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Gewerbetreibende streben Interessenausgleich aller Beteiligten an / Hartnäckigkeit der Verwaltung vermisst

Verein plädiert für Spielstraße

Jens Sell / 03.01.2018, 07:15 Uhr
Strausberg (MOZ) Angesichts der für den 8. Januar geplanten Sperrung des südlichen Teils der Großen Straße für den motorisierten Verkehr tagsüber erneuert der Gewerbeverein Altstadt seinen Vorschlag einer Spielstraße. Die Sperrung führe sicher zu einer Verödung der nördlichen Altstadt.

Den Inhaber der Stadt-Apotheke Jens Andreas treiben existenzielle Sorgen um, wenn er an eine Fußgängerzone im südlichen Teil der Großen Straße denkt: "Einen Vorgeschmack hatte ich schon am 15. Dezember, als die Große Straße für den Weihnachtsmarkt gesperrt wurde. An jenem Freitagnachmittag sackte der Umsatz ruckartig auf einen niedrigen dreistelligen Betrag ab." Werde das die Regel, könne er die fest angestellten Mitarbeiter nicht halten. Und so wie ihm werde es noch mehr Geschäftsinhabern gehen.

Am 8. Januar werde die Stadt die Sperrbake installieren, die täglich von 8 bis 19 Uhr den Durchgangsverkehr in der Großen Straße unterbinden soll. "Spätestens dann wird der Kundenstrom in den Nordteil der Großen Straße versiegen", prophezeit das Vorstandsmitglied des Gewerbevereins Altstadt Jens Andreas, und dann würden Ladeninhaber, deren Mietvertrag vielleicht gerade ausläuft, sich dreimal überlegen, ob sie nicht umgehend einen anderen Standort suchen sollen.

"Ob innerhalb oder außerhalb Strausbergs", bekräftigt Vereinsvorsitzender Thomas Frenzel, der wie Jens Andreas mit seiner Apotheke am Markt mit seinem Optiker-Fachgeschäft im Nordteil der Großen Straße persönlich betroffen ist. "Zu bedenken ist, dass also in Kürze sämtlicher Verkehr aus dem Südteil der Großen Straße über die Müncheberger Straße in den Buchhorst abgeleitet wird. Im Zusammenhang mit dem geplanten Bau des Altstadtcenters haben die Anwohner schon einmal vor zu hoher Verkehrsbelastung gewarnt, jetzt wird es gleich ernst."

Auch im Zusammenhang mit jüngsten Veröffentlichungen betont der Vorstand des Gewerbevereins Altstadt, dass er mit seinen Vorschlägen zur Verkehrsorganisation in der Altstadt stets den Interessenausgleich zwischen allen Beteiligten angestrebt habe. Im Moment empfinden Frenzel und Andreas den gegenwärtigen Zustand als besten Kompromiss zwischen allen Interessenlagen, verschließen aber die Augen auch nicht vor der mangelnden Aufenthaltsqualität durch den Verkehr. Den könnte man mit intelligent angeordneten Bremsschwellen preisgünstig beruhigen. Die Fachbereichsleiterin Technische Dienste Birgit Bärmann, wie Thomas Frenzel Bürgermeisterkandidatin, sagte dazu: "Das Einverständnis der Denkmalbehörde liegt vor hinsichtlich des Einbaus von gepflasterten Schwellen, für aufgeschraubte Schwellen wie im Handelscentrum, wie von der Verwaltung beantragt, aber nicht." Auch wenn die Untere Denkmalschutzbehörde den Vorstoß der Stadt als in einer historischen Ackerbürgerstadt nicht realisierbar abgewiesen habe, müsste die Verwaltung an diesem Thema dranbleiben. Thomas Frenzel: "Ich finde, man handelt da zu sehr nach Vorschrift und zeigt nicht genug Engagement und Hartnäckigkeit."

Sollte allerdings die einzige Alternative Fußgängerzone heißen, plädiert der Vorstand des Gewerbevereins für eine Spielstraßenregelung: "Mehr als ein Zone-20-Schild und ein Zonenparkverbots-Schild würde das Schild ,Spielstraße' Autofahrer davon abhalten, unnötig in die Große Straße zu fahren. Die Autorität eines solchen Schildes ist einfach größer, es wird stärker beachtet", ist sich Thomas Frenzel sicher.

Doch ist auch dieser Vorschlag durch das Rathaus bereits geprüft worden. Bereits 2012 habe es einen Vor-Ort-Termin mit Vertretern des Ministeriums, des Landkreises und der Stadt auf der Großen Straße gegeben, sagte Birgit Bärmann: "In einem verkehrsberuhigten Bereich - der sogenannten Spielstraße - dürfen Fußgänger die Straße in ihrer ganzen Breite benutzen; Kinderspiele sind überall erlaubt. Dies kollidiert meines Erachtens mit der Forderung, dass man ja auf jeden Fall Fahrzeugverkehr in der Altstadt haben möchte."

Doch auch dort, finden Frenzel und Andreas, habe die Verwaltung zu schnell aufgegeben. Wem die Altstadt am Herzen liege, der lasse sich nicht mit einem "Geht nicht" abspeisen, sondern stoße hartnäckig nach.

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Jürgen Schmitz 03.01.2018 - 11:51:19

Das wird ein ständiges Problem bleiben - in dieser SVV

Gemeinsam hatten Herr Frenzel und ich, wie auch eine sehr knappe Minderheit, GEGEN die Abpollerung des Nordteiles der Großen Straße in der SVV aus zumindest mir plausiblen Gründen gestimmt. Das war ein demokratischer Prozeß, für die Unterlegenen enttäuschend und gar schmerzlich. Aus meiner Sicht hat der Ausschuss, anders als der Vorsitzende des zeitweiligen Ausschusses "Für Erhöhung der Aufenthaltsqualität in der Großen Straße" Herr Krebs eingeschätzt hatte, seine Aufgabenstellung bislang NICHT erfüllt. Eine tolle Verbesserung, den Nordteil abzugrenzen.....? Zahlreiche öffentliche Kritiken geben genug Beleg. Begeisterung für die bislang installierten Blumenkübel, die hatten wir am Südende der Großen Straße schon vor 27 Jahren 1990 ohne Ausschuss, noch für die nunmehr durch knappen Mehrheitsbeschluss eskalierte Situation für eine Abpollerung des Nordteils ist völlig ausgeblieben, das Gegenteil ist der Fall! Allerdings jetzt die Verwaltung als Sündenbock auszumachen ist total verfehlt... Die Verwaltung ist an die Erfüllung der Beschlüsse der SVV gebunden, sofern diese alle Rechtsnormen einhalten. Aus meiner Wahrnehmung war dieser og. zeitweilige Ausschuss nie richtig thematisch in der SVV integriert, eher eine mehr unliebsame selbst organisierte "Pflicht", die man erfüllt - ob gut oder schlecht... Noch ist es Zeit sofort zu stoppen, aber andere Kollegen der SVV drängen die Verwaltung auf sofortigen Vollzug - so auch Herr Krebs in der letzten SVV 2017... In diesem Disput sich an der Verwaltung zu reiben, diese gar zu Verstößen öffentlich zu nötigen wie im og. MOZ-Beitrag, gibt einen nicht so optimalen Zustand der SVV wieder... Die Innehabung des Mandates heißt nicht persönlich Macht haben, sondern gehörig Pflichten gegenüber dem Bürgern der Stadt übernommen zu haben, in etwa knapp 18 Monaten oder vorher werden diese sich mit Ankreuzen der Wahlzettel erinnern...

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