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Bombardier stellt Leiharbeiter ein

Viel zu tun: Derzeit läuft unter anderem die S-Bahn für Hamburg vom Band.
Viel zu tun: Derzeit läuft unter anderem die S-Bahn für Hamburg vom Band. © Foto: Roland Becker
Roland Becker / 29.01.2018, 19:01 Uhr - Aktualisiert 30.01.2018, 17:54
Hennigsdorf (HGA) „Du montierst nicht nur leidenschaftlich gern, sondern hast auch eine Expertise wie kein Zweiter? Dann suchen wir dich als Schienenfahrzeugmonteur.“ Diese Top-Facharbeiter werden für Bombardier gesucht, allerdings nicht zu Top-Konditionen. Die Firma Manpower, die ein Büro auf dem Bombardier-Gelände besitzt, sucht Leiharbeiter. Gelockt werden solle mit einem Stundenlohn von 12,50 Euro brutto plus Branchenzulagen, heißt es in den Annoncen.

Vonseiten des Betriebsrats wird bestätigt, dass die Zahl der Leiharbeiter zwar nicht früheres Rekordniveau von 450 erreicht hat, aber wieder deutlich steige. Bombardier-Sprecher Andreas Dienemann bestätigte, dass derzeit wieder 200 Leiharbeiter beschäftigt seien. Damit sollen „arbeitsintensive Hochphasen“ bewältigt werden. Allerdings haben laut Betriebsrat viele Betroffene einen Leiharbeitsvertrag bis Jahresende.

„Viele Kollegen verstehen das nicht: Eigentlich will Bombardier Personal loswerden, nun werden Leiharbeiter gesucht. Das ist für viele nicht motivationsfördernd“, weiß Betriebsrat Volkmar Pohl über die Stimmung in der Belegschaft zu berichten. Wie bekannt will Bombardier am Hennigsdorfer Standort bis zu 500 Arbeitsplätze abbauen, bis 2020 jedoch ohne betriebsbedingte Kündigungen. Derzeit aber sind die Auftragsbücher voll. In Hennigsdorf werden Trams für Berlin, U-Bahnen für Stockholm und Hamburg sowie Regionalzüge gebaut. Dazu kommen Zuarbeiten für den ICx. „Wir haben für die Leiharbeit unser Okay gegeben“, bestätigt Pohl. Als Betriebsrat sei man auch dem Firmenwohl verpflichtet. „Liefern wir unpünktlich, bestellen die Kunden in Zukunft nicht mehr“, befürchtet er.

Pohl weiß aber auch: Wenn Bombardier Leiharbeiter einstellt, dann ist dabei auch der Rotstift mit im Spiel. „Bombardier will auf diese Weise beim Arbeitskräfte-Pool flexibel reagieren können. Und es ist auch ein Kostenfaktor.“ Gemeinhin muss Bombardier Leiharbeiter wie Stammpersonal bezahlen, also nach dem Metaller-Tariflohn. Anders sieht das aus, wenn ein solches Unternehmen im Verband der Leiharbeitsfirmen Mitglied ist. „Dann ändert sich das Vertragsverhältnis“, weiß Stefanie Jahn von der IG Metall. Unter Strich heißt das in diesem Fall: Der Tariflohn in der Leiharbeitsbranche liegt deutlich unter dem der Metallbranche. Praktisch kann das bedeuten: Zwei Kollegen erledigen die gleiche Arbeit, werden aber unterschiedlich bezahlt.

Wenn’s ums Sparen geht, hat Bombardier noch mehr Ideen. So hat bislang die Hennigsdorfer Firma Sirail Kabelarbeiten für den Konzern erledigt. Für diese Leiharbeit musste Metaller-Tariflohn gezahlt werden. Um das zu umgehen, soll jetzt ein Werkvertrag geschlossen werden. „Wir vermuten, dass das aus Kostengründen geschieht“, sagt Pohl.

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