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zur Inflation
Die Löhne steigen, die Preise auch

Dieter Keller
Dieter Keller © Foto: Südwest Presse
Meinung
Dieter Keller / 11.01.2018, 19:37 Uhr
Berlin (MOZ) Mit der Statistik ist das so eine Sache: Preisbereinigt sind die Tariflöhne im letzten Jahr nur um 0,6 Prozent gestiegen, weil die Inflation deutlich an Fahrt gewonnen hat. Geht also der Aufschwung an den Arbeitnehmern vorbei? Schließlich ist die Wirtschaft real um 2,2 Prozent gewachsen und damit so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Tatsächlich können die Beschäftigten beruhigt sein: Der Unterschied ist mit immer neuen Beschäftigungsrekorden zu erklären. Weil mehr Menschen in Arbeit sind, steigt die Lohnsumme deutlich. Nur verteilt sie sich auf mehr Köpfe, beim Einzelnen kommt also nicht ganz so viel an.

Zudem ist das Wachstum in diesem Jahr ein zentrales Element in den nächsten Tarifrunden. Nicht nur die Metaller fordern sechs Prozent Entgelterhöhung. Wenn das Geschäft brummt, haben die Unternehmen kaum Argumente, knausrig zu sein. Es sei denn, sie seien in einer Branche aktiv, der es nicht so gut geht.

Zudem bringen Lohnerhöhungen wenig, wenn die Preise kräftig steigen. Da ist derzeit mit keiner Beruhigung zu rechnen. Wobei knapp zwei Prozent noch kein Drama sind, sondern nur, was die Europäische Zentralbank als Mindestmaß erwartet. Unerfreulich ist es trotzdem, wenn Lohnerhöhungen einfach aufgefressen werden.

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Werner Matzat 12.01.2018 - 12:09:40

Tariflohnentwicklung lässt noch viel Luft nach oben - Das ist ein Nullsummenspiel, die eine Hand gibt, die andere nimmt

Die Tariflöhne und - gehälter haben im Jahr 2017 nominal im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt um 2,4 Prozent zugelegt. Nach Abzug des Verbraucherpreisanstiegs von 1,8 Prozent ergibt sich daraus ein realer Zuwachs der Tarifvergütungen um 0,6 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die Bilanz der Tarifpolitik des Jahres 2017, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung heute vorlegt. [11.01.2018] Insgesamt konnte nach der WSI-Analyse im Jahr 2017 der gesamtwirtschaftliche Verteilungsspielraum – gemessen als Summe aus Preis- und Produktivitätsentwicklung – durch die Tariflohnzuwächse annähernd ausgeschöpft werden, nachdem die Tariflöhne in den Jahren zuvor teilweise deutlich darüber lagen. Berücksichtigt man hingegen bei der Kalkulation des Verteilungsspielraums nicht nur die tatsächliche Preisentwicklung, sondern auch die Zielinflationsrate der Europäischen Zentralbank von annähernd 2 Prozent, so zeigt sich, dass die Lohnentwicklung nach wie vor eher moderat verlaufen ist und immer noch erheblichen Spielraum nach oben aufweist. Quelle: https://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/112132_112326.htm Der reale Anstieg der Tariflöhne um lediglich 0,6 Prozent im vergangenen Jahr zeigt, dass es hier noch viel Luft nach oben gibt. Für 2018 kann das Motto deshalb nur lauten, den Arbeitgebern bei erwirtschafteten Rekordergebnissen, durch ihre Mitarbeiter, ein größeres Stück des Kuchens abzutrotzen. Die IG Metall fordert z.Z. unter anderem 6 Prozent mehr Lohn, was bleibt am Ende für den Mitarbeiter übrig? Hm, wenn es den "Fachkräftemangel" wirklich geben sollte, müsste sich dieser doch auch an kräftig gestiegenen Löhnen ablesen lassen?

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