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Wolf
Rudel droht der Abschuss

Es gibt ungefähr 200 Wölfe in Brandenburg.
Es gibt ungefähr 200 Wölfe in Brandenburg. © Foto: dpa
Mathias Hausding / 17.01.2018, 20:17 Uhr
Potsdam (MOZ) Seit wenigen Tagen hat Brandenburg eine neue Wolfsverordnung, die einen Abschuss der Tiere in Ausnahmefällen zulässt. Nun bezieht sich erstmals ein Landwirt auf diesen Passus und fordert die Entfernung eines ganzen Rudels. Der Landesbauernverband unterstützt ihn.

Elf Seiten umfasst der dieser Zeitung vorliegende Antrag eines Weidekuh-Halters aus Potsdam-Mittelmark an das Landesumweltamt. Mit Verweis auf Paragraf vier der Brandenburger Wolfsverordnung verlangt er die Entnahme des "Dobbrikower Wolfsrudels". Jener Paragraf regelt, dass die streng geschützten Tiere "zur Abwendung drohender erheblicher landwirtschaftlicher Schäden" getötet werden dürfen. Voraussetzung ist, dass die Bestände angemessen durch Zäune geschützt waren und mindestens zwei Angriffe mit Schäden belegt sind. Auch den Abschuss eines ganzes Rudels sieht die Verordnung ausdrücklich als Option vor.

"Das ist jetzt ein Test, ob und wie die Wolfsverordnung in der Praxis funktioniert", sagt Brandenburgs Bauernpräsident Henrik Wendorff. "Wir bekommen fast täglich Anrufe von Landwirten, die ebenfalls einen solchen Antrag stellen wollen." Deshalb habe man sich entschieden, den Landwirt aus Potsdam-Mittelmark quasi in einer Art Musterverfahren zu unterstützen.

Der Tierhalter führt im Detail aus, auf welcher Fläche er wie viele Tiere hält. Auf Fotos zeigt er die Höhe seines fünf Litzen umfassenden Elektrozauns. Dennoch sei es zu zwei Angriffen gekommen, bei denen laut Rissgutachten Wölfe zwei Tiere töteten. "Der zweite Wolfsriss betraf im Gegensatz zu den Beteuerungen der Wolfsbeauftragten sogar ein Jungtier mit weit über 100 Kilogramm Gewicht", beklagt der Bauer. In seiner unmittelbaren Nachbarschaft seien es 2017 "dramatisch mehr Wolfsrisse" gewesen.

Als Verursacher komme nur das Dobbrikower Rudel in Betracht, da die offizielle Statistik in der Region kein anderes ausweise, schreibt der Bauer weiter. Er führt noch aus, dass er die wirtschaftlichen Verluste durch den Wolf nicht mehr tragen könne. Da er Anfang März die Geburt neuer Kälber erwarte, bittet der Bauer um Entnahme der Wölfe bis spätestens Mitte Februar.

Während der Bauernverband also gespannt darauf schaut, ob es der Landesregierung wie versprochen gelingt, den Tierhaltern zu helfen, verschärft der Bauernbund als zweite Lobby-Organisation im Land den Ton gegenüber Rot-Rot. "Das Wolfsmonitoring ist fehlerhaft, die Wolfsverordnung ist wirkungslos, das Wolfsmanagement ist gescheitert", kritisierte Präsident Marco Hintze am Mittwoch. "Überall, wo Menschen und Weidetiere sind, müssen Wölfe konsequent gejagt werden."

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