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Brandenburger Festival des Umwelt- und Naturfilms an der Eberswalder Hochschule gestartet / Bis Freitag Angebote für Klassen

Festival
Anstiftung zum Träumen

Musikalisches Statement: Das "Theater am Rand" unterhielt die Gäste der Eröffnungsveranstaltung mit der Luther-Kantate, die Tobias Morgenstern (am Flügel) eigens für die Ökofilmtour arrangiert hat. Zu seinem Ensemble gehören Rüdiger Krause (E-Gitarre), Na
Musikalisches Statement: Das "Theater am Rand" unterhielt die Gäste der Eröffnungsveranstaltung mit der Luther-Kantate, die Tobias Morgenstern (am Flügel) eigens für die Ökofilmtour arrangiert hat. Zu seinem Ensemble gehören Rüdiger Krause (E-Gitarre), Na © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 18.01.2018, 06:31 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die 13. Ökofilmtour ist gestartet. Am Dienstag gab es mit der langen Filmnacht und den ersten vier Wettbewerbsbeiträgen den Auftakt. Das Festival macht noch bis Freitag an der Hochschule HNE Station. Dann geht es weiter nach Chorin.

Landwirtschaftliche Betriebe gehen ein, Höfe sterben. Viele Bewohner haben bereits das Dorf verlassen, vor allem die Jugend zieht es weg, in die größeren Städte. Jetzt soll auch noch die Schule im Ort geschlossen werden. Das Dorf macht mobil. Nein, die Rede ist nicht von einer Gemeinde in Ostbrandenburg. Es geht um ein Dorf in der Metropolregion Hamburg, um Oberndorf (Landkreis Cuxhaven). Aber immerhin: Oberndorf hat noch ein Kino.

"Wo ein Kino ist, werden die Menschen angestiftet zu träumen", sagt Regisseurin Antje Hubert, die mit ihrer Dokumentation "Von Bananenbäumen träumen" sozusagen den Beweis antritt. Die Oberndorfer wollen sich mit dem drohenden Niedergang nicht abfinden. Sie gründen eine Bürgeraktiengesellschaft, ein absolutes Novum für den Landkreis, und entwickeln mit einem Berliner Projektteam eine kühne, exotisch anmutende Geschäftsidee: Mit Hilfe der Gülle wollen sie eine Fischzucht für afrikanische Welse auf- sowie Bananen anbauen. Ein kleines Dorf also mit großen Plänen.

Oberndorf ist kein Einzelfall in Deutschland. Oberndorf ist überall. Landflucht, Abbau und Verlust von Infrastruktur in den Gemeinden, dramatische Veränderungen in der Landwirtschaft - diese Themen beschäftigen Politiker und Betroffene in Ost und West, in Nord und Süd. Mit ihrer Dokumentation "Von Bananenbäumen träumen" will Filmemacherin Antje Hubert Mut machen.

Es ist einer der ersten Wettbewerbsbeiträge, die im Rahmen der 13. Ökofilmtour laufen. Mit einer langen Filmnacht ist die Tour am Dienstagabend in der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung (HNE) gestartet. Wie in die Vorjahren hat sich die Aula auf dem Stadtcampus für einige Tage in einen Kino-Saal verwandelt. Die HNE ist erneut Partner des Fördervereins für Öffentlichkeitsarbeit im Natur- und Umweltschutz (FÖN), der das Filmfest veranstaltet, und stiftet einen der vier mit jeweils 5000 Euro dotierten Hauptpreise: den Zukunftsfilmpreis. Aus den Händen von Festivalleiter Ernst-Alfred Müller nimmt HNE-Präsident Professor Wilhelm-Günther Vahrson zwei Filmkisten entgegen: mit allen 55 Wettbewerbsbeiträgen. In der Hochschulbibliothek wird ein Arbeitsplatz eingerichtet, wo Interessierte ebenfalls die Möglichkeit haben, die Filme zu sehen. Das Gros der Produktionen, zumindest der Fernseh-Produktionen, sei zudem im Netz verfügbar, erklärt Müller beim Start. Trotzdem habe das Filmfest über die Jahre keinen Besuchereinbruch erfahren. Im Gegenteil. Es sei einfach ein Erlebnis, Filme in Gemeinschaft zu schauen. Das eigentliche Erfolgsgeheimnis aber seien die Filmgespräche nach den Vorführungen, ist Festivalleiter Müller überzeugt. So wird im Rahmen der Schulprogramme bis Freitag Hannelore Gilsenbach aus Brodowin mit den Klassen diskutieren.

Begleitet werden die Vorführungen in der Aula der HNE durch eine Ausstellung des NABU: Irrweg Pestizide. Einen Diskussionsbeitrag musikalischer Art steuert zum Auftakt das "Theater am Rand" aus Zollbrücke bei. Tobias Morgenstern und sein Team spielen die Luther-Kantate "Die schönste Zeit im Jahr ist mein". Eine Eigenproduktion mit Texten des großen Reformators sowie von Volker Braun - und einem Plädoyer zum Schutz der Lausitz.

Insgesamt waren für die 13. Ökofilmtour 153 Filme eingereicht worden. 40 Lang- und 15 Kurzbeiträge wurden für den Wettbewerb ausgewählt. Das Spektrum reicht von Porträts, etwa über Michael Succow und Hans-Christian Ströbele, über Naturimpressionen bis hin zu aktuellen politischen Themen, mit denen sich Kino- und TV-Produzenten kritisch auseinandersetzen, etwa den Dieselskandal.

Auszug aus dem Spielplan der nächsten Tage


■ Donnerstag, 18. Januar, HNE (Aula Stadtcampus): 19 Uhr "Die neuen Kinder von Golzow", 21.30 Uhr "Unsere Wälder"
■ Donnerstag, 18. Januar, HNE (Aula Stadtcampus): 11 Uhr "Nicht ohne mein Smartphone" und "Wie werden wir morgen alle satt" (Angebot für Schulklassen ab Jahrgangsstufe 7)
■ Freitag, 19. Januar, HNE (Aula Stadtcampus): 9 Uhr "Achtung Schulkinder", "Loup" und "Familie Wolf - Gefährliche Nachbarn" (Angebot ab Klasse 4)
■ Freitag, 19. Januar, HNE (Aula Stadtcampus): 11 Uhr "Die Herberge" und "Das System Milch - Die Wahrheit über die Milchindustrie" (Angebot ab Klasse 7 - alle jeweils kostenfrei)
■ Sonnabend, 20. Januar, Landsalon im Bahnhof Chorin: 19.30 Uhr "Ausgebrummt - Insektensterben in Deutschland"
■ Mittwoch, 31. Januar, Schorfheide-Info Joachimsthal: 18 Uhr "Der Baumflüsterer - Peter Wohlleben" und "Die Rückkehr der Elche"
■ Freitag, 9. März, Kulturbahnhof Biesenthal: 20 Uhr "Unser Bauer"
■ Im Anschluss an die Vorführungen finden an allen Orten Filmgespräche statt - mit Filmemachern sowie Fachleuten.
■ Vereine, Initiativen, Einrichtungen, die die Ökofilmtour bis Mitte April in ihren Ort holen wollen, können sich noch beim Veranstalter melden: Tel. 0331 2025535. Bereits feststehende Tourtermine unter www.oekofilmtour.de

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