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Rückzugsgebiet Deutschland

Polizeieinsatz gegen Mafia-Clan
Polizeieinsatz gegen Mafia-Clan © Foto: dpa
Bettina Gabbe / 09.01.2018, 20:26 Uhr
Rom (MOZ) Bei einer gemeinsamen Polizeiaktion haben deutsche und italienische Ermittler einen Clan der kalabrischen Mafia-Organisation Ndrangheta zerschlagen. In Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen wurden elf mutmaßliche Angehörige des Ndrangheta-Clans Farao-Marincola festgenommen. In dessen Heimatprovinz Crotone in Kalabrien kam es derweil zu 170 Verhaftungen. Bei Razzien in beiden Ländern wurden Vermögen und Güter im Wert von 50 Millionen Euro beschlagnahmt.

Den Verdächtigen werden schwere Straftaten wie Erpressung, Geldwäsche und Korruption vorgeworfen. Unter den Festgenommenen in Kalabrien sind auch zehn Beamte, darunter der Provinzgouverneur von Crotone sowie drei Bürgermeister der Region.

Der Clan aus der kalabrischen Kleinstadt Cirò Marina soll das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben bis weit über die benachbarten Regionen hinaus beeinflusst haben, von Wäschereien über Spielautomaten bis hin zu Bestattungsunternehmen und der Müllabfuhr. Der als "kriminelle Holding" geltenden Organisation gelang es auf diese Weise, ganze Handelszweige wie den Verkauf von Fisch, Wein und Backwaren zu kontrollieren. Laut dem 1300 Seiten umfassenden Bericht der Staatsanwaltschaft kontrollierte der Clan auch das örtliche Aufnahmezentrum für minderjährige Flüchtlinge. Er verdiente an der Versorgung der Insassen, während er gleichzeitig über die Auszahlung von Gehältern verfügte.

Italienische Restaurants in Deutschland wurden laut Ermittlern gezwungen, Pizza-Teig und Wein aus Cirò zu kaufen. "In Deutschland gab es sogar Wein mit dem Namen des Vaters und anderer Mitglieder des Clans", berichtete Vincenzo Luberto von der Staatsanwaltschaft Catanzaro. Einer der inhaftierten Clan-Chefs habe in abgehörten Telefongesprächen seine Verwandten angewiesen, weniger Gewalttaten zu verüben und sich auf Wirtschaftsaktivitäten zu konzentrieren.

Jahrelang hatten deutsche und italienische Ermittler sich gegenseitig mangelnde Entschiedenheit bei der Bekämpfung der Ndrangheta vorgeworfen, der mächtigsten italienischen Mafia-Organisation. Die Festnahmen in Deutschland erfolgten nun auf der Grundlage von EU-Haftbefehlen.

Die Ndrangheta nutzt Deutschland seit Jahren für Geldwäsche und als Rückzugsgebiet für Verdächtige. 2007 wurden im Rahmen eines Bandenkriegs zwischen verfeindeten Clans vor einer Pizzeria in Duisburg sechs Menschen erschossen.

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