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Wandern in Liebesschwermut

Annette Gundermann in ihrer Strausberger Ausstellung vor den Bildern "Meer in Bewegung I und II" (Öl auf Leinwand)
Annette Gundermann in ihrer Strausberger Ausstellung vor den Bildern "Meer in Bewegung I und II" (Öl auf Leinwand) © Foto: MOZ
Peter Liebers / 04.01.2018, 21:26 Uhr
Berlin (MOZ) Annette Gundermann und ihre Kollegen der Galerie Forum Amalienpark in Berlin-Pankow wussten, worauf sie sich eingelassen hatten, als sie sich im Mai 2017 zu dem Projekt "Winterreise - Kunst und Klang" entschlossen haben. So vertraut ihnen der von Franz Schubert nach Versen von Wilhelm Müller komponierte Liederzyklus auch schien, bei der näheren Beschäftigung stießen sie wohl auf ähnliche Empfindungen wie die Freunde, denen Schubert im Herbst 1827 diese 24 Lieder vorstellte und denen die ziellose Reise eines von der Liebe enttäuschten Mannes durch eine erstarrte Winterlandschaft zu depressiv geraten war.

Vor den zwölf Berliner und Brandenburger Malern, Zeichnern und Bildhauern lag mit der Klage des Wanderers ein schwerer Brocken. Annette Gundermann erinnert sich daran, dass sie lange "keinen Zugang zu der komplizierten Seelenlandschaft Schuberts gefunden" habe. Fast hatte sie sich schon entschlossen, ihre Teilnahme zurückzuziehen. "Schließlich war es dann eine Bauchentscheidung", bekennt sie und berichtet, dass eine Rundfunksendung mit Peter Härtling, einem exzellenten Kenner von Schuberts Werk, "für mich zu einer Initialzündung wurde".

In ihren nun in der Galerie gezeigten großformatigen Bildern greift Annette Gundermann das wichtige Naturmotiv Wasser auf und drückt damit die bei dem Wanderer ablaufende Bewegung aus. Für die Künstlerin symbolisiert es den Lebensweg eines Menschen. Das Wasser in der winterlichen Umgebung ist erstarrt, rinnt aber auch in heißen Tränen der Enttäuschung und Todesangst. Es gibt keine "harmonische Lösung", erklärt Annette Gundermann ihre "unendliche Suchbewegung, die alle Elemente von Traurigkeit, Abschied und Sehnsucht an sich bindet".

Ulrike Hogrebe hat im Wechsel von gegenständlichen und abstrakten Motiven der Ausstellung kleine Formate beigegeben, die ihre Entsprechung in der Reise des Wanderers finden. Krähe und Hund oder auch Wegweiser werden zu Vorzeichen des Unheimlichen und des Todes. Anton Schwarzbach dokumentiert mit seinen Zeichnungen und den eigenen Texten seine Annäherung an die "Winterreise" und wünscht sich "ein Aufbegehren gegen die Entfremdung. Die Kraftlosigkeit, weit entfernt von einem neu oder anders hat für ihn die eigentliche (pubertäre) Endzeit-Wucht". Die Gültigkeit und Aktualität von Müllers Versen zeigt sich auf dem Hintergrund von Flucht und Vertreibung Tausender Menschen: "Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh' ich wieder aus."

Wichtig ist Annette Gundermann der Hinweis, dass die gezeigten Werke von Joachim Böttcher, Martin Enderlein, Ellen Fuhr, Kitty Kahane, Thomas K. Müller oder Christian Ulrich die "Winterreise" nicht illustrieren. "Sie beruhen auf Assoziationen zu den Texten Müllers und treffen sich mit Schuberts Klangfolgen in einer elegischen Atmosphäre."

Bis 20.1., Di-Fr 14-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr, Forum Galerie Amalienpark, Breite Straße 2a, Berlin-Pankow; Carmen Maja Antonie liest Gedichte von Wilhelm Müller, heute, 19 Uhr, weitere Veranstaltungen am 12. und 19.1., Tel. 030 33028095

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