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Sabine Förster schließt ihren Supermarkt in Oderberg / Ländliche Region verliert zusehends mehr der ortsbildprägenden Läden

Versorgung
Das Verschwinden der kleinen Händler

Julia Lehmann / 11.01.2018, 06:30 Uhr
Oderberg (MOZ) Zyniker würden jetzt sagen: Hier setzt sich lediglich ein unaufhaltbarer Prozess fort. In Oderberg hat Sabine Förster jüngst ihren Edeka-Markt in der Hermann-Seidel-Straße geschlossen. Damit verschwindet die letzte kleine Einkaufsmöglichkeit im Stadtzentrum.

20 Jahre - so lange hatte Sabine Förster ihren kleinen Edeka-Ableger in der Hermann-Seidel-Straße in Oderberg. Am 30. Dezember des vergangenen Jahres räumte sie den Laden leer, schloss Tür und Rollläden. Sie wolle kürzer treten, sagt die 59-Jährige mit Blick auf Alter und Gesundheit. Schließlich betreibt sie einen größeren Edeka in Lunow auch weiterhin. "Es kann jeder gern weitermachen", lautet ihr Angebot. Soll heißen, eigentlich hatte sie große Hoffnung, ihr Geschäft in andere Hände geben zu können und so einen fließenden Übergang zu schaffen. Diese Hoffnung hat sich inzwischen so gut wie zerschlagen. Ein Interessent hatte sich schlichtweg nicht mehr gemeldet und ist auch nicht erreichbar.

Oderberg wie der gesamte ländliche Raum, der vielerorts eine ähnliche Entwicklung erfährt, büßt so immer mehr an Attraktivität ein. Das Stadtzentrum verwaist zunehmend, findet auch Heike Fröhlich von der "Perspektive Oderberg". Der Verein will mit unterschiedlichen Aktionen wieder mehr Leben nach Oderberg holen - vor allem auf den Marktplatz als der einstige Stadtkern. Vereinsvorsitzende Heike Fröhlich hatte sofort eine Idee, als sie die Schließung des Supermarkts bemerkte. Vor allem für ältere oder gebrechliche Anwohner sei es wichtig, eine gut erreichbare Einkaufsmöglichkeit zu schaffen. Der nächstgelegene Discounter befindet sich im Norden Oderbergs und ist fußläufig vom Stadtzentrum nicht ohne Weiteres zu erreichen. Heike Fröhlich schwebt ein Wochenmarkt auf dem Marktplatz vor. Darüber würde sie gern bei den regelmäßigen Treffen des Oderberger Fensters, freitags 16 Uhr, mit Interessierten sprechen.

Indes besteht weiterhin die Möglichkeit, das Geschäft wieder zu öffnen, sagt Sabine Förster. Sie helfe dem zukünftigen Betreiber sogar beim Start. "Es war ja ein Geschäft, das sich gedreht hat." Sabine Förster spüre aber, dass das Interesse daran, einen solch kleinen Laden zu betreiben, immer weiter schwindet. Preis-Konkurrenz durch Discounter mache es kleinen Händlern schwer. Sabine Förster ist ja an die Einkaufspreise der Edeka-Kette gebunden. Sie prangert mangelnde Unterstützung der Politik an. Förderung des ländlichen Raums gebe es nur auf dem Papier, sagt sie.

Rosemarie Feige hatte einst sechs Lebensmittelgeschäfte in der Region. Zuletzt musste sie das in Lichterfelde nach 18 Jahren schließen. Geblieben ist das kleine Geschäft in Britz an der Eberswalder Straße. Dort verkauft sie neben Lebensmitteln und Brot auch Blumen, hat eine Poststelle. Aber für Rosemarie Feige ist das letzte Arbeitsjahr angebrochen, erzählt sie. Zum Jahresende will sie 66-jährig in Rente gehen. Sie stehe aber mit jemanden im Gespräch über eine Weiterführung des Ladens. "So ein Laden gehört einfach in jeden Ort", findet sie. Sie bedaure das Aussterben dieser Tradition vor allem in den ganz kleinen Ortschaften. Sie sieht auch die Bevölkerung in der Verantwortung, sich für den Erhalt einzusetzen.

Renate Witthuhn gab im Dezember 2016 ihren Edeka-Nahkauf in Joachimsthal auf. Die Konkurrenz mit gleich mehreren Discountern sei einfach zu groß gewesen. Und da komme es auf die Verwaltung an, die die Supermarktketten in die Ortschaften hole, dies nicht zum Opfer der kleinen Händler zu tun. Sie widmet sich vollends dem Geschäft in Zepernick. Daran, erneut einen zweiten Laden irgendwo zu eröffnen, denkt sie nicht. "Ich kann die Kunden ja auch nicht herbeizaubern", sagt Renate Witthuhn.

In Oderberg könnte der Betrieb sofort weitergehen. "Die Regale stehen alle noch", sagt Sabine Förster.

Kontakt zu Sabine Förster Tel. 033365 609

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