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Humbis zeigen klare Kante

In einer Reihe: Die Landtagsabgeordneten Axel Vogel (Bündnis 90/ die Grünen, von links nach rechts), Christina Schade (AfD), Ralf Christoffers (Die Linke), Uwe Liebehenschel (CDU) und Daniel Kurth (SPD) beim "Dialog P" im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium
In einer Reihe: Die Landtagsabgeordneten Axel Vogel (Bündnis 90/ die Grünen, von links nach rechts), Christina Schade (AfD), Ralf Christoffers (Die Linke), Uwe Liebehenschel (CDU) und Daniel Kurth (SPD) beim "Dialog P" im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium © Foto: MOZ/Sven Klamann
Danilo Zoschnik (18) / 25.02.2017, 06:24 Uhr
Eberswalde (MOZ) Landespolitik am Humboldt-Gymnasium: Axel Vogel (Grüne), Daniel Kurth (SPD), Uwe Liebehenschel (CDU), Christina Schade (AfD) und Ralf Christoffers (Die Linke) debattierten kürzlich mit den Schülern im Rahmen des sogenannten "Dialog P".

Es ging um die kontroversen Themen Kohleausstieg, Kreisgebietsreform, Sicherheits-, Bildungs-, und Drogenpolitik. Nicht selten warteten die Jugendlichen dabei mit starken Argumenten auf und zeigten den Abgeordneten, dass die moderne Politikverdrossenheit keineswegs auf die Humbis zutrifft und informierten die Gäste mitunter sogar erst zu Aspekten ihrer Themen mit. "Meine Schüler haben in ihren Debatten deutlich gemacht, dass die Jugend Visionen hat und mit ihren Konzepten ernst genommen werden muss", merkt Fachlehrer Karsten Bunsas stolz an.

Vor dem Start der rotierenden Austausch-Runden, bei der jeweils zehn Minuten Zeit für einen schnellen Meinungsdiskurs zu einem der Themen zur Verfügung standen, hatte sich AfD-Politikerin Christina Schade, während sie sich vorstellte, direkt an die Gymnasiasten gewandt: "Ihr seid unsere Zukunft. Wenn wir nicht auf euch hören, bei wem sollen wir es dann tun?"

Ein Statement, dass für die Jugendlichen wie ein ambitioniertes Versprechen an die Bedeutsamkeit ihrer politischen Teilhabe und ein Zugeständnis an das Gestaltungsvermögen der jungen Menschen klang. Aber auch ein Versprechen, dass sich bei aller Ehrlichkeit dann durch das Verhalten und die Aussagen aller Mandatsträger während der Gespräche leider nicht als konsequent erfüllt herausstellte. In der Tat aber standen die Schüler den Polit-Profis in Sachen Schlagfertigkeit und Expertise in nichts nach.

Auf ihre jeweiligen Themen hatte sich die Schülerschaft mit vollem Einsatz vorbereitet, klare Kante gegen parteipolitische Verallgemeinerungen und Taktiererei gezeigt und unnachvollziehbare oder falsche Aussagen schonungslos angeprangert. "Ideologie ist bei solch kontroversen Themen völlig deplatziert", gibt einer der Gruppensprecher zum Ende der Veranstaltung zu bedenken. Gerade Sätze wie "Darüber werde ich gar nicht erst diskutieren", über die sich beispielsweise die drogenpolitische Gruppe ärgern musste, blieben nicht aus.

Insgesamt gab es einen anregenden Austausch, der aber auch Raum für Kritik zulässt - etwa zum Wissensstand der Parlamentarier zu einigen Schwerpunkten, die für die nächste Generation und somit auch die Zukunft in besonderem Maße relevant sind.

Mit einer so großen Herausforderung durch die diskussionsfreudigen und gut informierten Zwölftklässler hatten die Landtagsabgeordneten wohl nicht gerechnet.

Deutlich wurde also, dass politische Streitkultur anstrengend ist. Nicht zuletzt aber auch essentiell für eine funktionierende Meinungsbildung und eine ernsthafte Beschäftigung mit Chancen der Umsetzung von Lösungsansätzen für drängende Fragen. Aus dem Dialog nehmen die Gymnasiasten daher auch mit, dass sich die Mühe lohnt, auf einen Abwärtstrend des politischen Interesses mit direkter Auseinandersetzung zu antworten - auch in den kommenden Jahren.

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