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Lufthansas Ju 52 mit 77 noch topfit

"Alte Tante" mit Hightech

"Alte Tante" mit Hightech
"Alte Tante" mit Hightech © Foto: dapd
dapd / 23.02.2013, 15:36 Uhr
Hamburg (dapd) "Tante Ju", das legendäre Flugzeug vom Typ Junkers Ju 52 der Lufthansa: Demnächst wird sie 77, und sie ist immer noch topfit. Nach den Wünschen ihrer Besitzer soll sie mindestens 100 Jahre alt werden. Seit ihrem Erstflug im Jahr 1936 lernte sie die halbe Welt kennen, flog für verschiedene Airlines, fürs Militär und windige Abenteurer. Doch inzwischen hat "Tante Ju" ein geordnetes Flugzeugleben, kutschiert Jahr für Jahr Luftfahrt begeisterte Freaks in Deutschland durch die Lüfte. In ihrem Hamburger Winterquartier wird sie gerade für die bevorstehende Saison herausgeputzt.

Die Verkleidung der drei Neunzylinder-Sternmotoren wurde entfernt, damit die Techniker zu Wartungsarbeiten an das Innenleben herankommen. Die Kabine der Maschine mit dem historischen Kennzeichen D-AQUI, in der sonst 16 komfortable Ledersitze stehen, ist leer. "Rund 9.000 Gäste haben sich allein im vergangenen Jahr einen Flug an Bord der Ju 52 gegönnt", berichtet Robert Salzl vom Förderverein "Freunde der Lufthansa Ju 52", der seit zehn Jahren den Flugbetrieb und damit die Deutsche Lufthansa-Stiftung als Eignerin und Halterin unterstützt.

Schon bald, Ende März, wird der Oldtimer wieder zusammengebaut sein. Dann sollen die drei Motoren angeworfen werden zum ersten Start des Jahres aufbrechen. Mit ihrer Reisegeschwindigkeit von gemütlichen 180 bis 190 Stundenkilometern und damit meist langsamer als ein ICE unten am Boden wird die Ju von April an wieder über Deutschland unterwegs sein. Dies geschieht in alter Schönheit, aber mit modernster Technik im Innenleben. Denn die Vorschriften erfordern längst eine gute Portion Hightech in der Elektronik.

Sparprogramm gefährdet Flugbetrieb nicht

Auch wenn der Flugbetrieb einen Teil der Kosten deckt, muss die Lufthansa Jahr für Jahr erhebliche Summen beisteuern, um "Tante Ju" am Leben zu halten. Das ist keine leichte Aufgabe in Zeiten eines Sparprogramms mit Stellenabbau und Umstrukturierungen. "Auch wenn es uns nicht so gut geht: Eine Einstellung des Flugbetriebs kommt überhaupt nicht in Frage", sagt Lufthansa-Aufsichtsratschef Jürgen Weber. "Die Traditionspflege ist auch ein Teil unserer Unternehmenskultur." Die Ju 52 sei ein Symbol für Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Ingenieurskunst, betont er bei einem Besuch auf der Hamburger Lufthansa-Werft.

Schon ihren Jungfernflug hatte die "D-AQUI" nach ihrer Fertigstellung in Dessau bei der damaligen Deutschen Luft Hansa AG erlebt. Danach flog sie fast 20 Jahre in Deutschland und Norwegen. Als sie 1955 in Norwegen außer Dienst gestellt werden sollte und für ein Museum in Oslo zu groß war, wurde sie nach Ecuador verkauft. Fast wäre sie dort in Vergessenheit geraten, hätte sie nicht 1969 ein amerikanischer Flugzeugfan gerettet und auf Flugveranstaltungen präsentiert.

15 Jahre später war sie wieder "zu Hause" und wurde in vielen Tausend Arbeitsstunden restauriert. "Teamgeist, technische und fliegerische Kompetenz und Zuverlässigkeit sind hier vereint", sagt Weber und lobt das ehrenamtliche Engagement von 65 Mitarbeitern in Cockpit und Kabine sowie der vielen Förderer. "Das ist mehr als nur Spaß, das ist Kulturgut", kommentiert Flugkapitän Georg Kohne, der hauptamtlich vierstrahlige Düsenjets vom Typ A 330 und A 340 nach Afrika und in die USA fliegt.

"Tante Ju", die weltweit bis Ende der 50er Jahre in etwa 5.000 Exemplaren verkauft wurde, bleibt für die vielen Fans eine Leidenschaft. "Sie flogen jahrzehntelang für europäische Kunden genauso wie im eisigen Sibirien, über der heißen afrikanischen Savanne und auch im damals kaiserlichen China", erzählt Fördervereins-Vorstandsmitglied Cord Schellenberg. 30 Fluggesellschaften in 25 Ländern hatten die Ju 52 demnach im Einsatz.

In den nächsten Jahren soll "Tante Ju" eine größere Schwester erhalten: In Auburn in Maine, dem nordöstlichsten US-Bundesstaat, entsteht aus Einzelteilen von drei Modellen des Typs Super Constellations eine neue "Super Connie". Das erfolgreiche viermotorige Verkehrsflugzeug, das seinen Erstflug 1950 hatte, soll dann ein weiteres Aushängeschild werden und zu nostalgischen Flügen einladen.

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