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Plötzlicher Tod
Bürgermeister Rainer Fornell überraschend gestorben

Rainer Fornell
Rainer Fornell © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Andrea Linne / 16.01.2018, 11:30 Uhr - Aktualisiert 16.01.2018, 15:50
Panketal (MOZ) Rainer Fornell ist tot. Am Montagabend erlag der Panketaler Bürgermeister einem Herzinfarkt. Er hinterlässt drei Söhne. Die Flaggen in der Gemeinde hängen auf Halbmast, ein Kondolenzbuch liegt im Panketaler Rathaus aus. Viele Feiern und Empfänge werden abgesagt.

Der Schock ist allgegenwärtig. Keiner konnte damit rechnen, dass der 53-jährige gebürtige Erfurter, der sehr auf seine Gesundheit achtete, sterben würde. Fornell fuhr gern Fahrrad und legte lange Spaziergänge durch seine Gemeinde zurück. Besuchern zeigte er gern Straßen, Plätze oder Parks, zu jeder Ecke in Panketal wusste der Schwane­becker etwas zu erzählen.

Dass er zunächst einmal ehrenamtlicher Bürgermeister von Schwanebeck werden würde, war für den Fachlehrer für politische Bildung an der Landespolizeischule Berlin nicht folgerichtig. Über den Gartenzaun wurde angefragt, später trat er – damals noch parteilos –auch als Bürgermeister für die Gesamtgemeinde Panketal an. Das war 2003. Aus Überzeugung wurde er dann SPD-Mitglied.

Cassandra Lehnert, Fornells Stellvertreterin, die jetzt kommissarisch das Bürgermeisteramt übernimmt, hat am Morgen alle Mitarbeiter zusammengerufen. 280 Frauen und Männer arbeiten in der Gemeindeverwaltung – von der Kita bis zum Bauhof. An alle Einrichtungen gingen kurze Mitteilungen. Auch ein Kondolenzbuch liegt ab heute im Rathaus Panketal aus. Einwohner, Freunde, Wegbegleiter können ihre Gedanken an Rainer Fornell niederschreiben. Cassandra Lehnert: „Rainer hat seine Prinzipien gehabt. Ich kenne niemanden, der nach so langer Zeit in der Politik so offen im Dialog und ehrlich war. Er konnte nicht über seinen Schatten springen, nur um jemandem zu gefallen. Das ringt mir Hochachtung ab. Unser Verhältnis war von tiefer Loyalität geprägt.“ Die 40-jährige Fachbereichsleiterin für Soziales hat ihn wie viele andere noch am Montag gesehen. Er wirkte entspannt und ruhig.

Termine wie die Eröffnung des Hortes Schwanebeck am Freitag sowie den SPD-Neujahrsempfang am 26. Januar sagten seine Wegbegleiter nun ab. „Wir müssen innehalten und trauern“, macht Cassandra Lehnert klar.

Bei Maximilian Wonke, dem Zepernicker Ortsvorsteher und Panketaler SPD-Vorsitzenden, sitzt der Schock tief. Er hat die ganze Nacht nicht geschlafen. Fornell hatte den 30-Jährigen gezielt gefördert und mit ihm viele Termine absolviert. Zuletzt am Sonnabend beim Tag der offenen Tür am Schwanebecker Schulcampus. Vertraut hatte Fornell auf Facebook – einem sozialen Netzwerk, dem er erst wenige Tage angehörte – Fotos gepostet, darauf die beiden dreijährigen Wonke-Sprösslinge mit Papa und ihm selbst. Der Vater dreier Söhne liebte Kinder. „Wenn etwas mit Kindern passierte, war Rainer Fornell tief betroffen“, berichtet Wonke. Termine mit ihnen hingegen machten ihm riesigen Spaß. Zuletzt rief der Bürgermeister gemeinsam mit anderen Mitarbeitern und einer Firma einen Baumhaus-Wettbewerb ins Leben. Dem Bastler, der schon als Jugendlicher gern an seiner S 50 schraubte und einst den Beruf des Holzmodellbauers erlernt hatte, lag Handwerkliches und noch dazu gemeinsam mit Kindern besonders im Blut.

Neu-Panketalern, aber auch den Jubilaren der älteren Generation schrieb Fornell eigenhändig Glückwunschkarten. 1200 Grüße im Jahr steckte der Bürgermeister persönlich in Briefkästen. Das erledigte er auf seinen Runden durch die Gemeinde gern selbst, da mussten seine Begleiter schon mal warten können. 

Rainer Fornell hatte Pläne, er war voller Optimismus und konnte andere begeistern. Seine Visionen trug er hinaus. „Nie hat er dabei den Bezug zur Realität verloren“, sagt Cassandra Lehnert. „Er wusste genau um die Lebensumstände seiner Mitarbeiter. Jedem hat er persönlich zum Geburtstag gratuliert.“

Nun wollte Rainer Fornell Landrat für den Barnim werden. An diesem Sonnabend auf einem Unterbezirksparteitag der SPD, wollte er antreten, um die Barnimer Genossen von seiner Nominierung als Kandidat zu überzeugen. Der SPD-Unterbezirksvorsitzende Daniel Kurth sagt: „Rainer wird uns nicht nur als Mensch fehlen, er fehlt uns jetzt auch als Landratskandidat. Politik duldet allzu oft keinen Stillstand oder Aufschub. Auch uns bleibt leider nicht die Zeit zum Trauern, die wir brauchen.“

In einem Nachruf macht der Ortsverband klar: „Die SPD Panketal verliert mit ihm einen überparteilich äußerst beliebten Bürgermeister, der für uns die anstehende Landratswahl bestreiten sollte. Wir verlieren aber auch einen besonderen Menschen, den wir für seine klare Art, seine Menschlichkeit und seinen Humor so sehr mochten. Seine Gabe, mit Menschen zu reden und sie zu überzeugen, wird uns sehr fehlen.“ Barnims Landrat Bodo Ihrke (SPD) würdigt Fornell so: „Die Nachricht von seinem Tod lässt sich nur schwer begreifen. Sein Engagement, seine Kompetenz und seine Energie brachte er stets überall dort ein, wo es um die Entwicklung des Landkreises und der Gemeinde ging. Rainer Fornell war ein geradliniger, aufrichtiger und fairer Mensch, der fehlen wird. “

Bernaus Bürgermeister And­ré Stahl (Linke) sagt: „Selten hat mich etwas so betroffen gemacht, wie Rainer Fornells Tod – vor allem, wenn ich an die Kinder und seine Gefährtin denke. Wir hatten engen Kontakt und konnten ausgesprochen gut miteinander. Davon haben auch unsere Kommunen partizipiert.“ Gerade habe Fornell noch zu ihm gesagt „André, pass ein bisschen auf“ und nun das. Stahl gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass die gute Zusammenarbeit zu Panketal ihren Fortgang findet. „Es gab zwischen uns eine erhebliche politische Nähe.“ 

Rainer Fornell lachte und erklärte gern, er studierte Themen, die ihm fremd waren. Unvernunft oder Egoismus bekamen auch seinen Sarkasmus zu spüren. Seine Kraft zog der charismatische Visionär mit gesunder Bodenhaftung aus guten Büchern und aus der Natur. Gern fuhr der Thüringer mit seiner Lebensgefährtin im Wohnmobil hinaus. Von einem Morgen in der Schweiz, als dröhnend ein Alphorn zwischen Berggipfeln sie weckte, konnte Fornell begeistert erzählen. Es sollte seine letzte große Reise sein.

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Axel Huckstorf 16.01.2018 - 12:01:40

Engagierter Bürgermeister

Herzliches Beileid! Ein viel zu früher Tod - mein Mitgefühl gilt seinen Angehörigen, die diesen plötzlichen, schmerzhaften Verlust nun erst einmal verarbeiten müssen. Herr Fornell war ein außerordentlich engagierter Bürgermeister, der die Gemeinde Panketal stark vorangebracht hat. In Sachfragen musste man nicht immer einer Meinung mit ihm sein, dennoch ist er Kritik nie ausgewichen und immer auf die Menschen zugegangen.

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