersetzung eine Rolle. "Vielen ist nicht klar, dass die 30 bis 60 Minuten Trauung nur ein kleiner Teil der Eheschließung sind", sagt Dirk Lukat. Der Vorlauf erstrecke sich meist über Wochen, Monate, manchmal Jahre.

Eine Ehe unter Geflüchteten hat Dirk Lukat in der Schorfheide noch nicht getraut. "Das sind oft schwierige Fälle", sagt er. Denn die Identitäten sind für das Standesamt oft nicht prüfbar, weil entweder keine oder nur gefälschte Papiere vorhanden sind. Dinge, die den Ablauf erschweren.

Er selbst hat sich auch schon getraut. "Ich habe 2010 geheiratet." Den Ablauf der Eheschließung, den er sonst so durchgeplant im Kopf mit sich trägt, ist er dabei allerdings nicht Punkt für Punkt durchgegangen. "Alles war gut, ich war sehr entspannt", sagt Dirk Lukat und lächelt als er sich zurückerinnert. "Ich konnte alles sehr genießen."

Für die erste gleichgeschlechtliche Ehe in der Schorfheide wird er den Ablauf aber wieder gut im Kopf haben, verspricht er.

Ehe für alle

In Deutschland haben gleichgeschlechtliche Paare seit dem ersten Oktober 2017 das Recht auf Eheschließung und damit auch das diskutierte Recht auf Adoption. Zuvor konnten gleichgeschlechtliche Paare bundesweit nur eine eingetragene Lebenspartnerschaft schließen, welche im Vergleich zur Zivilehe mit den gleichen Pflichten, aber weniger Rechten ausgestattet ist. Die Begründung neuer Lebenspartnerschaften ist seit dem 1. Oktober 2017 nicht mehr möglich. Bestehende Partnerschaften bleiben allerdings bestehen.

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