Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Starkes Dichter-Aufgebot beim Borgsdorfer Poetry Slam "Jedes Wort zählt"

Schlacht der Poeten

Abwägungssache: Der 24-jährige Nick Pötter hat den Dichterwettstreit knapp gewonnen.
Abwägungssache: Der 24-jährige Nick Pötter hat den Dichterwettstreit knapp gewonnen. © Foto: Sophie Schade
Sophie Schade / 14.01.2018, 17:33 Uhr
Borgsdorf (OGA) Mit einer Lebensgeschichte im Zeitraffer wurde Nick Pötter am Freitagabend in Borgsdorf bereits zum zweiten Mal zum Meister der Poesie gekürt. Er setzte sich im "Weißen Hirsch" gegen sechs Dichterkollegen durch, mit denen er sich zuvor ein packendes Gefecht lieferte. Ihre Waffen: die eigenen Worte und Bühnenpräsenz.

Schon vor Beginn der fünften Ausgabe des Poetry Slams "Jedes Wort zählt" knisterte die Luft förmlich. Bevor es lyrisch wurde, gab es für das Publikum ein musikalisches, aber nicht weniger wortgewaltiges Kontrastprogramm zur aktuellen winterlichen Wolkenmasse. Die Zwillingsschwestern Inke und Birte sangen als Singer-Songwriter-Duo "Sommertag" über große Gefühle. In der ersten Gruppe war bereits zu erahnen, wie hoch das Niveau der Texte sein würde, die die Teilnehmer im Gepäck hatten. Bis auf eine Ausnahme waren die Kandidaten allesamt erfahrene Wortakrobaten, doch diese Ausnahme brauchte sich gewiss nicht verstecken. Therese Pleyer wagt aktuell ihre ersten Schritte auf den Berliner Lesebühnen. Mit ihrem Text über die Flüchtigkeit des Moments und darüber, dass der Zwang zur Selbstdarstellung das Blick für die schönen Dinge im Leben verdrängt, kam sie an diesem Abend zwar nicht ins Finale. Doch verstecken brauchte sie sich mit ihren Worten auf keinen Fall und bekam viel Anerkennung von den Kollegen.

Im Finale lieferten sich dann vier auf ihre ganz individuelle Art beeindruckende Poeten ein Gefecht. Fazit: Sarkastische Texte mit einer Prise Wut begeistern das Publikum. Luise echauffierte sich beispielsweise über die kleinen, überaus nervigen Angewohnheiten ihrer Mitmenschen, die sie zunehmend auf die Palme bringen. Bastian Mayerhofer, seines Zeichens Salzburger im Exil, beobachtete, dass eine Menge heiße Luft zu dem Narzissmus gehört, der aktuell die Weltpolitik dominiert.

Die Entscheidung im Finale viel jedoch zwischen Jessy James LaFleur und Nick Pötter - und sie dürfte dem Publikum nicht leichtgefallen sein. Jessy James philosophierte darüber, was der Begriff "Heimat" für jemanden wie sie bedeutet, die mit 16 Jahren aus dem Elternhaus geflüchtet ist. Neben den präzise gewählten Worten brachte sie eine derart beeindruckende Präsenz auf die Bühne, dass Totenstille herrschte, wenn sie redete. Sie war die Verkörperung des Bildes, das jemand im Kopf hat, der von einer starken Frau redet.

Als Sieger wurde letztendlich aber Nick Pötter gekürt, der mit einer Biografie, in der der Protagonist nicht ein einziges Mal zu Wort kommt, die Lacher auf seiner Seite hatte.

Lob gebührt neben den Poeten auch dem Moderatoren-Duo Fabian Lindemann und Lukas Schemenz, das gewohnt charmant und humorvoll durch den Abend führte sowie den Organisatoren und Technikern vom Hyperion Kulturverein, die diesen unterhaltsamen Abend ehrenamtlich organisierten.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG