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Beim Neujahrsempfang des Heimatvereins erinnerte Ortshistoriker Helmut Schönberg an die märkische Windmüllerei

Heimatverein
300 Jahre Mühlengeschichte

Heiratete auch ohne Ringfinger: Als Jugendlicher arbeitete der Vehlefanzer Ortschronist Helmut Schönberg in der Bäckerei Kabelitz - und erlebte dort einen schweren Unfall.
Heiratete auch ohne Ringfinger: Als Jugendlicher arbeitete der Vehlefanzer Ortschronist Helmut Schönberg in der Bäckerei Kabelitz - und erlebte dort einen schweren Unfall. © Foto: Nadim Baker
Nadim Baker / 14.01.2018, 17:12 Uhr
Vehlefanz (OGA) Seit über 20 Jahren veranstaltet der Heimatverein in Vehlefanz kulturhistorische Neujahrsempfänge, um örtliche Denkmäler und ihre Geschichte erlebbar zu machen. Als diesjähriges Thema hat Ortshistoriker Helmut Schönberg (86) die dreihundertjährige Mühlengeschichte von Vehlefanz gewählt.

"Ein edles Kulturgut", findet Schönberg. Sein ganzes Leben hat er in Vehlefanz verbracht, fast jeder im Ort kennt ihn. Auch dieses Jahr haben knapp 100 Gäste den Weg in die ehemalige Bäckerei von Otto Kabelitz an der Lindenallee 9 gefunden. Wochenlang hat Schönberg die örtlichen Schriften und Kirchenbücher studiert und das Mühlwesen von Vehlefanz ab dem Jahre 1640 nachverfolgt. Im Alter von 14 Jahren arbeitete er selbst in der Mühle und Bäckerei Kabelitz. "Das war toll, als junger Bengel eine derart moderne und komplizierte Technik zu bedienen", erinnert er sich. "Eines Tages musste ich den Mahlvorgang alleine vornehmen und hatte Pech: Der Antrieb der Schütteinrichtung riss mir den rechten Ringfinger ab." Der Schock saß tief: "Sekunden danach kam mir der Gedanke: Jetzt kann ich nicht mehr heiraten, der Ringfinger fehlt! Am Ende hat es dann aber doch geklappt mit dem Heiraten", sagt Schönberg schmunzelnd.

"Die Bockwind- und Holländer-Mühlen gehörten seit der Neuzeit zum Landschaftsbild unserer Märkischen Heimat. Deutsche Ingenieurskunst", so Schönberg. In Teilen sei die Technologie bis heute erhalten. Ihren Höhepunkt erreichte die Windmüllerei im 19. Jahrhundert, als in Deutschland mehr als 18 000 Windmühlen in Betrieb waren. Etwa 100 Jahre später waren es nur noch 8 000. Im Jahr 2014 erwarb der heutige Eigentümer, Professor Dr. Dietmar Sturzbecher, das Grundstück samt Gebäuden der früheren Mühle und Bäckerei Kabelitz nach jahrzehntelangem Stillstand. Nun soll sie wieder in Betrieb genommen und zu einer technisch-historischen Bildungs- und Erlebniseinrichtung werden. "Es geht nicht mehr nur darum, Getreide zu zerkleinern. Es gilt, den ländlichen Raum noch lebenswerter zu machen und Denkmäler mit bewegter Geschichte zu erlebbaren Bildungsstätten zu machen." Um sein Anliegen zu verdeutlichen, hat Schönberg den Hobby-Müller Sven Thiede (50) aus Kränzlin bei Neuruppin eingeladen. Der gelernte Elektriker ist Enkel eines Müllermeisters und restaurierte seit 2005 die frühere Motormühle seines Großvaters. Heute ist sie wieder funktionstüchtig und wird regelmäßig von Schüler- und Besuchergruppen besichtigt.

Helmut Schönberg und der Vorstand des Heimatvereins Vehlefanz sind sich einig: "Bürgermeister Peter Leys soll den Antrag stellen, unseren Ort künftig als ,Mühlendorf Vehlefanz' zu bezeichnen. Die bald dreihundertjährige Mühlengeschichte unseres Dorfes rechtfertigt dieses Anliegen."

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