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Seit 120 Jahren fahren Straßenbahnen durch Frankfurt / Festveranstaltung im Betriebshof

Straßenbahn
Eine durchaus mobile "alte Dame"

Erinnerung: Michael Ebermann (r.), einstiger Stadtverkehrs-Geschäftsführer, schaut sich mit Bob Lehmann, der sich im Verein für die historischen Straßenbahnen engagiert, eine Bahn von 1936 an.
Erinnerung: Michael Ebermann (r.), einstiger Stadtverkehrs-Geschäftsführer, schaut sich mit Bob Lehmann, der sich im Verein für die historischen Straßenbahnen engagiert, eine Bahn von 1936 an. © Foto: René Matschkowiak
René Matschkowiak / 24.01.2018, 07:46 Uhr - Aktualisiert 24.01.2018, 10:42
Frankfurt (MOZ) Auf ein besonderes Jubiläum wurde am Dienstag beim Frankfurter Stadtverkehr zurückgeblickt. Seit 120 Jahren nämlich fahren bereits Straßenbahnen durch die Stadt. Dazu gab es Glückwünsche" Präsente, eine Tour mit einer historischen Bahn, Rück-, aber auch Vorausblicke.

Mit einem durchaus ernst gemeinten Augenzwinkern hat Stadtverkehrs-Chef Christian Kuke die Einladungen zur Straßenbahnjubiläums-Veranstaltung verfasst. "120 Jahre Elektromobilität in Frankfurt (Oder)" ist dort zu lesen. "Elektromobilität, was für viele wie eine Erfindung der Neuzeit klingt, leben wir schon seit 120 Jahren", erklärte Christian Kuke, "leider ist diese lange Historie für die Straßenbahn auch ein Teil des Problems in der öffentlichen Wahrnehmung".

Es gab gute und schlechte Zeiten für die Straßenbahn seit der ersten Fahrt am Morgen des 23. Januar 1898 in der Oderstadt. Die höchsten Fahrgastzahlen jemals wurden 1989 gezählt. Seitdem hat sich die Zahl der Beschäftigten von einst 436 mehr als halbiert, und auch die Zahl der Straßenbahnen ist von 75 auf 26 zurückgegangen. Freilich fahren heute auch modernere Züge als einstmals durch die Stadt. "Die Straßenbahn in Frankfurt ist heute noch immer ein modernes, umweltfreundliches und wirtschaftliches Verkehrsmittel, nur eines ist sie leider viel zu wenig - sexy", findet Christian Kuke. "Dies ist auch der Grund warum die alte Dame in der politischen Diskussion zum Thema Elektromobilität nicht zum Zugpferd taugt und öffentliche Investitionen leider sehr oft in Projekten gebunden werden, welche zur Verkehrswende nicht taugen", so der Chef der SVF.

Gemeint sind sicherlich auch jene 600 Millionen Euro, welche die Bundesregierung zur Verfügung stellt, um Elektroautos zu kaufen und die bei weitem nicht ausgeschöpft werden, während um die Finanzierung von neuen Straßenbahnen lange gerungen wurde. Erst die Stadt und dann das Land haben schlussendlich beschlossen, die Finanzierung für neue Straßenbahnen zu stemmen.

Unter den wenigen Frauen auf der Festveranstaltung waren auch Alena Karaschinski und Sarah Damus von den Frankfurter Grünen. "Wir finden die Straßenbahn, aber auch die Elektromobilität durchaus sexy", sagen die beiden gut gelaunt. Schließlich haben sie vor knapp einem Jahr mit ihren Mitstreitern am entschiedensten für den Kauf von neuen Bahnen gekämpft und konnten so auch andere Stadtverordnete überzeugen. "Wenn man bedenkt, dass der Stadtverkehr einen Teil des verbrauchten Stroms mit den Solarmodulen auch noch selbst produziert, geht es wirklich nicht sauberer", erklären sie.

Immerhin 50 von 120 Jahren war Michael Ebermann beruflich mit der Frankfurter Straßenbahn verbunden, zuletzt als Geschäftsführer. Dass es lange Diskussionen zur Investition in neue Bahnen gibt, verwundert ihn nicht. Schließlich geht es um Fahrzeuge, die mehrere Jahrzehnte auf den Straßen sind. "Solange es allerdings kein tauglicheres System, sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich, gibt, kann man nicht darüber fantasieren, ob man die Straßenbahn abschafft oder nicht", erklärt er beim Rundgang durch das alte Betriebsgebäude an der Bachgasse. Dorthin wurden die Festgäste vom neuen Betriebshof in Neuberesinchen mit alten Straßenbahnen kutschiert, die wie auf Bestellung historisch korrekt durch die Kurven quietschten.

Auf ein besonderes Jubiläum wurde gerade beim Frankfurter Stadtverkehr zurückgeblickt. 

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