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Verein Jugendhilfe und Sozialarbeit unterstützt Gagarin-Schüler mit AGs, Coachings und Unterricht

Sozialprojekt
Schrauben, backen, reden gegen Krisen

Schrauben gerne an Go-Karts: Die Siebtklässler Leo Jokel (l.) und Gino Schüler machen beim Projekt "Move" mit.
Schrauben gerne an Go-Karts: Die Siebtklässler Leo Jokel (l.) und Gino Schüler machen beim Projekt "Move" mit. © Foto: MOZ/Lisa Mahlke
Lisa Mahlke / 08.01.2018, 07:50 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Ginos Traumjob ist der des Kfz-Mechatronikers, wie sein Vater. Von ihm hat er ein Auto geschenkt bekommen, das der Zwölfjährige auf Vordermann bringt, bis er es selbst fahren darf. Jeden Freitag, in den ersten vier Unterrichtsstunden, schraubt er aber nicht an Autos, sondern an Go-Karts. "Das ist nicht so kompliziert", erzählt er.

Die Go-Kart-Werkstatt gehört zum Projekt "Move", einer integrativen Lerngruppe, in der Siebt- und Achtklässler, die erheblichen schulischen Unterstützungsbedarf haben, gefördert werden. Die Juri-Gagarin-Oberschule kooperiert dabei mit dem Verein Jugendhilfe und Sozialarbeit (JuSeV), der Träger des Projektes ist. Alternativ zur Go-Kart-AG können die Schüler freitags kochen und backen oder nähen und Holz bearbeiten.

Von montags bis donnerstags werden sie einige Stunden in kleinen Gruppen von Fachlehrern unterrichtet. Deutsch, Mathe und Englisch sind fest, dazu kommen Übungsstunden, in denen sie etwa Fragen zu Hausaufgaben oder anstehenden Tests stellen können, und ein freiwilliges Kunstprojekt. "Wir schauen natürlich vorher, aus welchen regulären Unterrichtsstunden wir die Schüler rausnehmen können", erklärt Michel Mathews vom JuSeV.

Zusammen mit seiner Kollegin Linda Mader, fünf Lehrern, einem freischaffenden Künstler und einem Kfz-Mechatroniker betreut er aktuell 13 Schüler in dem Projekt. Ihre Geschichten sind ganz unterschiedlich. "Ich habe im Unterricht Schwachsinn gemacht, bin rausgeflogen", erzählt Leonie. Lehrer haben ihr dann das Projekt "Move" vorgestellt. "Das ist alles komplett freiwillig", betont Mathews, der mit seiner Kollegin sogar Unterschriften der Schüler einholt, bevor sie am Projekt teilnehmen.

"Ich hab eine Lernschwäche", erklärt Leo geradeaus, warum er mit dabei ist. "Ich hatte in der Grundschule schon Probleme mit den Lehrern." Das Besondere sei, dass es sich um kein klassisches Schulverweigerer-Projekt handele. "Es ist präventiv", erklärt Mathews. "Wir fangen die Schüler in einer Krisensituation auf." Pubertät, Gefühlschaos, Krankheit in der Familie, ein geringes Selbstwertgefühl - all das können Problematiken sein, mit denen die Schüler kämpfen. In wöchentlichen Coachings sprechen die Sozialpädagogen mit ihnen über Zeitmanagement, Ziele, wie sie am besten auf ihre Ressourcen zurückgreifen. Im sogenannten "Open Space" bekommen sie Feedback zu ihrem Sozialverhalten, dem Umgang untereinander, Mitarbeit. Dazu kommen Stunden wie soziales Lernen und Kommunikation.

"Move" ist ein Modellprojekt, das durch das Land und das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert wird. Die Schüler sind ein Halbjahr in dem Projekt, mit zweimaliger Verlängerungsmöglichkeit. Es läuft seit Ende 2015.

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