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Offene Fragen nach Bin-Hammam-Aussage in WM-Affäre

Mohamed bin Hammam hat den Erhalt von 6,7 Millionen Euro im Zuge der WM-Affäre 2006 bestätigt.
Mohamed bin Hammam hat den Erhalt von 6,7 Millionen Euro im Zuge der WM-Affäre 2006 bestätigt. © Foto: Shamshahrin Shamsudin/EPA FILE/dpa
dpa-infocom / 14.01.2018, 13:44 Uhr - Aktualisiert 14.01.2018, 12:22
Berlin (dpa) Die Schlüsselfigur Mohamed Bin Hammam will die Affäre um die Fußball-WM 2006 in Deutschland auch nicht aufklären.

Warum erhielt der frühere FIFA-Vizepräsident einst mehrere Millionen von einem Konto von Franz Beckenbauer? Und wozu genau benutzte er danach das Geld? Diese zentralen Fragen ließ Bin Hammam auch bei seinem ersten Interview zu diesem Skandal in der ZDF-«Sportreportage» offen. Der katarische Unternehmer betonte nur wie schon andere Protagonisten wie Beckenbauer oder Joseph Blatter vor ihm auch: Es seien keine WM-Stimmen gekauft worden. «Ich schwöre zu Gott, es war nicht für die WM», sagte Bin Hammam.

Wofür aber dann? «Ich weiß es nicht», behauptete der 68-Jährige zunächst lachend im ZDF-Interview und ergänzte dann: «Nein, natürlich weiß ich es. Aber entschuldigen Sie - das interessiert doch nur Sie, keine anderen.»

Die 6,7 Millionen Euro und ihre Verwendung sind eine der zentralen offenen Fragen in der Affäre um die Vergabe der Weltmeisterschaft nach Deutschland im Jahr 2000. Das Geld floss im Jahr 2002 von einem Konto von Beckenbauer und seinem kurz darauf verstorbenen Manager Robert Schwan über die Schweiz auf ein Konto in Katar, das zu dem Firmengeflecht von Bin Hammam gehörte. Kurz darauf erhielt Beckenbauer diese Summe als Darlehen vom früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zurück, der wiederum sein Geld drei Jahre später vom DFB zurückforderte. 2005 überwies der Verband die 6,7 Millionen Euro über ein Konto des Weltverbandes FIFA an Louis-Dreyfus.

Dass mit der Zahlung Stimmen für die WM-Vergabe gekauft wurden, bestreitet Bin Hammam. Die Summe sei erst nach dem Zuschlag an Deutschland auf sein Konto geflossen, argumentiert der lebenslang im Fußball gesperrte Ex-Funktionär. «Ich würde gerne wissen, warum Deutschland mich hätte bestechen sollen, für etwas, was sie schon erhalten haben.»

Beckenbauer wies Korruption bei der Bewerbung ebenfalls stets zurück und behauptet, dass die WM-Organisatoren mit der Zahlung nur einen Organisationskosten-Zuschlag des Weltverbandes absichern wollten. Der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter bezeichnet diese Theorie als «Quatsch». Zwei weitere Thesen: Wurde mit dem Geld heimlich der Wahlkampf des damaligen FIFA-Chefs unterstützt? Oder hat Bin Hammam Recht und die Zahlung hing nicht mit der WM oder einem Stimmenkauf zusammen, sondern wurde für einen verborgenen Deal mit TV-Rechten benutzt, wie Recherchen der «Süddeutschen Zeitung» nahelegen?

Auch die Aussage von Bin Hammam sorgt hier nicht für Klarheit. Immerhin führte das ZDF aber ein erstes Gespräch mit ihm, auf das der DFB noch wartet. Nach den Äußerungen des früheren Vizechefs des Weltverbands setzt der Deutsche Fußball-Bund weiter auf ein eigenes Treffen mit Bin Hammam. Dieser habe dem DFB über seinen Anwalt in der Schweiz seine grundsätzliche Bereitschaft zu diesem Gespräch signalisiert. Einen Termin dafür gebe es jedoch noch nicht, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Verbandskreisen.

Auch für den DFB hat der Zweck der Zahlung eine entscheidende Bedeutung. Der Verband verschleierte das Geld nach Ansicht der Finanzbehörden in seiner Steuererklärung für 2006 als Kostenbeitrag zu einer WM-Gala, die am Ende nie stattfand.

Der Verband hat die falsche Deklarierung zwar eingeräumt, aber auch erklärt, Louis-Dreyfus habe Beckenbauer das Geld gegeben, um einen Organisationskosten-Zuschuss von der FIFA abzusichern. Die 6,7 Millionen stünden deshalb in einem direkten Zusammenhang mit der WM und seien daher steuerlich als Betriebsausgabe zu sehen. Das Finanzamt sieht darin indes einen schweren Fall von Steuerhinterziehung und fordert eine Nachzahlung von 19,2 Millionen Euro. Die DFB-Spitze will diese Entscheidung anfechten.

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