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Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft fordert schärfere Kontrollen und kritisiert Angriff auf Retter

Pyrotechnik
Böller-Tote lösen Debatte aus

Torsten Wessely von der Pressestelle der Feuerwehr Hamburg zeigt am 28.12.2017 in Hamburg während einer Vorführung der Feuerwehr zu den Gefahren von Silvesterfeuerwerk illegale Böller.
Torsten Wessely von der Pressestelle der Feuerwehr Hamburg zeigt am 28.12.2017 in Hamburg während einer Vorführung der Feuerwehr zu den Gefahren von Silvesterfeuerwerk illegale Böller. © Foto: dpa/Daniel Bockwoldt
Andreas Wendt / 03.01.2018, 07:00 Uhr
Potsdam (MOZ) Nach zwei Todesfällen durch Pyrotechnik bei Brandenburger Silvesterfeiern hat der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Peter Neumann, schärfere Kontrollen bei der Einfuhr sogenannter Polen-Böller und präventive Maßnahmen an Schulen gefordert.

Schon beim Verkauf soll darauf geachtet werden, Pyrotechnik nur an Erwachsene herauszugeben, betonte Neumann am Dienstag. "Die Leute müssen stärker sensibilisiert werden, sie müssen Respekt gegenüber Feuerwerkskörpern haben", forderte er als Reaktion auf die tragischen Vorkommnisse in der Silvesternacht.

In Gusow-Platkow (Märkisch-Oderland) war ein 35-Jähriger ums Leben gekommen, als er nach Zeugenaussagen am Rande einer Feier mit etwa 20 Beteiligten einen Böller zündete, der seine Kleidung in Brand setzte und ihm ins Gesicht schoss. Trotz Rettungsmaßnahmen war er noch vor Ort gestorben. Laut Polizei hätten sich im Kofferraum seines Pkw noch weitere Feuerwerkskörper befunden, deren Herkunft jetzt geprüft werde. In Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) starb ein 19-jähriger Stahnsdorfer durch einen selbstgebastelten Sprengkörper.

Der DPolG-Landesvorsitzende sprach sich angesichts der Flut von Polen-Böllern für erhöhte Kontrollen an der deutsch-polnischen Grenze aus und verlangte härtere Strafen für diejenigen, die Rettungskräfte bei Einsätzen behindern. Vor allem in Berlin war es in der Silvesternacht zu Übergriffen auf Polizisten, Sanitäter und Feuerwehrkräfte gekommen. Noch am Montagabend sind Polizisten aus einer Menschengruppe heraus mit Pyrotechnik beschossen worden. "Das sind die, die zum Jahreswechsel nicht mit ihren Familien feiern können", mahnte Neumann.

Enorme Schäden hat auch die Deutsche Post zu beklagen. "Leider haben sowohl die Zahl der Vandalismusfälle, als auch der Grad der jeweiligen Beschädigungen von Briefkästen in der Silvesterzeit in den letzten Jahren zugenommen", resümierte am Dienstag Pressesprecherin Anke Blenn. Konkrete Zahlen könne sie für Brandenburg und Berlin nicht nennen, aber jeder Fall werde zur Anzeige gebracht und strafrechtlich verfolgt. In Templin (Uckermark) waren die Detonationen von Böllern osteuropäischer Produktion nach Polizeiangaben so stark, dass sie Alarmanlagen abgestellter Autos auslösten.

Dennoch hält Brandenburgs Polizeigewerkschafter Neumann nichts von einem generellen Verbot des Silvesterfeuerwerks. "Das verbieten zu wollen, wäre weltfremd und nicht kontrollierbar", sagt er. Der Polizei sei es ja nicht einmal möglich, Verstößen am Tag vor und nach Silvester nachzugehen. (Seite 10)

Mehr zu diesem Thema: www.moz.de/silvester

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