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Sammelband mit Erfahrungen und Zeitzeugenberichten zum Abschluss des Jahresthemas präsentiert

Historie
Mit allen Wassern gewaschen

Reinhard Pfeiffer und Ulf Grieger / 23.01.2018, 06:00 Uhr - Aktualisiert 17.08.2018, 14:29
Altranft (MOZ ) Mit der Vorstellung des Sammelbandes "Wasser" ist das zweite Themenjahr des Oderbruchmuseums Altranft beendet worden. Das Buch vereint ein breites Spektrum von Äußerungen zum Thema. Landwirte, Wasserbau-Experten, Katastrophenschützer und Zeitzeugen kommen zu Wort.

Ein jeder glaubt, über Wasser Bescheid zu wissen und fragt sich erstaunt: Muss man gerade im Oderbruch, das ohne Wasser nicht denkbar wäre, ein Buch über das Wasser herausbringen? Ein Jahr lang hat das Museum in Altranft zu diesem Thema gearbeitet. Hat man also Eulen nach Athen getragen? Mitnichten! Der Sammelband hat es faustdick hinter den Ohren, besser gesagt, ist mit allen Wassern gewaschen.

Wer derzeit den Schlosspark betritt, dem "schwimmt" schon mal ein grünes Krautsammelboot entgegen, Baujahr 1975. Imposante acht Meter lang weist es den Weg in die Ausstellung. Ein Jahr hat man dem Thema Wasser in Bezug auf das Oderbruch intensive Aufmerksamkeit gewidmet. Nicht nur die historischen beiden großen Hochwasser des vorigen Jahrhunderts von 1947 und 1997 wurden eingehend beleuchtet - das von 2010 fand erstaunlicher Weise keine Erwähnung. Enthalten sind jedoch die großen Zusammenhänge Mensch-Natur-Wasser im besonderen Habitat Oderbruch. Teams waren ausgeschwärmt, um Zeitzeugen zu befragen. Dazu wurde mit dem Gewässer- und Deichverband Oderbruch und anderen Partnern zusammengearbeitet.

Am Ende des Jahres ist ein Buch zustande gekommen, das stolze 280 Seiten aufweist. Neben zahlreichen Zeitzeugenberichten ist nicht nur die Historie des Oderbruches dargestellt, sondern auch durch viele Bilder die Besonderheit der Landschaft im Zusammenspiel mit dem Wasser abgebildet worden.

Die Fotos stammen von Stefan Schick und Ulrich Seifert-Stühr und sind auch in der Ausstellung großformatig gut platziert worden. Doch die eigentliche Würze und das Salz in der Suppe liefern eben die einzelnen Sichtweisen und Erfahrungen. Die Berichte von Bewohnern und Fachleuten bis hin zum Landrat atmen diese besondere Beziehung der Menschen vor Ort und deren Bezug zum Wasser. Jürgen Hartung, langjähriger Geschäftsführer des Deichverbandes, hat zudem ein "Oderbruch-Abc" verfasst, in dem die wichtigsten Begriffe erläutert werden.

Fünf Akteure lasen zur Vorstellung die zum Teil bewegenden Schilderungen vor: Tina Veihelmann, Almut Undisz, Lars Fischer, Gregor Weichardt und Kenneth Anders. Sie hatten die Interviews geführt, lasen aus dem Buch. Dabei sprachen sie die fast 80 Besucher sehr emotional an, zumal einige der Befragten anwesend waren.

Auch das von Kenneth Anders geführte Gespräch mit MOZ-Redakteur Ulf Grieger brachte viel an Nachdenklichkeit in die Runde und löste eine lebhafte Debatte aus. Da kamen auch ernste Bedenken zur Sprache. Genannt sei die Industrialisierung der Landwirtschaft durch große Agrarkonzerne im Oderbruch, die den speziellen Belangen des Oderbruches nicht genug Rechnung tragen.

Zudem gab es den zunächst "kurios" anmutenden Vorschlag, Neuzuzüglern im Oderbruch mit einer Art "Kolonistenbrief" die Besonderheiten des Lebens im Oderbruch vertraut zu machen. So wurde auch schon der Übergang ins nächste Themenjahr gefunden, das sich speziell der Landwirtschaft im Oderbruch widmet. Peter Strohbach, viele Jahre Katastrophenschutz-Verantwortlicher im Kreis und THW-Ortsbeauftragter in Seelow, regte einen intensiveren Austausch mit der polnischen Seite an. Gerade das THW Seelow pflegt solche Kontakte seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Das Buch "Wasser" ist im Museum Altranft für 15 Euro zu bekommen und stellt eine Bereicherung der Lokalgeschichte dar. Und will man die Gegend erkunden, so weist gerade dieses Buch zu den zahlreichen Pump- und Schöpfwerken den Weg, die oft den Zeitgeist der Erbauung in sich tragen.

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