Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Rechte Hetze
Der "Volkslehrer"

Nach dem Dienst in einer Berliner Grundschule verbreitete Nikolai N. als „Volkslehrer“ rechte Ansichten auf Youtube.
Nach dem Dienst in einer Berliner Grundschule verbreitete Nikolai N. als „Volkslehrer“ rechte Ansichten auf Youtube. © Foto: srennshot youtube
Maria Neuendorff / 10.01.2018, 07:18 Uhr
Berlin (MOZ) Nach dem Dienst in der Grundschule verbreitete Nikolai N. als "Volkslehrer" rechte Ansichten auf Youtube. Seit Montag läuft eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen den Berliner. Der Schulaufsicht waren seine fragwürdigen Auftritte allerdings schon länger bekannt.

Die Menschen sind aufgestanden und halten die Köpfe gesenkt, während sie der 10 000  im Meer ertrunkenen Flüchtlinge gedenken, als eine laute Männerstimme plötzlich die Schweigeminute durchbricht. "Die Aufnahme von Flüchtlingen nach Deutschland ist gegen das Grundgesetz", ruft der Mann in den Saal. Die Besucher, die sich zur Podiumsdiskussion mit Kirchenvertretern und Innenminister Thomas de Maizière (CDU) in einer Kongresshalle versammelt haben, blicken sich erschrocken um.

Die Szene beim Evangelischen Kirchentag im Mai vergangenen Jahres in Berlin wurde vom ZDF aufgezeichnet. Der Mann, der nach seiner einminütigen Wutrede aus dem Raum geführt wird, ist Nikolai N. Er ist Lehrer an der Vineta-Grundschule in Berlin. Am Montag wurde er bis auf Weiteres beurlaubt. Die Bildungsverwaltung hat Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt und eine sogenannte Reichsbürgermeldung beim Innensenator eingereicht.

Denn der 38-Jährige stört nicht nur regelmäßig öffentliche Veranstaltungen von Politikern, sondern lädt auch Youtube-Videos von sich hoch. Als "Volkslehrer" gibt er vor einer Kreidetafel dort seine Verschwörungstheorien kund, hetzt unter anderem gegen Juden oder kritisiert, dass zwar Fremdsprachen, aber nicht die "Deutsche Kultur" im Rahmenlehrplan aufgeführt werde. Zudem gibt es ein Foto, das Nikolai N. auf einer Demonstration auf dem Alexanderplatz zeigt. "Die Geschichte des Holocaust ist eine Geschichte voller Lügen", steht auf seinem Plakat.

"Jemand, der öffentlich den Holocaust in Frage stellt, hat vor Schülern nichts zu suchen", sagt Tom Erdmann, Landeschef der der Lehrergewerkschaft GEW. Obwohl er sich mit Berufsverboten sehr schwer tut, begrüßt er die Entscheidung, Nikolai N. zu suspendieren und Anzeige zu erstatten. Erdmann findet, dass viel zu spät gehandelt wurde. "Der Senatsverwaltung waren die Vorfälle bekannt." Nikolai N. sei wegen seiner Äußerungen schon mehrfach zur Schulaufsicht gebeten worden. Hochgekocht sei das Thema aber erst, als am Wochenende der "Tagesspiegel" einen großen Artikel über den umstrittenen Pädagogen brachte, kritisiert Erdmann.

"Gespräche mit der Lehrkraft hat es seitens der Schulaufsicht und der Schulleitung auch schon vor dem Jahreswechsel gegeben", bestätigte Beate Stoffers, Sprecherin der Senatsbildungsverwaltung, am Dienstag. Arbeitsrechtliche Maßnahmen würden derzeit geprüft. "Wenn die Person ungeeignet ist für ihre sich aus dem Arbeitsvertrag ergebenden Aufgaben, besteht das Recht zur Kündigung", heißt es dort sehr allgemein. Außerdem ist eine verhaltensbedingte Kündigung möglich, wenn die Lehrkraft Schüler indoktriniert oder diskriminiert. An der Vineta-Grundschule im Wedding, an der Nikolai N. Musik, Sport und Englisch unterrichtete, haben 95 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund. Nach Angaben des Schulleiters Harry Könnicke (63) sei N. bei seinen Schützlingen beliebt gewesen. Auch von Eltern habe es bisher keine Beschwerden gegeben. "Nach jetzigem Kenntnisstand hat er im Unterricht nicht versucht, Schüler politisch zu beeinflussen", so Könnecke.

Lehrer an staatlichen Schulen haben eine Neutralitätspflicht. Als Mitarbeiter im öffentlichen Dienst sind sie verpflichtet, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu achten. "Grundsätzlich können Lehrer in ihrer Freizeit aber auch in einer Partei wie der AfD aktiv sein", erklärt Gewerkschaftler Erdmann. Allerdings trete Nikolai N. in seinen Videos eindeutig als Lehrer auf.

Auch in seinem jüngsten, nur nur wenige Stunden altem Film sitzt Nikolai N. vor einer Lehrtafel mit altdeutschen Schriftzeichen. Unter anderem liest er weinend ein heroisches Gedicht vor und beklagt sich, dass im Unterricht immer nur die deutsche Schuld behandelt würde.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Kurt Crampmeyer 10.01.2018 - 14:20:18

Auftrag erfüllt

"AfD" im Artikel untergebracht.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG