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Trebnitzer Schlossgespräch zum Amateurfilm in der DDR / Wildschweinsuppe vom Park-Schwein

Schlossgespräch
"Hugo Leichtsinn" aus Papier animiert

Schlossgespräch: Filmhistoriker Ralf Forster (l.) stellte sich im Trebnitzer Schloss den Fragen von Moderator Stephan Felsberg und den Gästen
Schlossgespräch: Filmhistoriker Ralf Forster (l.) stellte sich im Trebnitzer Schloss den Fragen von Moderator Stephan Felsberg und den Gästen © Foto: Reinhard Pfeiffer
Reinhard Pfeiffer / 15.01.2018, 06:00 Uhr
Trebnitz (MOZ) Das Trebnitzer Schloss hatte am Freitagabend zum ersten Schlossgespräch des Jahres gebeten. Ralf Forster vom Filmmuseum Potsdam war vom Brandenburgischen Landesverband für politische Bildung dazu eingeladen worden, über das Amateurfilmschaffen in der ehemaligen DDR zu referieren. Den Abend, bei dem es Erstaunliches zu hören und vor allem zu sehen gab, moderierte Stephan Felsberg vom Institut für angewandte Geschichte in Frankfurt.

Ausgehend vom "Bitterfelder Weg" der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), wurde Ende der 1950er-Jahre auch das Filmschaffen der Werktätigen gefördert, legte Ralf Forster dar. Es entstanden zahlreiche Filmklubs, die von örtlichen Betrieben gefördert wurden. Das Filmmuseum Potsdam hat etwa 4600 Filme erfasst und 2000 im Bestand, die schrittweise digitalisiert werden.

Die Bandbreite der Themen war vielfältig, jedoch stand im Mittelpunkt die Dokumentation. So sind Zeitdokumente entstanden, die nicht so sehr den Ton der DDR-Propaganda in sich trugen. Ob ein sorbisches Osterfest gezeigt wurde, die 700-Jahrfeier in Forst, oder ein Hubschraubereinsatz in einem Stahlwerk - immer spreche eine ungefilterte Realität aus den Bildern, so Forster.

Die Amateurfilmer hatten die Zensurschere nicht so im Kopf. Denn die Filme wurden nur im kleinen Kreis aufgeführt und die Betriebe konnten sie als Kulturarbeit abrechnen. Aus den Filmen spricht ein gewisser Eigensinn, der zeigt, dass es sehr wohl Individualität im System gab.

Eine beliebte Variante war der Trickfilm. Denn in den Arbeitsgemeinschaften gab es viele Mitglieder, aber nur wenig Technik.

So führte das in Trebnitz gezeigte Beispiel aus animierten Papierfiguren den berühmten "Hugo Leichtsinn" vor und sollten den Werktätigen den Arbeitsschutz näherbringen. Nach dem Motto: Der Sozialismus ist gut, wenn es nur den schlampigen Zeitgenossen nicht gäbe.

Die 26 Besucher des Abends hielten mit ihren Fragen nicht hinter dem Berg und eine lebhafte Diskussion folgte im Anschluss, bevor es Häppchen und Wildschweinsuppe gab. Das Schwein stammte übrigens aus dem Schlosspark, war also regional und sehr schmackhaft.

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